Bewegungsmessung mit Hightech

Bei einer Laufbandanalyse können Bewegungsabläufe mittels Video- und Computertechnik aufgezeichnet werden. Sie kann z. B. dabei helfen, geeignete Laufschuhe auszuwählen. (Foto: underdogstudios / Fotolia)
Bei einer Laufbandanalyse können Bewegungsabläufe mittels Video- und Computertechnik aufgezeichnet werden. Sie kann z. B. dabei helfen, geeignete Laufschuhe auszuwählen. (Foto: underdogstudios / Fotolia)

Eine Gang- und Laufanalyse spürt kleinste körperliche Fehlstellungen auf.

(dbp/wgt) Ob wir Gehen, Laufen oder Springen – bei der menschlichen Fortbewegung kommt es auf das perfekte Zusammenspiel von Muskeln, Bändern, Sehnen und Gelenken an. Schon die kleinste Störung kann den reibungslosen Bewegungsablauf beeinträchtigen und zu schmerzhaften Beschwerden führen. Ihre Ursache haben die Schmerzen häufig in Fehlstellungen der Füße und Beine, nicht selten liegen sie aber auch im Bereich der Hüfte und der Wirbelsäule.

Auch die Laufbegeisterung vieler Deutscher bleibt manchmal nicht ohne Folgen. So mancher, den nach einer Überanstrengung Schmerzen in den Knie- und Fußgelenken quälen, sucht Rat beim Orthopäden oder versucht es erst einmal mit einer Bewegungsanalyse auf dem Laufband. Viele Orthopädie- und Sportfachgeschäfte bieten ihren Kunden die Gang- und Laufanalysen inzwischen an, wenn es darum geht, die passenden Einlagen oder geeignete Laufschuhe auszuwählen.

Ursachensuche mit Kamera und Laufband

Dabei werden die Bewegungsabläufe mittels Video- und Computertechnik aufgezeichnet. In der Regel kommen zwei Videokameras zum Einsatz, die es erlauben, die Laufbewegung auf dem Band gleichzeitig von der Seite sowie von vorn oder hinten zu dokumentieren. Bei der anschließenden Auswertung am Computer-Bildschirm lassen sich oft schon erste Hinweise auf mögliche Ursachen der Beschwerden lokalisieren. Je nach Präzision der Messung, können die Ergebnisse auch dem behandelnden Arzt oder Physiotherapeuten als Grundlage für eine weiterführende Therapie dienen.

Zwei entscheidende Aspekte menschlicher Bewegung, nämlich ihre „Komplexität“ sowie ihre „Individualität und somit die Abweichung von der Norm als Normalfall und nicht als Defizit“, machen jedoch nach Ansicht von Professor Thomas Jöllenbeck, Leiter des Instituts für Biomechanik der Klinik Lindenplatz in Bad Sassendorf, eine „individuell orientierte, instrumentierte biomechanische Bewegungsanalyse“ erforderlich. Zwar liefere die Videokamera mit entsprechenden Programmen bereits wichtige Informationen etwa über die Gelenkwinkel in verschiedenen Bewegungsphasen. Aber „erst die Kombination mehrerer Methoden ergibt ein umfassendes Gesamtbild“, so Jöllenbeck.

Dreidimensionale Bewegungsprofile

Fortschritte in der Messtechnik ermöglichen es mittlerweile, den komplexen menschlichen Bewegungsabläufen immer genauer Rechnung zu tragen. Hoch präzise Infrarotkameras liefern dreidimensionale Gang- und Laufanalysen, die es erlauben, die Gelenkwinkel in allen Ebenen zu bestimmen. Über Messplatten im Boden können gleichzeitig die auf die Gelenke wirkenden Kräfte gemessen werden. Aus den Bewegungsdaten und den gemessenen Kräften können dann mittels mathematischer Verfahren die Belastungen berechnet werden, die auf Bänder, Muskeln, Sehnen, Gelenke und Knochen beim Gehen und Laufen wirken.

„Erst in der Dynamik des Gehens oder Laufens lassen sich mit kinematischen Verfahren von der Videoanalyse bis zur 3D-Bewegungsanalyse Auffälligkeiten erkennen, die dem menschlichen Auge verborgen bleiben“, erläutert Jöllenbeck. Aufgrund der hohen Anschaffungskosten findet man die Einrichtungen für die dreidimensionale Bewegungsanalyse bislang jedoch vorwiegend in speziellen Diagnostikzentren und orthopädischen Kliniken.

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Quellenangaben:
Jöllenbeck, Thomas (2012): Bewegungsanalyse – wesentliches Element moderner sportmedizinischer Diagnostik. In: Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin. 63. Jg., H. 3, S. 59-60. Online: http://www.zeitschrift-sportmedizin.de/artikel-online/archiv-2012/heft-3/editorial-bewegungsanalyse-wesentliches-element-moderner-sportmedizinischer-diagnostik/ Marquardt, Matthias (Hg.) (2012): Laufen und Laufanalyse. Medizinische Betreuung von Läufern. Stuttgart und New York: Georg Thieme Verlag.