Blasenschwäche: Was ist dran am nächtlichen Harndrang?

Schon wieder nachts raus? Nächtlicher Harndrang ist auch im Alter nicht normal. (Foto: Yuri Arcurs / Fotolia)
Schon wieder nachts raus? Nächtlicher Harndrang ist auch im Alter nicht normal. (Foto: Yuri Arcurs / Fotolia)

Wer häufig nachts zur Toilette muss, sollte auch an sein Herz denken.

(dbp/auh) Viele ältere Menschen wachen jede Nacht mehrfach auf, weil die Blase drückt. Von den Frauen und Männern, die älter als 70 sind, leidet sogar die Mehrheit unter nächtlichem Harndrang (Nykturie). Die möglichen Ursachen sind vielfältig, sie reichen vom „natürlichen“ Alterungsprozess über eine Nierenerkrankung bis hin zur Herzinsuffizienz.

Bei älteren Männern ist oft eine gutartige Vergrößerung der Prostata schuld. Sie nimmt der darüberliegenden Blase den Raum, sodass diese tagsüber nicht mehr komplett geleert werden kann, erklärt Dr. Heribert Brück, Pressesprecher des Bundesverbandes Niedergelassener Kardiologen (BNK). Bei Frauen, die nachts häufig zur Toilette müssen, kann eine Schwäche der Beckenbodenmuskulatur die Ursache sein.

Hormonmangel als Auslöser

Manche Patienten mit Nykturie leiden möglicherweise unter einem Hormonmangel. Das Antidiuretische Hormon (ADH), auch Vasopressin genannt, regelt den Wasserhaushalt der Nieren und sorgt dafür, dass sich die Blase nachts weniger füllt als tagsüber. Übrigens: Auch übermäßiger Alkoholkonsum hemmt die Ausschüttung des Hormons Vasopressin im Hypothalamus.

Herzschwäche kann Nykturie verursachen

Kommen zum nächtlichen Harndrang weitere Symptome hinzu wie schwere Beine am Abend, Abgeschlagenheit und Luftnot bei Belastung, sollte eine Herzschwäche in Betracht gezogen werden, erläutert Dr. Brück. Diese zusätzlichen Beschwerden seien vielen Patienten gar nicht bewusst, weil sie sich daran gewöhnt haben. Der praktizierende Kardiologe nennt ein Beispiel: „Fragt man nach „Luftnot bei Belastung“, erntet man oft nur ein Kopfschütteln. Erst bei der weiteren Befragung stellt sich heraus, dass der Patient schon lange keine Treppen mehr steigt, sondern stets den Fahrstuhl nimmt.“

Nachts werden die Nieren aktiv

Anschaulich beschreibt Dr. Brück, wie nächtlicher Harndrang und Herzinsuffizienz zusammenhängen: „Tagsüber ist das schwache Herz mit anderen Sachen beschäftigt. Erst nachts hat es die Kraft, die Nieren zu aktivieren.“ Kommt der Körper in der Nacht zur Ruhe, schaffen es die Nieren, die Flüssigkeit auszuscheiden, die sich tagsüber im Gewebe angesammelt hat. Daher die abendlichen „schweren“ Beine: es handelt sich um Wassereinlagerungen (Ödeme). Je schwächer das Herz, desto häufiger müssen die Patienten nachts zur Toilette.

Mit einer Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiografie) kann eine Herzinsuffizienz sicher diagnostiziert werden. Die Krankheit ist zwar nur selten heilbar, aber gut behandelbar, wenn sie frühzeitig erkannt wird.