Bandscheiben-OP nur selten zwingend erforderlich

Mehr als 95 Prozent der Bandscheibenvorfälle betreffen den 4. und 5. Lendenwirbel. (Foto: Bilderbox)
Mehr als 95 Prozent der Bandscheibenvorfälle betreffen den 4. und 5. Lendenwirbel. (Foto: Bilderbox)

(dbp/auh) Patienten mit einem Bandscheibenvorfall im Lendenwirbelbereich können sich operieren lassen oder konservative Behandlungsformen (zum Beispiel Physiotherapie) nutzen.

Nur in etwa zehn Prozent der Fälle ist eine Operation zwingend erforderlich. Die allermeisten Patienten haben also die Wahl – und sind zunehmend verunsichert, wie sie sich entscheiden sollen. Das teilt die Deutsche Gesellschaft für Neurochirurgie (DGNC) mit.

Laut DGNC zeigen Studien, dass langfristig beide Methoden gleich gute Ergebnisse liefern und nur eine geringe Rate ernsthafter Komplikationen aufweisen. Was also tun?

„Die Entscheidung muss für und mit jedem einzelnen Patienten abgewogen werden“, erklärt Professor Bernhard Meyer, Direktor der Neurochirurgischen Klinik der Technischen Universität München am Klinikum rechts der Isar. Dabei komme es auch auf den Willen und die Lebenssituation des einzelnen Patienten an.

„Bei der Behandlung von Bandscheibenvorfällen kommt es weder durch langfristige konservative Therapien vermehrt zu irreversiblen Nervenschäden, noch ist die operative Behandlung überdurchschnittlich riskant“, so der Experte der DGNC. Seine Schlussfolgerung: Die Patienten sollten sich von einem gut informierten Arzt ausführlich über die Behandlungsoptionen beraten lassen und dann selbst frei entscheiden. „Der Arzt muss die Fakten kennen und den Entscheidungsprozess abwägend begleiten“, fordert Meyer.

Zwischen 2006 und 2011 sei die Anzahl der lumbalen Bandscheiben-Operationen um 25 Prozent gestiegen. Notwendigkeit und Nutzen dieser Operationen werden immer wieder infrage gestellt. „Die Debatte zur Notwendigkeit von Bandscheiben-Operationen wird oft mit großer Leidenschaft geführt, allerdings nicht immer mit dem erforderlichen Maß an Sachverstand“, kritisiert Professor Meyer.