Blasenschwäche ist kein Schicksal

Patienten mit Dranginkontinenz müssen häufig sehr dringend zur Toilette. (Foto: Markus Bormann / Fotolia)
Patienten mit Dranginkontinenz müssen häufig sehr dringend zur Toilette. (Foto: Markus Bormann / Fotolia)

Bei Harninkontinenz zum Urologen – Muskeltraining oder Biofeedback können helfen

(dbp/wgt) Etwa sechs Millionen Menschen in Deutschland leiden an Harninkontinenz. Obwohl das Risiko mit dem Alter steigt, ist Inkontinenz keine reine Alterserscheinung. Frauen sind häufiger als Männer schon in jungen Jahren betroffen. Auch Diabetiker haben ein erhöhtes Risiko, an Inkontinenz zu erkranken. Sie leiden etwa doppelt so oft unter Beschwerden beim Wasserlassen wie Nicht-Diabetiker. Das ergab eine Untersuchung der Universität Witten/Herdecke.

Viele der Betroffenen schämen sich, ziehen sich zurück und scheuen sogar den Gang zum Arzt. Dabei gibt es in den meisten Fällen medizinische Hilfe. „Am Anfang jeder Therapie steht jedoch die eingehende Untersuchung durch den Urologen“, betont Dr. Wolfgang Bühmann, Pressesprecher des Berufsverbandes Deutscher Urologen (BDU). Nur so lasse sich die jeweilige Ursache ermitteln und eine individuelle Behandlung einleiten. Die am häufigsten diagnostizierten Formen sind die Belastungs- und die Dranginkontinenz sowie eine Mischform aus beiden.

Der Belastungsinkontinenz liegt meist eine Schwäche des Harnröhrenschließmuskels und der Muskulatur des Beckenbodens zugrunde. Übergewicht und nachlassende Kraft des Bindegewebes im Alter erhöhen das Risiko. Verstärkt sich der Druck auf die Harnblase beim Heben, Husten oder Niesen, kommt es zu ungewolltem Urinverlust. Betroffen sind häufiger Frauen als Männer. Denn Frauen haben eine schwächere Beckenbodenmuskulatur, und Schwangerschaften und Entbindungen stellen eine zusätzliche Belastung dar. Bei Männern kommt es zur Belastungsinkontinenz dagegen oft nach Operationen an der Prostata.

Bei der Dranginkontinenz liegt eine Überaktivität des Blasenmuskels vor. Die Blase signalisiert ständigen Harndrang, der sich nicht mehr unterdrücken lässt. Die Dranginkontinenz tritt gehäuft mit zunehmendem Alter auf. Verursacht wird sie durch altersbedingte Störungen der Nerven, die die Blase steuern. Aber auch Erkrankungen wie Diabetes, Multiple Sklerose, Parkinson oder Alzheimer gelten als Verursacher.

Rund ein Viertel aller Patienten mit Inkontinenz leidet nach Angaben des BDU an einer Mischform aus Belastungs- und Dranginkontinenz.

Gezieltes Training hilft

Eine gezielte Stärkung der Beckenbodenmuskulatur verschafft Patienten mit Belastungsinkontinenz oft rasche Linderung. Bei einem Biofeedback-Training lernen die Betroffenen außerdem, die Blase bewusst zu kontrollieren. Zur Vorbeugung empfiehlt der Urologe Dr. Bühmann regelmäßigen Sport und viel Bewegung. Denn so lässt sich der Risikofaktor Übergewicht vermeiden.

Bei Dranginkontinenz hilft ein Toilettentraining. Richtiges Trinkverhalten und die regelmäßige Blasenentleerung werden dabei eingeübt, und die Patienten lernen, das Wasserlassen hinauszuzögern. Gute Erfolge erzielen bei einem überaktiven Blasenmuskel auch Medikamente mit dämpfender Wirkung. „Und Diabetiker können bei optimaler Einstellung ihrer Krankheit die Risiken minimieren“, weiß Dr. Bühmann.

Zur Operation rät der Urologe dagegen nur in schweren Fällen von Inkontinenz. Immer gilt jedoch: Je früher der Patient einen Arzt aufsucht, umso größer sind die Heilungschancen.