Chemotherapie kann Spätfolgen haben

Eine Chemotherapie ist kein Spaziergang, aber ihre Nebenwirkungen sind heute besser beherrschbar als früher. (Foto: JPC-PROD / Fotolia)
Eine Chemotherapie ist kein Spaziergang, aber ihre Nebenwirkungen sind heute besser beherrschbar als früher. (Foto: JPC-PROD / Fotolia)

Manche Nebenwirkungen machen sich erst nach der Behandlung bemerkbar

(dbp/auh) Neben den gefürchteten Nebenwirkungen Haarausfall und Erbrechen kann eine Chemotherapie auch weiter reichende Folgen nach sich ziehen, die das Leben des Krebspatienten sogar nach einer kompletten Heilung beeinträchtigen. Der modernen Onkologie stehen auch für diese Probleme Lösungsmöglichkeiten zur Verfügung.

Professor Dr. Bernhard Wörmann, medizinischer Leiter der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO), gliedert die Nebenwirkungen der Chemotherapie in vier große Gruppen:

1. akut auftretende Symptome, die nach der Therapie wieder verschwinden,

2. solche, die auch nach der Chemo bleiben,

3. Beschwerden, die sich erst im Verlauf der Therapie entwickeln und

4. Spätfolgen, die noch viele Jahre nach Abschluss der Krebsbehandlung auftreten können.

Die Symptome der ersten Gruppe können vorbeugend mit gezielt eingesetzten Medikamenten behandelt oder mit variabel zusammengesetzten Zytostatika beeinflusst werden. Zu den Nebenwirkungen der zweiten Gruppe gehören Herzerkrankungen und Unfruchtbarkeit. „Bei einer erwartbaren Schädigung des Herzens überwachen wir den Patienten engmaschig. Im Echokardiogramm sind die Anzeichen sichtbar, bevor der Schaden vom Patienten gespürt wird“, erläutert der Experte.

Vorsorgliche Kinderwunschbehandlung

Besonders engagiert setzt sich der erfahrene Onkologe und Hämatologe für seine jüngeren Patienten ein, die noch Kinder bekommen möchten. Wenn absehbar ist, dass die Chemo- oder Strahlentherapie einer späteren Verwirklichung des Kinderwunsches im Wege steht, hält der Arzt das vorsorgliche Einfrieren von Spermien oder Eizellen für eine gute Option. Professor Wörmann bedauert, dass die gesetzlichen Krankenkassen diese Form der Kinderwunschbehandlung nicht bezahlen.

Folgeschäden frühzeitig entdecken

Osteoporose und Schilddrüsenunterfunktion sind Beispiele für Nebenwirkungen der dritten Gruppe. In beiden Fällen helfen Früherkennungsuntersuchungen, eine rechtzeitige medikamentöse Behandlung einleiten zu können. Nicht unterschätzen dürfe man die psychische Belastung, die von einer Krebserkrankung ausgehe, so Professor Wörmann. „Manche Patienten absolvieren die Chemo mit erstaunlicher Leichtigkeit und fallen danach in ein tiefes, schwarzes Loch.“ Wenn Patienten nicht mehr zu den Nachsorgeuntersuchungen erscheinen, wird er hellhörig und fragt persönlich nach.

Zweittumore gehören zu den seltenen Nebenwirkungen der Gruppe vier. Manche Zytostatika können selbst krebserzeugend sein. Hinzu kommt, dass viele Patienten neben der Chemo auch einer Strahlenbelastung durch die Radiotherapie ausgesetzt waren. Engmaschige Überwachung ist auch in diesen Fällen eine sinnvolle Methode. Bei einem erwartbar erhöhten Brustkrebsrisiko werden regelmäßige Kernspinuntersuchungen gemacht.

Ob und welche Nebenwirkungen auftreten, ist abhängig von mehreren Faktoren, dazu gehört das Stadium der Krebserkrankung, die Art des Tumors, das Alter und der Gesundheitszustand des Patienten. Da es sich bei den Zytostatika um sehr wirkmächtige Arzneimittel handelt, ist eine völlig nebenwirkungsfreie Behandlung nicht realistisch. „Wir geben schließlich kein Aspirin“, meint Professor Wörmann.