„Bewegen, ohne zu belasten“

Radfahren gehört zu den empfehlenswerten Sportarten für Patienten mit einer Endoprothese. (Foto: bilderstoeckchen / Fotolia)
Radfahren gehört zu den empfehlenswerten Sportarten für Patienten mit einer Endoprothese. (Foto: bilderstoeckchen / Fotolia)

Mit einem künstlichen Hüft- oder Kniegelenk ist Sport wieder möglich

(dbp/mhk) Noch vor wenigen Jahren setzten Orthopäden meist nur älteren Menschen mit massiven Gelenkschäden Endoprothesen ein. Diese Patienten fragten eher selten nach den Möglichkeiten, mit ihrem künstlichen Knie- oder Hüftgelenk wieder Sport treiben zu können. Das hat sich geändert: „Etwa 10 bis 15 Prozent der Patienten, denen heute ein künstliches Gelenk eingesetzt wird, sind unter 60 Jahre alt“, sagt Professor Dr. med. Karl-Dieter Heller, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie sowie Rheumatologie. Das liege daran, dass immer mehr jüngere Patienten unter Gelenkerkrankungen wie Arthrose leiden, „sei es durch Leistungssport, Verletzungen oder Gelenkbrüche“. Auch seien die 60- bis 70-Jährigen heute viel rüstiger und häufiger sportlich aktiv.

Nicht zu früh mit starken Belastungen starten

Unmittelbar nach der Operation sollten Patienten es langsam angehen. Bei einer neuen Hüfte gelte in den ersten drei Monaten absolutes Verbot für Extrembewegungen und andere körperliche Belastungen. Die häufig zementfrei eingebaute Prothese muss erst fest im Knochen eingewachsen sein, der die Hüfte umgebende Weichteilmantel wieder stabil sein. „Erst nach etwa vier bis sechs Monaten sollte wieder mit Sport begonnen werden. Diejenigen, die zuvor bereits Sport getrieben haben, sind dabei klar im Vorteil. Doch wer es zu früh übertreibt, wird enttäuscht werden.“

„Die Erwartungshaltung ist meist groß“, so der Experte. Doch selten können die Betroffenen ihre Sportfähigkeit komplett wiedererlangen oder sich wie im jungen Erwachsenenalter bewegen. „Sport macht Sinn und Bewegung ist der einzige Weg, das Altern aufzuhalten“, betont Heller, „ab 30 baut die Muskulatur ab, ab 70 deutlich“. Daher sollten Prothesenträger ihre Erwartungen nicht zu hoch schrauben, denn der Körper um das künstliche Gelenk altere eben.

Auf die Sportart kommt es an

Neue Sportarten sollten zunächst nicht ausprobiert werden. Spazieren, Wandern, Walking, Schwimmen, Radfahren, Tanzen, Golf oder auch Tischtennis sind günstig wegen ihrer geringeren Stoßbelastung für die Gelenke. Sportarten mit hohem Sturzrisiko und schnellen Stopp- und Drehbewegungen sollten hinsichtlich der Haltbarkeit der Prothese vermieden werden: Squash oder Tennis sind daher tabu. Aufgrund abrupter Antritts- und Bremsmanöver kann es dabei zu einer deutlich höheren mechanischen Belastung des Kunstgelenkes und somit einer schnelleren Abnutzung führen.

Jogging, Skifahren, Kampf- und die meisten Wettkampfsportarten können bei über den Amateursport hinausgehender Ausübung ebenfalls die Lebensdauer des Implantats verkürzen. Ehemalige Leistungssportler müssen sich daher meist umstellen. Oft sind zusätzliche Trainerstunden für das Überprüfen der optimalen Technik eine Alternative für den Neustart. Sitzt die Prothese nicht optimal, liegt eine Osteoporose oder Muskelschwäche vor oder wurde die Prothese bereits gewechselt, ist Sport mit einem künstlichen Gelenk nicht ratsam.