Bevor es im Gelenk zu eng wird

Bei der Extrakorporalen Stoßwellentherapie (ESWT) erzeugt ein Gerät außerhalb des Körpers sehr kurze und heftige Schallstöße, die gezielt auf den Erkrankungsherd gelenkt werden. (Foto: Fotolia / Dan Race)
Bei der Extrakorporalen Stoßwellentherapie (ESWT) erzeugt ein Gerät außerhalb des Körpers sehr kurze und heftige Schallstöße, die gezielt auf den Erkrankungsherd gelenkt werden. (Foto: Fotolia / Dan Race)

IGeL-Check: Die Stoßwellentherapie bei Kalkschulter.

Individuelle Gesundheits-Leistungen (IGeL) sind ärztliche Leistungen, die nicht von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werden. Nur auf Wunsch und mit schriftlicher Zustimmung des gesetzlich Versicherten darf der Arzt eine IGeL erbringen und muss diese nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) abrechnen. Die GOÄ sieht einen Gebührenrahmen mit Mindest- und Höchstsätzen vor, je nach Aufwand der Leistung.

(dbp/fru) Wenn sich an den Sehnen der Schultermuskulatur Kalkklümpchen bilden, kann das einem nachts den Schlaf rauben und führt auch tagsüber insbesondere bei Überkopfbewegungen zu einem schmerzverzerrten Gesicht. Die Kalkdepots können sich nach Monaten oder auch Jahren zwar von selbst wieder auflösen. Meistens ist jedoch eine Behandlung notwendig. Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen für die Diagnose und Behandlung dieser Erkrankung eine Reihe von Maßnahmen, von einer Schmerztherapie bis hin zu einer Operation zur Entfernung der Klümpchen.

Bevor man sich jedoch unters Messer begibt, sollte man zunächst die konservativen Behandlungsmethoden wie z. B. Physiotherapie ausschöpfen und wenn diese nicht helfen, auch über eine so genannte Extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT) nachdenken. Welche Behandlung durch den Arzt (meistens der Orthopäde) empfohlen wird, orientiert sich an dem vorliegenden Krankheitsstadium, Form und Größe des Kalkdepots und den eventuell vorliegenden Schmerzen und Einschränkungen.

Igel-Monitor bescheinigt ESWT Hinweise auf Nutzen

Die Stoßwellentherapie ist nichts Neues. Sie hat sich z. B. bei der Zertrümmerung von Nierensteinen bewährt und wird bei dieser Indikation auch von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Alle anderen Anwendungen – also auch die Zertrümmerung von Kalkdepots in der Schulter – werden als individuelle Gesundheitsleistungen  eingestuft und müssen vom Patienten selbst bezahlt werden.

Dabei bescheinigt auch der sonst sehr kritische „IGeL-Monitor“ dem Verfahren Hinweise auf Nutzen: „Die Stoßwellentherapie kann die Lebensqualität der Patienten möglicherweise deutlich verbessern, indem sie Schmerzen lindert und die Beweglichkeit des Arms erhöht. Dies wird als erheblicher Nutzen gewertet. Da die Studien jedoch nicht durchgehend von hoher Qualität sind, werden für diesen Nutzen keine Belege, aber Hinweise gesehen.“

Fokussierte oder radiale ESWT?

Bei einer Extrakorporalen Stoßwellentherapie werden durch ein Gerät sehr kurze und heftige Schallstöße von außen erzeugt. Diese können sich je nach Methode auf zwei Arten im Körper ausbreiten. Zum einen kann der Arzt die Stoßwellen fokussieren und so auch auf ein „tieferes“ Ziel im Körper lenken. Die Stoßwellen können aber auch ungebündelt erzeugt werden, so dass sie sich in alle Richtungen ausbreiten (radial). So wirken sie vor allem an der Oberfläche.

Da bei einer Kalkschulter die Verkalkung eher in tiefere Regionen zu finden ist, wird hier meistens die fokussierte ESWT eingesetzt. Für die Behandlung wird eine örtliche Betäubung empfohlen. Als Nebenwirkungen können Schmerzen, Rötungen und kleinere Blutergüsse auftreten. In der Regel sind etwa drei Behandlungen notwendig, um die Kalkablagerungen vollständig aufzulösen. Eine Sitzung dauert etwa 10 Minuten und kostet zwischen 86 und 198 Euro – als radiale ESWT zwischen 15 und 34 Euro.

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