Botenstoff im Bauchfett kann krank machen

Dieser Mann liegt mit seinen 87 cm Bauchumfang im "grünen Bereich". (Foto: industrieblick / Fotolia)
Dieser Mann liegt mit seinen 87 cm Bauchumfang im "grünen Bereich". (Foto: industrieblick / Fotolia)

(dbp/auh) An Botschaften aus dem menschlichen Fettgewebe scheint die medizinische Forschung ganz besonders interessiert zu sein.

Haben wir doch erst kürzlich gelernt, dass unser Bauchfett nicht träge und nach Ansicht vieler völlig nutzlos in uns herumliegt, sondern ein äußerst stoffwechselaktives Organ ist. Anders als das subkutane (unter der Haut liegende) Fett produziert das viszerale (um die inneren Organe liegende) Fett laufend Botenstoffe, die leider hauptsächlich schlechte Nachrichten transportieren: Entzündungsprozesse werden ausgelöst, die Stoffwechsel- und Gefäßerkrankungen oder sogar Krebs begünstigen.

Am Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE) wurde nun ein „neuer“ Botenstoff im Fett gefunden, der bei Menschen mit starkem Übergewicht zu Insulinresistenz führen kann. Das Team um Professor Andreas Pfeiffer und Dr. Natalia Rudovich von der Abteilung Klinische Ernährung am DIfE hat das Eiweißmolekül WISP1 als ein weiteres mögliches Bindeglied zwischen Übergewicht und chronischen Entzündungsreaktionen sowie Insulinresistenz identifiziert. Das Molekül war zwar bereits bekannt, aber nach Angaben des DIfE hatte man es bisher nur mit der Regulation des Knochenwachstums und dem Entstehen einiger Krebsarten in Verbindung gebracht.

Während das Fettgewebe unter der Haut nur geringe Mengen dieses Proteins freisetzt, produziert das viszerale Fettgewebe besonders viel WISP1. Nach einer Gewichtsreduktion reduziert sich nach Angaben der Mediziner auch der WISP1-Gehalt im Blut.

„Je mehr wir über die molekularen Mechanismen erfahren, die den übergewichtsbedingten Entzündungsprozessen zu Grunde liegen, desto leichter wird es sein, zukünftig geeignete Medikamente zu entwickeln, welche Erkrankungen wie Diabetes, Herzinfarkt oder Schlaganfall entgegenwirken“, erklärt Professor Pfeiffer. „Denkbar wären zum Beispiel Medikamente, die gezielt die verstärkte Ausschüttung von Entzündungsmediatoren wie WISP1 auf ein normales Maß verringern“, sagt Dr. Rudovich.

Tipp: Einen Hinweis auf die Menge des viszeralen Fettes kann die Größe des Bauchumfangs geben. Infos dazu zum Beispiel bei der Schweizerischen und Deutschen Diabetes-Stiftung unter www.diabetesstiftung.org/risiko-bauchumfang.html.