Bioidentische Hormone statt synthetischer Derivate

Bioidentische Hormone und herkömmliche Hormonpräparate unterscheiden sich in ihrer chemischen Struktur. (Foto: Robert Kneschke / Fotolia)
Bioidentische Hormone und herkömmliche Hormonpräparate unterscheiden sich in ihrer chemischen Struktur. (Foto: Robert Kneschke / Fotolia)

Die bessere Hormonersatztherapie oder teurer Etikettenschwindel?

(dbp/auh) Die herkömmliche Hormontherapie (HT) bei Beschwerden in den Wechseljahren steht wegen ihrer riskanten Nebenwirkungen bei vielen Ärzten und Patientinnen in der Kritik. Das ist auch gut so, finden die Vertreter der „bioidentischen Hormonbehandlung“, deshalb dürfe man aber nicht sämtliche Hormonbehandlungen ablehnen. Im Gegenteil: Die „richtige“ Hormonbehandlung könne sogar die durch die Menopause hervorgerufenen Krankheitsfolgen verhindern – ganz ohne die Risiken der HT.

Die HT ersetze nämlich gar nicht die tatsächlich fehlenden Hormone. Stattdessen werde mit synthetischen Derivaten behandelt, die zwar hormonelle Wirkungen entfalten, aber eben nicht dieselben wie die körpereigenen Hormone. Ein weiterer Grund für die Gefährlichkeit der HT sei der Fokus auf den Östrogenersatz. In vielen Fällen werde bei Wechseljahresbeschwerden, ohne den tatsächlichen Hormonstatuts zu ermitteln, also quasi auf Verdacht, ein Östrogenpräparat verschrieben. Viele Frauen litten aber zu Beginn der Wechseljahre unter einer Östrogendominanz, hervorgerufen durch einen Mangel an Progesteron.

Hormone ja – aber bitte bioidentisch!

Progesteron spielt in der Behandlung mit bioidentischen Hormonen eine Hauptrolle. Aber auch andere Hormone, zum Beispiel Estradiol (das wichtigste Östrogen), werden von erfahrenen Ärzten in ihrer bioidentischen Form verabreicht. Allerdings: Nur, wenn sie fehlen. Das bedeutet, dass vor jeder Therapie der Hormonstatus ermittelt werden muss. Das geschieht nach Auffassung der meisten Experten am besten im Speichel (Salivatest), nicht durch einen Bluttest. Nur im Speichel liegen die Hormone in ihrer freien, biologisch aktiven Form vor.

Bioidentische Hormone sind keine Kassenleistung

Wichtig ist das richtige Auswerten der Messergebnisse, damit die fehlenden Hormone in der individuell passenden Dosierung ersetzt werden können. Alle Hormone, auch die bioidentischen, werden chemisch im Labor hergestellt und sind rezeptpflichtig. Der Arzt bestimmt Dosis und Darreichungsform. Dem Rezept entsprechend stellt das Labor bzw. die Apotheke die Kapseln oder Cremes her. Das hat alles seinen Preis, den die gesetzlichen Kassen nicht zahlen. Bioidentische Hormonbehandlung ist ein reines Privatvergnügen.

Auch bioidentische Hormone kommen aus dem Labor

Auf keinen Fall sollten Patientinnen, etwa um Geld zu sparen, auf pflanzliche Präparate ausweichen, die zum Beispiel im Internet als Yamswurzelcreme angeboten werden. Zwar ist der Ausgangsstoff für bioidentisches Progesteron pflanzlich und kommt tatsächlich meist aus dieser Wurzel. Aber mit Phytotherapie hat diese Behandlung absolut nichts zu tun. Da kann man sich dann tatsächlich auch gleich „Gurkensalat auflegen“, wie Professor Dr. Helmut Schatz sagt. Der Mediensprecher der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie hält allerdings die ganze bioidentische Hormonbehandlung für „Etikettenschwindel“. Hormone wirken über Hormonrezeptoren, erläutert der Experte, und da sei es unerheblich, ob es sich um synthetische Derivate oder um sogenannte körpereigene Hormone handelt. „Hormone sind Hormone“, fasst Professor Schatz zusammen.

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