Chirurgische Kieferkorrekturen

Die MKG-Chirurgie ist als einziges Fachgebiet auf die so genannte Dysgnathie-Chirurgie (Fehlbisschirurgie) spezialisiert. (Foto: Fotolia / Falk)
Die MKG-Chirurgie ist als einziges Fachgebiet auf die so genannte Dysgnathie-Chirurgie (Fehlbisschirurgie) spezialisiert. (Foto: Fotolia / Falk)

Fehlstellungen können in vielen Fällen operativ behandelt werden.

(dbp/fru) Kieferfehlstellungen können nicht nur das Kauen, Sprechen und Schlucken erschweren, sondern auch die Nasenatmung einschränken. Sie führen oft zu einer verspannten Muskulatur im Kauapparat und zu Schmerzen in den Kiefergelenken. Zudem stellen sie für viele Betroffene auch ein ästhetisches Problem dar, was auch zu psychischen Leiden führen kann.

Neben kieferorthopädischen Möglichkeiten gibt es auch chirurgische Optionen, um Kieferfehlstellungen zu beseitigen: „Nur wenige Menschen wissen, dass die Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie heute mit anspruchsvollen, aber nur wenig belastenden Eingriffen helfen kann. Sie ist als einziges Fachgebiet auf die so genannte Dysgnathie-Chirurgie (Fehlbisschirurgie) spezialisiert und bietet auch bei schwerwiegenden Kieferfehlstellungen operative Lösungen“, teilt die Deutsche Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (DGMKG) mit.

Eingriffe fast immer und in jedem Alter möglich

In der Fehlbiss-Chirurgie werden laut DGMKG die erforderlichen Hautschnitte im Mundinneren angelegt, damit später keine sichtbaren Narben verbleiben. Durch diese kleinen Zugänge bringt der Chirurg den Kieferknochen in die anatomisch korrekte Position. „So kann z. B. ein vor- oder zurückstehender Ober- bzw. Unterkiefer nach vorne oder nach hinten verlagert werden. Ebenso lassen sich Höhe und Breite der Kiefer verändern“, erklärt die DGMKG.

Früher wurden die Knochen verdrahtet, um sie zu fixieren – heutzutage erfolgt das mit kleinen Titanschrauben und -plättchen. Dadurch kann der Patient nach dem Eingriff den Mund sofort wieder öffnen und auch sprechen, essen oder sich die Zähne putzen. Wenn eine umfangreiche Verlagerung stattfindet, kann es jedoch für ein paar Tage sinnvoll sein, Ober- und Unterkiefer zu fixieren. Für ein optimales Ergebnis sei laut DGMKG oft eine ergänzende kieferorthopädische Behandlung erforderlich. Eine Harmonisierung der Kieferstellung könne grundsätzlich fast immer und in jedem Alter erfolgen.

Mehr Platz für Zähne dank Distraktionsosteogenese

Es kommt vor, dass ein Kiefer zu eng ist und dadurch den Zähnen in der Zahnreihe nicht genügend Platz zur Verfügung steht. Ein solcher Engstand führt regelmäßig zu einer Abnutzung von Zähnen durch ungünstiges Aufeinanderbeißen. Auch Probleme bei der Zahnhygiene können auftauchen, weil Zahnbürste oder Zahnseide nicht mehr in die Zahnzwischenräume gelangen können. Und auch hier kommt eine unschöne Ästhetik zum Tragen. In solchen Fällen kann die moderne MKG-Chirurgie mit einer „Aufdehnung“ des Kieferknochens helfen. Diese relativ neue Methode heißt Distraktionsosteogenese, heißt es von der DGMKG. Dabei wird auf natürliche Weise neues Knochengewebe gebildet, so dass alle Zähne gleichmäßig nebeneinander Platz finden. Bislang mussten dazu meist mehrere Zähne gezogen werden.

Heutzutage ermöglicht eine kleine Apparatur die Knochenneubildung, die in einem kleinen chirurgischen Eingriff in eine zuvor angelegte Fuge des Kieferknochens eingesetzt wird. Sie dehnt dann den Kiefer über mehrere Wochen auf sanfte Weise auf. „Ähnlich wie bei der Heilung eines Bruchs entsteht dabei neues Knochengewebe, das nach etwa drei Monaten genauso stabil ist wie der übrige Kieferknochen“, erklärt die DGMKG. Muskeln, Gefäße und Nerven wachsen übrigens mit, sodass der komplette betroffene Gesichtsbereich eine wesentliche ästhetische Optimierung erfährt.