Chronische Schmerzen in mehreren Körperregionen

Bei der Diagnose des Fibromyalgiesyndroms spielt unter anderem die Druckschmerzempfindlichkeit von bestimmten Druckpunkten (Tenderpoints) eine Rolle. (Foto: Fotolia / agenturfotografin)
Bei der Diagnose des Fibromyalgiesyndroms spielt unter anderem die Druckschmerzempfindlichkeit von bestimmten Druckpunkten (Tenderpoints) eine Rolle. (Foto: Fotolia / agenturfotografin)

Genaue Ursache von Fibromyalgie ist nach wie vor ungeklärt.

(iwg/ihs/fru) In Deutschland leiden schätzungsweise zwei bis drei Prozent der Bevölkerung am sogenannten Fibromyalgiesyndrom (FMS), einer komplexen chronischen Erkrankung, bei der wahrscheinlich eine Störung im zentralen Schmerzverarbeitungssystem vorliegt. Etwa 80% der Patienten sind Frauen. Die Krankheit manifestiert sich am häufigsten etwa zwischen dem 40. und dem 60. Lebensjahr. „Obwohl die Schmerzen und Beeinträchtigungen quälend und belastend sein können, führt das FMS nicht zu Schäden an Muskeln, Gelenken oder Organen“, wird auf dem Portal „Patienten-Information.de“ des Ärztlichen Zentrums für Qualität in der Medizin (ÄZQ) erklärt.

Normale Lebenserwartung

Das FMS ist nicht heilbar, die Lebenserwartung der Patienten ist jedoch von der Erkrankung nicht negativ betroffen. Fibromyalgie bedeutet übersetzt „Faser-Muskel-Schmerz“ und wird teilweise auch als ein psychosomatisches oder rheumatisches Krankheitsbild dargestellt. Darüber wird gestritten, denn es treten beispielsweise keine Entzündungen auf, was für viele Rheumaerkrankungen charakteristisch wäre. Bis heute ist die Ursache nicht geklärt. „Man vermutet aber, dass die persönliche Veranlagung, belastende Lebensereignisse, schlecht verarbeiteter Stress und Überlastung eine Rolle spielen“, sagt das ÄZQ.

Eine genaue Diagnose ist im Fall von Fibromyalgie sehr wichtig, denn etliche Patienten werden aufgrund einer falschen Diagnose z. B. jahrelang mit Antirheumatika behandelt und leiden dennoch unter immer stärkeren Schmerzen. Die Diagnose ist jedoch nicht leicht. Lediglich einige Hormone wie Serotonin, Kalzitonin oder Somatomedin sind in geringerer Konzentration vorhanden als normal. Ansonsten wird darauf geachtet, ob es weit verbreitete Schmerzen in mehreren Körperregionen gibt, die länger als drei Monate anhalten und ob bei bestimmten Druckpunkten (Tenderpoints) eine Druckschmerzempfindlichkeit vorhanden ist. Zudem werden auch typische Begleitsymptome der Erkrankung, wie z. B. Müdigkeit, Schlafstörungen oder Steifigkeit abgefragt.

Multimodale Behandlung

Das Schmerzbild kann anhaltend, wiederkehrend oder wandernd sein und es kann sich z. B. bei Faktoren wie Stress, Nässe oder Kälte verstärken. Eine Behandlung mit Linderung der Symptome ist möglich. Sie fußt auf mehreren Säulen. Es handelt sich also um einen multimodalen Ansatz. „Die Grundsäulen sollten dabei sein: Physikalische Therapien, Krankengymnastik, medikamentöse Behandlungen, Entspannung, psychotherapeutische Unterstützung in Form von Krankheits- und Schmerzbewältigung und gegebenenfalls auch alternative Therapie“, empfiehlt die Deutsche Fibromyalgie Vereinigung (DFV).

Laut ÄZQ empfehlen Experten auch mehrmals pro Woche leichtes Ausdauertraining, wie Walking, Schwimmen oder Radfahren. Auch sanftes Kraft- und Funktionstraining können wirksam sein, zum Beispiel (Wasser-)Gymnastik in Gruppen. Wichtig sei in jedem Fall, Muskeln und Bänder regelmäßig zu bewegen, ohne sie dabei zu stark zu belasten. Das Treffen in Selbsthilfegruppen ergänzt die angebotenen Therapien. Hier finden die Menschen, die mit dieser chronischen Erkrankung leben müssen und deren Angehörigen Hilfe, Rat und Unterstützung.

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Quellenangaben:
Informationen der Fibromyalgie Liga unter https://www.fibromyalgie-liga.de/ ff., der Deutschen Schmerz Liga unter https://schmerzliga.de/fibromyalgie.html, des Portals Patienten-Information.de der Bundesärztekammer und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung unter www.patienten-information.de/mdb/downloads/kip/rheumatische-erkrankungen/fibromyalgiesyndrom-kip.pdf der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie unter https://www.rheuma-liga.de/fibromyalgie/ ff. und der Deutschen Fibromyalgie Vereinigung (DFV) unter https://www.fibromyalgie-fms.de/fibromyalgie/therapie/ ff. (alle abgerufen im April 2019)