Bettruhe ist ein alter Zopf

Erst ab einer Dauer von acht Stunden besteht bei Flugreisen ein erhöhtes Thromboserisiko. (Foto: Bergringfoto / Fotolia)
Erst ab einer Dauer von acht Stunden besteht bei Flugreisen ein erhöhtes Thromboserisiko. (Foto: Bergringfoto / Fotolia)

Bei Venenthrombose: ambulante Behandlung statt Dauerinfusion

(dbp/mhk) Nach Herzinfarkt und Schlaganfall stellen Thrombosen im Venensystem die dritthäufigste akute Gefäßerkrankung dar. Risikofaktoren sind nach gängiger Meinung unter anderem Übergewicht und mangelnde Bewegung.

Doch wer ist besonders betroffen? Professor Dr. Sebastian Schellong, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Angiologie – Gesellschaft für Gefäßmedizin (DGA) aus Dresden unterscheidet drei Risikogruppen: „Menschen, die anderweitige medizinische Probleme, z. B. eine Krebserkrankung haben; dann Frauen in Schwangerschaft, Wochenbett, Hormonersatztherapie oder bei Östrogen-Einnahme (Anti-Baby-Pille) und drittens genetisch vorbelastete Menschen.“

Langes Liegen ist für Gesunde gar nicht so gefährlich

Sind auch chronisch immobilisierte Patienten in Alten- und Pflegeheimen durch das lange Liegen gefährdet? „Heimbewohner bekommen nur dann Thrombosen, wenn eine andere Erkrankung dazukommt, wie beispielsweise fieberhafter Harnwegsinfekt oder Lungenentzündung,“ klärt der Gefäßexperte auf. Die Bedeutung der (Flug-)Reisethrombose sei in den vergangenen Jahren stark überschätzt worden. „Das Risiko ist tatsächlich erst ab einem achtstündigem Flug erhöht“, sagt Schellong.

Wenn verbrauchtes Blut nicht mehr ausreichend schnell zum Herz und zur Lunge zurückgepumpt werden kann, entsteht ein Venenstau und es kann sich ein Thrombus, ein Blutpfropf bilden. Bemerkbar macht sich eine Thrombose zum Beispiel durch plötzliche Schmerzen im Bein oder dadurch, dass das Bein rötlich-blau anläuft, sich prall und schwer anfühlt und geschwollen ist.

Eine Thrombose tut nicht immer weh

„Manchmal ist eine Thrombose auch schmerzfrei – und bleibt damit womöglich unentdeckt“, so der Mediziner. Mit fatalen Folgen: Gerade wenn die tief liegenden Beinvenen von einer Thrombose betroffen sind, besteht ein Risiko für eine Lungenembolie. Eine solche Abflussstörung im Bein spannt nicht nur lästig, sie birgt auch Gefahren: Denn löst sich das Gerinnsel, der Blutpfropf, und gelangt mit dem Blut in die Lunge, kann es dort ein Gefäß verstopfen und eine Lungenembolie auslösen – im schlimmsten Fall mit tödlichen Ausgang.

Unbehandelt kann es sehr gefährlich werden. Laut DGA sterben in Deutschland jährlich etwa 40.000 Menschen an einer Lungenembolie. Sie ist damit nach Herzinfarkt und Schlaganfall die dritthäufigste tödlich verlaufende Herz-Kreislauferkrankung.

Bei der Therapie denken Ärzte jetzt um: Tabletten und Fertigspritzen statt Infusionen stehen im Vordergrund. Noch vor einigen Jahren waren die Konsequenzen einer bestätigten Thrombose umfassend und rigoros: Strikte Bettruhe stand auf dem Programm, und die Blutgerinnung wurde per Dauerinfusion gehemmt, um die Gefährlichkeit der Krankheit zu bannen.

„Bettruhe ist jedoch ein alter Zopf“, sagt Schellong, „in Studien wurde belegt, dass dies im Normalfall nicht vor Komplikationen schützt.“ Ein bis zwei Mal täglich Fertigspritzen mit Heparin haben Langzeit-Marcumar aus Infusiomaten längst abgelöst. Daher könne die Behandlung in vielen Fällen ambulant erfolgen. Neuere Substanzen bieten auch Schutz in Tablettenform: Dabigatran, Rivaroxaban und Apixaban greifen ebenfalls in die Blutgerinnung ein. Alle drei Wirkstoffe wurden jüngst zur Vorsorge nach bestimmten Operationen zugelassen. Schellong: „Eine Thrombose ist zwar gefährlich, aber mit Ultraschall gut erkennbar und leicht therapierbar.“

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