Bei Reizdarm nicht zu viel Rohkost essen

Verstopfung und Durchfall, oft im Wechsel, sind typische Symptome des Reizdarmsyndroms. (Foto: Nobilior / Fotolia)
Verstopfung und Durchfall, oft im Wechsel, sind typische Symptome des Reizdarmsyndroms. (Foto: Nobilior / Fotolia)

Pflanzliche Frischkost ist schwer verdaulich und belastet daher den kranken Darm

(dbp/auh) Das Reizdarmsyndrom ist sehr weit verbreitet. Da nur eine Minderheit der Betroffenen mit ihren Beschwerden zum Arzt geht, ist die Dunkelziffer groß. Nach konservativen Schätzungen leiden etwa zehn Millionen Menschen in Deutschland unter dieser funktionellen Erkrankung. Die typischen Beschwerden: Blähungen, Schmerzen und Durchfall, der sich oft mit Verstopfung abwechselt.

Schmerzen im Unterbauch und Probleme beim Stuhlgang können viele andere Ursachen haben, daher sollten derartige Symptome unbedingt vom Hausarzt und gegebenenfalls vom Gastroenterologen abgeklärt werden. Der Berufsverband Niedergelassener Gastroenterologen (BNG) weist darauf hin, dass das Reizdarmsyndrom zwar nicht ursächlich therapiert werden könne, aber eine Behandlung der Symptome bis hin zur Beschwerdefreiheit sei möglich.

Als Hauptursachen für das Reizdarmsyndrom werden Fehlernährung und psychische Belastungen angesehen; auch Infektionen oder ein Pilzbefall im Darm kommen als Auslöser in Betracht.

Gesund ist, was vertragen wird

Der Leidensdruck bei den Patienten ist groß, denn ein kranker Darm führt auf Dauer zu einer erheblichen Einschränkung der Lebensqualität. Viele Patienten haben ein schlechtes Gewissen, weil sie trotz gewissenhafter Befolgung der gängigen Ernährungsempfehlungen ihre Beschwerden nicht in den Griff bekommen. Das Problem: Was als gesunde Ernährung propagiert wird, ist nicht für jeden Menschen gleichermaßen gesund. Wer einen Reizdarm hat, sollte mit Rohkost und Vollkornprodukten vorsichtig sein.

„Ein kranker Darm verträgt keine gesunde Ernährung“, bringt es Dr. Robert M. Bachmann aus Bad Wörishofen auf den Punkt. Der Facharzt für Allgemeinmedizin und Naturheilkunde weist in Vorträgen und Büchern darauf hin, dass pflanzliche Frischkost sogar für gesunde Menschen nicht zu jeder Tageszeit empfehlenswert ist. Um den Darm zu entlasten, sei es hilfreich, ab dem Nachmittag auf den Verzehr von rohem Gemüse, Salat und Obst zu verzichten. Der Grund: In der Regel nimmt die Verdauungstätigkeit gegen Abend ab. Das unverdaute „Grünfutter“ gärt und setzt Alkohole, Säuren und Gase frei, die zu Blähungen und Bauchschmerzen führen können.

Auf den eigenen Bauch hören

Ernährungsexperten vermuten sogar, dass der übermäßige Verzehr von Obst und Gemüse bei vielen Patienten erst zu den Verdauungsbeschwerden geführt haben. So berichtet die Ernährungswissenschaftlerin Marianne Reiß von der Fachgesellschaft für Ernährungstherapie und Prävention (FET), was viele niedergelassene Ernährungsberater erleben: „Vermehrt werden Patienten mit chronischen Verdauungsproblemen, am häufigsten mit breiigen Stühlen und Blähungen, von ihren Hausärzten der Beratung zugewiesen.“ Auf Nachfrage bekennen die Patienten oft verschämt, dass ihre Beschwerden abklingen, wenn sie sich „ungesund“ ernähren. „Ihre Verdauungsprobleme sind der beschleunigten Magen-Darm-Passage durch ein Übermaß an schwer- oder unverdaulichen Nahrungsbestandteilen geschuldet“, erklärt die Ernährungswissenschaftlerin.

Neben zu viel Obst und Gemüse kommt laut FET auch eine Vorliebe für (kalorienreduzierte) Erfrischungsgetränke, die mit Fruchtzucker oder anderen Zuckeraustauschstoffen gesüßt sind, als Ursache für gastrointestinale Beschwerden in Betracht. Und: Die Angst vor „falscher“ Ernährung kann in Stress ausarten – ein bekannter und immer noch unterschätzter Auslöser für Verdauungsbeschwerden.