Bunte Klebebänder gegen den Schmerz

Kinesio-Tapes können z. B. zur unterstützenden Behandlung von Schulterschmerzen eingesetzt werden. (Foto: Kzenon / Fotolia)
Kinesio-Tapes können z. B. zur unterstützenden Behandlung von Schulterschmerzen eingesetzt werden. (Foto: Kzenon / Fotolia)

Viele Sportler schwören auf das Kinesio-Taping.

(dbp/fru) Zugegeben: Es sieht manchmal ziemlich ulkig aus, wenn Menschen mit bunten Klebebändern am Körper Sport treiben. Unvergessen ist z. B. der Auftritt des italienischen Fußballers Mario Balotelli, als er im Halbfinale der Fußball-Europameisterschaft 2012 sein zweites Tor gegen Deutschland erzielt hatte. Er zog sein Trikot aus, um eine Jubelgeste zu zelebrieren und auf seinem Rücken stachen drei türkisfarbene längliche Pflaster hervor, von denen die Zuschauer im ersten Moment nicht recht wussten, was das genau sein soll. Seitdem diskutiert man über die Vorliebe von Sportlern, sich mit den sogenannten Kinesio-Tapes vorbeugend oder therapeutisch behandeln zu lassen. Denn anschließend sah man auch bei den folgenden Olympischen Spielen und allen möglichen sonstigen Sportereignissen die bunten Klebebänder im Einsatz.

Medizinische Wirkung nicht erwiesen

Bei Kinesio-Tapes handelt es sich um selbstklebende Tapes aus einem dehnbaren Material, auf das ein Spezialkleber aufgebracht ist. Unter Anwendung unterschiedlicher Klebetechniken (Taping) wird dieses Tape auf die Haut aufgebracht und soll dort unterschiedliche Wirkungen erzielen. Die Behandlung wird meistens von Physiotherapeuten angeboten, aber mittlerweile auch von immer mehr Ärzten. Sie wird als unterstützende Therapie bei fast allen Erkrankungen des Bewegungssystems eingesetzt, heißt es von der Ambulanten Abteilung für Physiotherapie des Universitätsklinikums Essen. Die Anwendung basiere auf den Prinzipien der Kinesiologie. Sie wurde von dem japanischen Chiropraktiker und Kinesiologen Kenzo Kase bereits in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts entwickelt.

Trotz zunehmender Anwendungen und Akzeptanz bei Behandlern und Patienten, fehlen immer noch wissenschaftliche Beweise zur Wirksamkeit und zum Wirkmechanismus. Es gibt zwar eine Vielzahl von Studien. Diesen fehlt es aber meistens an Qualität, da bestimmte Kriterien nicht erfüllt werden, wie z. B. ein wissenschaftlich fundiertes Studiendesign oder ausreichend hohe Fallzahlen.

Grundlegende Funktionen und Effekte

Auch wenn eindeutige Studien zur medizinischen Wirksamkeit fehlen, schwören viele Sportler auf die Wirkung der bunten Klebebänder. Grundsätzlich gibt es beim Kinesio-Taping vier Grundtechniken, die entweder separat oder in Kombination angewendet werden können, teilt die Ambulante Abteilung für Physiotherapie des Universitätsklinikums Essen mit. Mit sogenannten Muskelanlagen werden z. B. Verletzungen der Muskulatur behandelt. Die Kinesio-Tapes können hier zu einer Normalisierung des Ruhetonus, einer Schmerzlinderung und Verbesserung der Belastbarkeit führen, was eine schnellere Heilung bewirken soll. Ligamentanlagen werden hingegen bei Verletzungen und Überlastungen von Sehnen und Bändern angebracht. Auch hier soll eine Entlastung, Schmerzminderung und Verbesserung der Belastbarkeit erzielt werden.

Korrekturanlagen können entweder bei knöchernen Fehlstellungen (z. B. Patella-Korrektur) oder Verklebungen der Muskelfaszien angewendet werden. Und schließlich können auch Lymphanlagen zur Anwendung kommen, wenn der  Lymphabfluss gestört ist. Anhand dieser vier Anlagetechniken sowie deren Kombinationen ergeben sich sehr viele konkrete Anwendungsmöglichkeiten mit unterschiedlichen Wirkweisen. Kinesio-Tapes sind übrigens luft- und wasserdurchlässig, gleichzeitig aber auch wasserbeständig und somit mehrere Tage tragbar.

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Quellenangaben:
Onlineinformationen des Uniklinikums Essen unter http://www.physiotherapie-uk-essen.de/physiotherapie3/physiotherapie/ambulante-physiotherapie/informationen/kinesio-taping/ (abgerufen im März 2017)