Bei Parodontitis ist der ganze Mensch erkrankt

Mit einer kleinen Sonde misst der Zahnarzt die Tiefe der Zahnfleischtaschen. (Foto: Christoph Hähnel /Fotolia)
Mit einer kleinen Sonde misst der Zahnarzt die Tiefe der Zahnfleischtaschen. (Foto: Christoph Hähnel /Fotolia)

Die Entzündungskrankheit betrifft nicht nur Zähne und Zahnfleisch

(dbp/auh) Parodontitis ist bei Menschen ab 45 Jahren der häufigste Grund für Zahnverlust. Es handelt sich dabei um eine von Bakterien verursachte Entzündung des Zahnhalteapparates, dazu gehören Bindegewebe und Knochen. Ist lediglich das Zahnfleisch entzündet, sprechen Zahnmediziner von einer Gingivitis. Diese Erkrankung geht der Parodontitis meist voraus. Die aus dem Griechischen stammende Endung „-itis“ bezeichnet stets eine Entzündung. In dem veralteten Begriff Parodontose hingegen schwingt die fälschliche Annahme mit, es sei nur eine lokale Erkrankung.

„Bei einer Parodontitis ist nicht nur das Zahnfleisch erkrankt, sondern der ganze Patient.“ Darauf weist die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung hin. Es bestehen vielfältige Wechselwirkungen zwischen der Zahnbetterkrankung und mehreren Allgemeinerkrankungen, zum Beispiel Diabetes. Eine unbehandelte Parodontitis erhöht das Risiko, an Diabetes zu erkranken. Und umgekehrt fördert ein schlecht eingestellter Diabetes das Risiko für Entzündungen.

Parodontitis tut nicht weh

Früherkennung ist bei Parodontitis besonders wichtig. Doch der Betroffene selbst spürt oft gar nichts von der beginnenden Erkrankung, denn weder die der Parodontitis vorausgehende Zahnfleischentzündung noch die Zahnbetterkrankung selbst verursacht Schmerzen. Ein typisches Warnzeichen ist häufiges Zahnfleischbluten. Das tritt aber nicht in jedem Fall auf. Bei Rauchern ist es eher selten, denn das Nikotin im Zigarettenrauch verengt die Blutgefäße der Mundschleimhaut. Die Folge: Zahnfleisch bei Rauchern blutet nicht so leicht. Es sieht auch kaum gerötet oder geschwollen aus, wie es bei entzündetem Zahnfleisch normalerweise der Fall wäre.

Die gute Nachricht: Dem Fachmann fällt die Diagnose leicht. „Eine unkomplizierte Untersuchung, Auffälligkeiten im Röntgenbild oder neuerdings genetische Laboruntersuchungen bringen Klarheit, bevor die tückische Erkrankung unbehandelt zu Zahnausfall führt“, teilt die Initiative proDente mit.

Früherkennung ist Kassenleistung

Die spezielle Untersuchung auf Parodontitis, die Erhebung des Parodontalen Screening Index (PSI) wird alle zwei Jahre von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Bei der Untersuchung führt der Zahnarzt eine kleine Mess-Sonde in den Spalt zwischen Zahn und Zahnfleisch ein. Bei Gesunden ist diese „Zahnfleischtasche“ nur maximal zwei bis drei Millimeter tief. Misst der Zahnarzt dagegen eine Taschentiefe von mehr als 3,5 Millimeter und sind bereits Zahnhaltefasern zerstört, dann liegt eine Parodontitis vor.

Die Therapie der Parodontitis ist individuell verschieden und richtet sich in erster Linie nach der Schwere der Erkrankung. Die Bandbreite der Behandlungsmöglichkeiten reicht von der Professionellen Zahnreinigung (PZR) bis hin zu chirurgischen Eingriffen, wenn die Zahnfleischtaschen sehr tief sind (mehr als sechs Millimeter). Da es sich um eine bakterielle Infektion handelt, kann unter Umständen auch die Gabe von Antibiotika sinnvoll sein.

Zur Vorbeugung der Parodontitis genügt bei gesunden Personen das ganz normale dreiteilige Mundhygieneprogramm: 1. täglich mindestens zweimal die Zähne putzen und einmal am Tag die Zahnzwischenräume reinigen, 2. die regelmäßigen Kontrolltermine beim Zahnarzt wahrnehmen und 3. so oft eine PZR machen lassen, wie der Zahnarzt empfiehlt.