Bewegungen wieder ganz neu lernen

Bei der Behandlung nach dem Bobath-Konzept kommt es vor allem auf die aktive Mitarbeit des Patienten an. Der Therapeut soll nur führen und leiten. (Foto: belahoche/Fotolia)
Bei der Behandlung nach dem Bobath-Konzept kommt es vor allem auf die aktive Mitarbeit des Patienten an. Der Therapeut soll nur führen und leiten. (Foto: belahoche/Fotolia)

Das Bobath-Konzept hilft Schlaganfallpatienten bei der Rehabilitation

(dbp/spo) Nach einem Schlaganfall ist oft nichts mehr, wie es war: Halbseitige Lähmungen, Gehbehinderungen oder Sprachstörungen können Betroffenen den Alltag schwer machen. Damit abfinden muss sich allerdings niemand, meint Physiotherapeut Helmut Gruhn aus dem hessischen Hainburg.

Gruhn behandelt Schlaganfall-Patienten in seinem „Perzeptionshaus“ unter anderem nach dem Bobath-Konzept. „Das Gehirn“, sagt er, „hört nie auf zu lernen.“ Deshalb könne jeder Schlaganfall-Patient in gewissem Maß an seinen Einschränkungen arbeiten. „Irgendwas geht immer“ – egal, wie schwer die Nervenschädigung auch sei.

Bobath ist ein anerkanntes Behandlungskonzept zur Rehabilitation von Störungen des zentralen Nervensystems. Schlaganfallpatienten sind eine große Zielgruppe, behandelt werden damit aber auch die Folgen von Parkinson, Multipler Sklerose oder Rückenmarksverletzungen. Was die Bobath-Therapie von der regulären Physiotherapie zur Bewegungsförderung und Muskelstärkung unterscheidet, ist nicht unbedingt die Übungstechnik, sondern vielmehr die individuelle Herangehensweise. „Die Suche nach dem geeigneten Therapiemittel, der Denk- und Entscheidungsprozess bis dahin, ist das Besondere“, so Helmut Gruhn.

Motivation durch konkrete Ziele

Eine Bobath-Therapie beginnt zunächst mit Zuhören. Denn eine vertrauensvolle Basis zwischen Patient und Behandler sei Voraussetzung für den Erfolg, sagt der Therapeut. „Dann kommt die Erfassung der Situation. Sprich: In welcher Umgebung wohnt der Patient, kommt er zu Hause zurecht? Muss er Treppen überwinden und ist das Bett hoch genug, um gut aufstehen zu können?“ Die Probleme im Alltag kommen dabei automatisch ans Licht.

Dann gilt es, das Potenzial des Patienten zu ermitteln und realistische, ganz konkrete Ziele zu vereinbaren. Zum Beispiel: Ich möchte nach sechs Behandlungseinheiten alleine die Treppe gehen können. „Man braucht ein Ziel, dann kommt die Motivation automatisch“, so Helmut Gruhn. „Es muss ein positiver Leistungsdruck entstehen.“ Der Therapeut entscheidet schließlich, wie er dem Patienten helfen kann, dieses Ziel zu erreichen. Seine Hände sollen dabei aber keinen inaktiven Körper schieben und festhalten, sondern den aktiven Patienten führen und leiten, und das so wenig wie nötig.

Mehr Selbstständigkeit im Alltag

Wichtig ist bei Lähmungserscheinungen, die erkrankte Körperseite von Anfang an einzubeziehen. Automatisch fängt der Patient nämlich an, Defizite auszugleichen, indem er die „bessere“ Seite stärker nutzt und Bewegungen anders ausführt. So früh wie möglich sollte jedoch auch die schwächere Seite wieder belastet werden, „sonst wird sie schlichtweg vergessen und nicht mehr benutzt“. Der Patient muss Bewegungen teils noch einmal neu lernen. So könne er schnell spüren, wie er wieder selbstständiger und mobiler wird.

Je früher eine Rehabilitation beginnt, umso größer sind die Erfolgschancen, weiß Gruhn, der Therapeuten auch zu Bobath-Spezialisten ausbildet. „Je länger man wartet, desto größer ist die Gefahr, dass Gelenke versteifen oder sich Muskeln verkürzen.“ Zu spät sei es allerdings nie, auch nach Jahren könnten Patienten noch nach Bobath gefördert werden und gewisse Verbesserungen erreichen.