Brustschmerzen bei Stress? Unbedingt zum Arzt!

Bei körperlicher oder psychischer Belastung kann sich die koronare Herzkrankheit mit Schmerzen in der Brust bemerkbar machen. (Foto: Tharakorn / Fotolia)
Bei körperlicher oder psychischer Belastung kann sich die koronare Herzkrankheit mit Schmerzen in der Brust bemerkbar machen. (Foto: Tharakorn / Fotolia)

Die koronare Herzkrankheit (KHK) kann unbehandelt zum Herzinfarkt führen

(dbp/auh) Das Herz ist die zentrale Versorgungsstation für den ganzen Körper. Es schlägt jeden Tag mehr als 115.000-mal und sorgt dafür, dass täglich 10.000 bis 15.000 Liter Blut durch den Körper gepumpt werden. Und wer versorgt das Herz? Die Herzkranzgefäße!

Die auch Koronararterien genannten Gefäße überziehen den Herzmuskel netzförmig mit vielen kleinen Seitenästen und versorgen das Herz mit sauerstoffreichem Blut. Wie in allen Gefäßen kann es auch in den Koronararterien zu Ablagerungen (Plaques) an den Gefäßwänden kommen. Wenn dadurch der Durchfluss in den Arterien gestört wird, entsteht ein Sauerstoffmangel in einzelnen Herzmuskelabschnitten. Mediziner sprechen dann von einer koronaren Herzkrankheit (KHK).

Typisch: Engegefühl bei Belastung

Hochgradig verengte Herzkranzgefäße können sich durch typische Angina-pectoris-Symptome bemerkbar machen: ein Engegefühl in der Brust, das mit Schmerzen und Atemnot einhergehen kann. Typisch für eine KHK ist laut Deutscher Herzstiftung, dass diese Beschwerden bei körperlicher oder auch bei psychischer Belastung auftreten.

„Der Schmerz kann in die Schulter, in den Kieferbereich oder in den Oberbauch ausstrahlen“, erklärt Professor Heribert Schunkert, Kardiologe am Deutschen Herzzentrum München, im KHK-Sonderband der Deutschen Herzstiftung. Der Experte rät allen Menschen mit solchen Symptomen, sofort zum Arzt zu gehen. „Die Beschwerden müssen abgeklärt werden“, so Professor Schunkert.

Beschwerden nicht ignorieren

Der Klinikleiter weiß aus seiner Praxis, dass der Arztbesuch vielen Menschen nicht leicht fällt. „Die Versuchung ist groß, die Beschwerden zu verdrängen und dadurch dem Arztbesuch aus dem Weg zu gehen. Viele Patienten schieben die Beschwerden auf das Alter, die schwachen Bronchien oder den empfindlichen Magen.“ Manche ändern sogar ihre Gewohnheiten, damit die Beschwerden seltener auftreten. Sie nehmen zum Beispiel den Aufzug, statt die Treppe zu steigen oder sie vermeiden psychisch anstrengende Auseinandersetzungen.

Handelt es sich aber bei den Symptomen wirklich um Anzeichen einer Verengung in den Herzkranzgefäßen, dann droht bei einem Fortschreiten des Ablagerungsprozesses ein kompletter Gefäßverschluss mit der Folge: Herzinfarkt. Belastungs-EKG genügt nicht

Bei Patienten mit typischen Angina-pectoris-Symptomen wird in der Regel ein Belastungs-EKG gemacht. Das Ergebnis muss aber immer im Zusammenhang mit weiteren, individuell verschiedenen Faktoren, gesehen werden, so Professor Schunkert. Auf der einen Seite ist ein unauffälliges Belastungs-EKG keine Entwarnung, auf der anderen Seite stellt sich ein auffälliges Belastungs-EKG – insbesondere bei Frauen – im Nachhinein oft als falscher Alarm heraus.

Die sicherste Untersuchungsmethode ist nach Meinung des Münchner Kardiologen die Herzkatheteruntersuchung. „Nur der Herzkatheter kann genau darstellen, wo die Engstellen liegen.“ Weniger invasive Untersuchungen, die dem Herzkatheter vorgeschaltet werden können, sind zum Beispiel eine Stress-Echokardiografie (Ultraschalluntersuchung des Herzens bei erhöhter Pumpleistung) oder eine Stress-Magnetresonanztomografie. Damit  könne untersucht werden, ob einzelne Bereiche des Herzmuskels unterversorgt sind.