Chemotherapie: Übelkeit muss nicht sein

Der Brechreiz und die Übelkeit, die mit einer Chemotherapie einhergehen, sind für viele Patienten belastender als die Krebserkrankung selbst. (Foto: Picture P/Fotolia)
Der Brechreiz und die Übelkeit, die mit einer Chemotherapie einhergehen, sind für viele Patienten belastender als die Krebserkrankung selbst. (Foto: Picture P/Fotolia)

Maßgeschneiderte Medikamente sollen den Brechreiz lindern.

(dbp/spo) Eine Chemotherapie hat belastende Nebenwirkungen. Auch dagegen gibt es inzwischen Medikamente; zum Beispiel solche, die den Brechreiz unterdrücken. Sie wirken allerdings nicht beim jedem Patienten gleich gut.

Eine Chemotherapie ist eine medikamentöse Behandlung mit sogenannten Zytostatika. Diese Wirkstoffe werden über das Blut in den ganzen Körper verteilt und hemmen das Wachstum von Tumorzellen, wo immer sie auf solche treffen. Weil sie auf das ganze „System Mensch“ wirken, werden Therapiemethoden wie die „Chemo“ als systemisch bezeichnet.

Zwar gibt es mittlerweile eine Vielzahl unterschiedlicher Wirkstoffkombinationen, die bei Chemotherapien zum Einsatz kommen, doch Übelkeit und Erbrechen treten trotzdem häufig auf. Und zwar oft so ausgeprägt, dass viele Patienten diese Nebenwirkung belastender wahrnehmen als die Krebserkrankung selbst. Außerdem ist anhaltende Übelkeit und ständiges Erbrechen nicht gerade ungefährlich für Krebspatienten: Die Unlust auf Essen und der Verlust von Flüssigkeit und Mineralsalzen schwächen das sowieso schon angeschlagene Immunsystem zusätzlich.

Viel Serotonin sorgt für Brechreiz

Die Ursache für den Brechreiz liegt im körpereigenen Botenstoff Serotonin. Er wird während einer Chemotherapie vermehrt gebildet und dockt an bestimmte Rezeptoren im Gehirn an. Fester Bestandteil in der Krebstherapie sind inzwischen die sogenannten Antiemetika – Medikamente, die diese Rezeptoren blockieren und den Andockvorgang stören. So wird der Brechreiz abgemildert oder sogar ganz vermieden.

Ein Problem: Die genannten Medikamente wirken nicht bei jedem Patienten gleich. Während der eine deutliche Verbesserungen bemerkt, schlagen sie nach Angaben der Deutschen Krebshilfe bei etwa einem Drittel der Patienten kaum an. Der Grund dafür liegt in der unterschiedlichen Ausgestaltung der Rezeptoren, an die das Serotonin andockt. Genau wie der genetische Code von Mensch zu Mensch einzigartig ist, ist es auch die Bauweise dieser Rezeptoren. Deshalb kommt es vor, dass Medikamente die gewünschten Andockstellen nicht als solche erkennen und somit nicht wirken.

Forscher suchen nach individueller Arznei

Wissenschaftler des Universitätsklinikums Heidelberg sind allerdings schon dabei, neue, maßgeschneiderte Arzneimittel zu entwickeln, mithilfe derer sich das Problem lösen lässt. In Zukunft sollen die Wirkstoffe individuell auf den Patienten zugeschnitten werden. „Ziel des Heidelberger Forschungsprojektes ist es, wirksame Medikamente gegen Übelkeit für jeden Krebspatienten bereitstellen zu können“, teilte Gerd Nettekoven mit. Er ist Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krebshilfe, die das Projekt finanziell unterstützt. Bis es in der Praxis tatsächlich so weit ist, könnte aber noch einige Zeit vergehen.