Bauchfelldialyse schont das Herz

Es gibt unterschiedliche Dialyseverfahren, die an den Gesundheitszustand und an die Lebensumstände des Patienten angepasst sein sollten. (Foto: Dennis Aldag / Fotolia)
Es gibt unterschiedliche Dialyseverfahren, die an den Gesundheitszustand und an die Lebensumstände des Patienten angepasst sein sollten. (Foto: Dennis Aldag / Fotolia)

Blutwäsche über das eigene Bauchfell ist für selbstständige Patienten geeignet

(dbp/nas) Etwa 60.000 Patienten in Deutschland sind so schwer von einer Nierenerkrankung betroffen, dass sie eine regelmäßige Blutwäsche (Dialyse) benötigen. Bei diesem Stichwort denken die meisten Menschen automatisch an eine Maschine. Diese Art der Blutwäsche – Hämodialyse genannt – ist hierzulande auch die am häufigsten praktizierte. Dabei wird das Blut des Patienten durch eine Art künstliche Niere gepumpt, um Giftstoffe herauszufiltern. Es gibt aber noch eine weitere Möglichkeit, nämlich die der Bauchfelldialyse (Peritonealdialse). Dabei dient das Bauchfell eines Patienten als Membran zur Reinigung des Blutes.

Spüllösung wird in den Bauchraum eingelassen

„Kontinuierliche ambulante Peritonealdialyse“ (abgekürzt CAPD) lautet der Fachausdruck für eine Form der Bauchfelldialyse. „Peritoneum“ ist der lateinische Begriff für das Bauchfell und der Rest der Bezeichnung deutet darauf hin, wie diese spezielle Dialyse funktioniert: Sie läuft kontinuierlich und sie wird zu Hause vom Patienten selbst durchgeführt. Das bedeutet allerdings, dass dieser ein hohes Maß an Eigenständigkeit mitbringen muss, erläutert Professor Dr. Joachim Hoyer, Leiter der Klinik für Nierenheilkunde am Uniklinikum Marburg.

Therapietreue und Behandlungsverständnis des Betroffenen seien Voraussetzung dafür, dass eine CAPD in Betracht kommt. Zunächst wird in einer kleinen Operation ein Schlauch in den Bauchraum eingeführt und dort platziert. Darüber kann spezielle Reinigungsflüssigkeit eingelassen werden, in der sich die Giftstoffe aus dem Blut dann ansammeln. Das Bauchfell wirkt mit seiner porösen Struktur dabei wie ein Filter. Entweder lässt der Patient die Flüssigkeit nach einigen Stunden wieder ab und beginnt die Prozedur von vorn, oder er ist über Nacht an ein Gerät angeschlossen, das einen kontinuierlichen Austausch der Spüllösung vornimmt.

„Das ist eigentlich eine elegante Methode“, sagt Professor Hoyer über die CAPD. Der Vorteil: Die Blutwäsche wird permanent durchgeführt, genau wie es gesunde Nieren machen würden. Die Entgiftung ist schonender als die Hämodialyse, weil sie Herz und Blutdruck weniger belastet und zwar nicht ganz so effizient, aber laut des Experten in der Regel ausreichend gut. Außerdem geht die Dialyseleistung des Bauchfells nach etwa fünf oder sechs Jahren immer mehr verloren. Ein wesentlicher Nachteil des Verfahrens ist die Infektionsgefahr: Über den Schlauch können Keime in den Bauchraum gelangen und dort eine Bauchfellentzündung auslösen.

Methode ist ideal für Jüngere

Ideal ist die Methode für jüngere Patienten, die möglichst selbständig sein wollen, dies aber eben auch sein müssen, so Professor Hoyer. Den Umgang mit dem Verfahren könne man sich in drei Wochen gut „antrainieren“ – und nach einem halben Jahr seien die meisten echte Experten. Auch Lebenspartner oder Pflegepersonal können lernen, die Bauchfelldialyse durchzuführen. Sie kommt übrigens auch für Menschen in Frage, deren Niere zwar noch gut entgiftet, deren Körper aber aufgrund einer schweren Herzinsuffizienz überwässert und die mit Medikamenten nicht mehr zu behandeln sind. Die Krankenkasse zahlt die Kosten für die Hämo- ebenso wie für die Bauchfelldialyse.