Auf Kriegsfuß mit Buchstaben und Zahlen

Kinder mit Legasthenie haben in allen Schulfächern, in denen das Lesen und Schreiben angewandt werden muss, erhebliche Schwierigkeiten. (Foto: photophonie / Fotolia)
Kinder mit Legasthenie haben in allen Schulfächern, in denen das Lesen und Schreiben angewandt werden muss, erhebliche Schwierigkeiten. (Foto: photophonie / Fotolia)

Legasthenie und Dyskalkulie lassen sich erfolgreich behandeln

(dbp/wgt) Lesen, Schreiben und Rechnen gelten in modernen Gesellschaften als elementare Kulturtechniken. Sie zu erlernen, fordert den meisten Schülern jedoch große Anstrengungen ab. Bei manchen Kindern stellt sich der Erfolg trotz größter Mühe nicht ein. Für die einen bleibt Lesen und Schreiben ein Kampf mit Buchstaben und Wörtern, bei den anderen wollen sich Mengen und Zahlen partout in keine Ordnung fügen.

Sind die Lese- und Rechtschreibleistungen massiv beeinträchtigt, sprechen Experten von Legasthenie, bereitet das Rechnen ernsthafte Probleme, dann ist von Dyskalkulie die Rede. In Deutschland sind laut Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie (BVL) drei bis acht Prozent der Kinder und Erwachsenen von einer Legasthenie betroffen. Ähnlich sieht es bei der Rechenstörung aus.

Bei den Ursachen einer Lese-Rechtschreibstörung wirken ähnlich wie bei der Dyskalkulie in der Regel verschiedene Faktoren zusammen. So geht man heute davon aus, dass beiden Störungen neben genetischen Dispositionen Funktionsbeeinträchtigungen in unterschiedlichen Hirnarealen zugrunde liegen. Nicht selten treten beide Störungen auch gemeinsam auf.

Störungen werden oft zu spät erkannt

Zeigt ein Kind auffällige Probleme beim Lesen, Schreiben oder Rechnen, dann sind Eltern und Lehrer gefragt. Denn zu oft werden die Störungen erst sehr spät diagnostiziert. Unterdurchschnittliche Schul- und Ausbildungsabschlüsse sind dann häufig die Folge. Legasthenie und Dyskalkulie können jedoch mit gutem Erfolg behandelt werden, wenn die Diagnose durch einen Arzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie oder -psychotherapie  frühzeitig erfolgt.

Wird eine Legasthenie erkannt, steht mittlerweile eine große Auswahl an Therapieangeboten zur Verfügung. Welche davon für die individuelle Förderung des Kindes am besten geeignet ist, hängt unter anderem von der Form und der Schwere der Störung ab. Die Auswahl reicht von Trainingsmethoden, mit denen die vorhandenen Defizite in der auditiven und visuellen Sprachwahrnehmung behandelt werden, über Methoden, die die Laut-Buchstaben-Zuordnung fördern, bis hin zu Verfahren, die bei den orthographischen Schwächen ansetzen und den Schüler dabei unterstützen, sich die Rechtschreibregeln einzuprägen.

Wichtig ist die individuelle Förderung

Auch bei der Behandlung einer Rechenstörung stehen die individuellen Defizite der Kinder im Mittelpunkt. Häufig müssen zunächst Basiskompetenzen wie das Mengen- und Zahlenverständnis sowie die Zahlenkenntnis gefördert werden. Ist das nötige Grundlagenwissen vorhanden, bieten sich lehrplanorientierte Förderprogramme an, die auf eine intensive Wiederholung des Schulstoffes abzielen, wie es in einer Empfehlung des BVL heißt. Beeinträchtigungen im arithmetischen Faktenwissen können mithilfe eines sogenannten Blitztrainings korrigiert werden. Dabei steht das Auswendiglernen der Fakten im Vordergrund.

Lerntherapeuten, Psychologen, Ergotherapeuten und Logopäden verfügen über die notwendigen Erfahrungen, um Eltern bei der Auswahl des geeigneten Therapieansatzes zu beraten. Der Erfolg der Förderung hängt allerdings entscheidend davon ab, dass Eltern, Schule und Therapeuten eng zusammenarbeiten.