Bleiben oft unbemerkt

Gallensteine sollten unbedingt entfernt werden, wenn sie Koliken auslösen, die sich durch teilweise stundenlange, starke Schmerzen im Oberbauch äußern. (Foto: Fotolia / Danny S.)
Gallensteine sollten unbedingt entfernt werden, wenn sie Koliken auslösen, die sich durch teilweise stundenlange, starke Schmerzen im Oberbauch äußern. (Foto: Fotolia / Danny S.)

Galleinsteine müssen nicht immer Beschwerden verursachen.

(dbp/spo/fru) Gallenblasensteine (oder umgangssprachlich Gallensteine) kommen recht häufig vor, jedoch erst mit dem Alter. Neben dem Alter sind auch weitere Risikofaktoren bekannt, wie z. B. Übergewicht, eine erbliche Veranlagung und Diabetes mellitus vom Typ 2. Frauen sind öfter betroffen als Männer. „So haben im dritten Lebensjahrzehnt zwei Prozent der Männer und fünf Prozent der Frauen Gallenblasensteine. Nach dem siebzigsten Lebensjahr haben jede zweite Frau und jeder dritte Mann in Deutschland Gallenblasensteine“, teilt die Gastro-Liga in ihrer Broschüre „Ratgeber Gallensteine“ mit. Gallenkoliken äußern sich durch starke Schmerzen im Oberbauch, die mindestens eine viertel Stunde andauern, manchmal sogar mehrere Stunden. Verantwortlich dafür sind meist Gallensteine, die in der Gallenblase oder den Gängen zwischen Galle und Dünndarm stecken.

Cholesterin- oder Pigmentsteine

Gallensteine sind keine echten Steine im wörtlichen Sinne, sondern auskristallisierte Inhaltsstoffe der Gallenflüssigkeit. Diese besteht zu 80 Prozent aus Wasser. Der Rest sind unter anderem Gallensäuren, Cholesterin und der Gallenfarbstoff Bilirubin. In der flüssigen Galle sind alle Bestandteile in einer bestimmten Konzentration enthalten. Verändert sich dieses Gleichgewicht, können Bestandteile wie Cholesterin verklumpen und Kristalle bilden. Ähnliches passiert auch, wenn zu viel des Farbstoffs Bilirubin in der Gallenflüssigkeit enthalten ist. Mediziner sprechen demnach je nach Entstehungsart von Cholesterinsteinen oder Pigmentsteinen. Die Erstgenannten kommen häufiger vor und sind meist heller und größer.

Die gute Nachricht: Drei Viertel der Betroffenen wissen laut dem Berufsverband Deutscher Internisten gar nicht, dass sie Gallensteine haben, weil sich keine Beschwerden zeigen. Grundsätzlich ist es auch kein Problem, mit kleinen Steinen in der Gallenblase zu leben. Beim restlichen Viertel allerdings kommt es irgendwann zu mehr oder weniger schweren Koliken und Verdauungsstörungen, weil die Steine für Reizungen sorgen oder den Gallengang verstopfen. Hier sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden.

Diagnose erfolgt über Ultraschall und ERCP

Der Arzt nutzt verschiedene Diagnoseinstrumente, um die Erkrankung feststellen zu können: „Gallenblasensteine oder eine Entzündung der Gallenblase können mittels einer Sonografie durch die Bauchdecke mit hoher Treffsicherheit festgestellt oder ausgeschlossen werden“, heißt es von der Gastro-Liga. Zum Standard gehört auch ein Bluttest mit der Werte bestimmt werden, die etwas über Leber, Galle und Entzündungsvorgänge aussagen. Wenn die Gallensteine schlecht sichtbar im Gallengang stecken, bringt eine röntgengestützte Endoskopie (sogenannt ERCP) Klarheit. Dabei wird ein Hohlspiegel über die Speiseröhre bis zum Gallengang geführt und ein Kontrastmittel eingespritzt, sodass die Steine sichtbar werden. Als röntgenfreie Diagnosealternative dient inzwischen eine spezielle Form der Magnetresonanztomographie (MRCP).

Die Therapie von Gallensteinen orientiert sich danach, wo die Steine liegen und ob es bereits Entzündungen gibt. Gibt es keine Beschwerden, wird i.d.R. erst einmal abgewartet und gar nicht behandelt. Wenn jedoch bereits eine Gallenkolik aufgetreten ist, wird je nach Befund zum operativen Entfernen der Gallenblase geraten. Dies kann heutzutage via „Schlüssellochchirurgie“ (über kleine Bauchschnitte) erfolgen. Auch ohne Gallenblase lässt es sich übrigens problemlos weiterleben.