Bei Kindern wird Epilepsie oft nicht sofort erkannt

Das Aufzeichnen der Gehirnströme (EEG) gehört zur Diagnostik der Epilepsie. (Foto: Marcus Scholz / Fotolia)
Das Aufzeichnen der Gehirnströme (EEG) gehört zur Diagnostik der Epilepsie. (Foto: Marcus Scholz / Fotolia)

Bei Verdacht sollte ein Neuropädiater (Kinder-Nervenarzt) konsultiert werden

(dbp/auh) Jeder Mensch kann jederzeit einen epileptischen Anfall bekommen. Tatsächlich erleiden nach Schätzungen zwischen fünf und zehn Prozent der Bevölkerung einmal im Leben eine solche kurzzeitige Funktionsstörung im Gehirn. Von Epilepsie spricht man aber erst, wenn sich der Anfall wiederholt, das trifft auf rund ein Prozent der Bevölkerung zu.

Etwa zwei Drittel der Epilepsien treten vor dem 21. Lebensjahr auf. In den ersten fünf Lebensjahren ist das Risiko, an einer der zahlreichen Epilepsien zu erkranken, besonders hoch. Epileptische Anfälle können sich sehr unterschiedlich äußern, die Symptome reichen von kurzer Bewusstlosigkeit über Muskelzucken bis hin zur bekanntesten (aber nicht häufigsten) Anfallsform, dem „Grand mal“.

Verschiedene Formen epileptischer Anfälle

Charakteristisch für den Grand mal sind das plötzliche und gleichzeitige Versteifen sämtlicher Muskeln sowie die Bewusstlosigkeit des Patienten. Die typischen rhythmischen Zuckungen betreffen nicht nur Arme und Beine, sondern beispielsweise auch die Zunge, wodurch es zu Schaumbildung am Mund kommen kann. Der Anfall endet in der Regel ganz ohne äußeres Zutun mit einer Phase tiefen Schlafs.

Es gibt mehr als zehn Formen epileptischer Anfälle und mehr als 30 verschiedene Epilepsien. Jeder Patient hat in der Regel nur eine Epilepsieform mit einer bis drei Anfallsformen. Die Abstände zwischen den einzelnen Anfällen können zwischen Sekunden und Jahren oder sogar Jahrzehnten schwanken.

Kurze Bewusstseinsstörungen oder heftige Bewegungen

Epileptische Anfälle im Kindes- und Jugendalter verlaufen häufig weniger dramatisch als beim Grand Mal und werden daher von den Eltern oft nicht als solche erkannt. Es können kurze Phasen der geistigen Abwesenheit (Absencen) sein oder auch „myoklonische“ Anfälle. Dabei handelt es sich um Zuckungen im Schultergürtelbereich, die dazu führen, dass Gegenstände unwillkürlich weggeschleudert werden. Bei kleineren Kindern kann es zu „myoklonisch astatischen“ Anfällen kommen: Sie knicken in den Knien ein und stürzen dabei hin. „Die Kinder werden durch die häufigen Stürze verunsichert und zeigen einen breitbasigen Gang, Krabbeln wird lange bevorzugt“, beschreibt der Bundeselternverband Epilepsie (www.epilepsie-elternverband.de) die Symptomatik.

Genaue Diagnose ist Voraussetzung für Therapieentscheidung

Epilepsien und andere neurologische Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter können zu Entwicklungsstörungen und kognitiven Beeinträchtigungen führen. Bei einem entsprechenden Verdacht sollten Eltern deshalb einen Kinderarzt mit Schwerpunktbezeichnung Neuropädiatrie konsultieren. Nach Angaben der Deutschen Epilepsievereinigung (www.epilepsie-vereinigung.de) sollte mit der medikamentösen Behandlung erst begonnen werden, wenn die exakte Diagnose vorliegt.

Das wichtigste Hilfsmittel für die Diagnostik ist das EEG (Hirnstrommessung) in Kombination mit einer möglichst genauen Beschreibung der Anfälle des Kindes. Meist sind mehrere EEG-Aufzeichnungen nötig. Der Bundeselternverband Epilepsie plädiert dafür, dass bei jedem Patient zusätzlich zum Standard-EEG im Wachzustand mindestens ein Schlafentzugs-Schlaf-EEG gemacht wird.