Auf die richtige Einstellung kommt es an

Bei Hörproblemen ist es ratsam, schnell zu handeln, bevor sich ein „falsches Hören“ einschleicht. (Foto: Janina Dierks / Fotolia)
Bei Hörproblemen ist es ratsam, schnell zu handeln, bevor sich ein „falsches Hören“ einschleicht. (Foto: Janina Dierks / Fotolia)

Hörsysteme: Wieder ganz Ohr dank frühzeitiger Hörgeräteversorgung.

(dbp/mhk) Hörschwächen können Orientierungs- und vor allem Kommunikationsprobleme nach sich ziehen. Nach Angaben des Deutschen Schwerhörigenbundes leiden rund 15 Millionen Menschen in Deutschland unter Hörproblemen. Je früher eine individuelle Hörgeräteversorgung erfolgt, desto besser.

„Dank moderner Digitaltechnik ist heutzutage bei den konventionellen Geräten mehr und mehr eine offene Versorgung möglich: Zu 80 Prozent werden daher Hinter-dem-Ohr-Geräte gewählt, die für ein besseres Klangempfinden sorgen“, erklärt Professor Dr. Jürgen Kießling, Leiter des Funktionsbereichs Audiologie der Hals-Nasen-Ohren-Klinik am Universitätsklinikum Gießen und Marburg. Der 65-jährige Medizinphysiker und Buchautor trägt selbst seit 20 Jahren Hörgeräte – aufgrund eines Hörschadens als 20-Jähriger bei der Bundeswehr.

In Deutschland werden jährlich etwa 700.000 Hörgeräte angepasst. Nur 20 Prozent davon, so Professor Kießling, seien Geräte, die den Gehörgang tendenziell eher verschließen, sogenannte Gehörgangs-Geräte. Bei speziellen Indikationen kommen implantierbare Geräte in Betracht, zum Beispiel das Cochlea-Implantat (CI) bei hochgradiger Schwerhörigkeit bis Taubheit, das seien etwa 4.000 im Jahr.

Vergleichende und stufenweise Anpassung

Bei der heutzutage üblichen beidohrigen Versorgung kommunizieren digital-optimierte Geräte drahtlos miteinander. Dadurch verbessert sich das räumliche Hören. Die früher manchmal vorkommenden Pieps-Töne, von Rückkopplungen verursacht, sind passé. Ausgefeilte Technik verstärkt vorwiegend die Worte des Gesprächspartners, nicht aber den Umgebungslärm.

Auswahl des Gerätetyps und Anpassung beim Hörgeräteakustiker erfolgen individuell. Jedes Hörproblem ist anders, jeder hat andere Bedürfnisse und Wünsche: Ein Lehrer, der Lärm in einer Schulklasse ertragen muss; die Rentnerin, die beim Fernsehen oder Kaffeekränzchen alles mitbekommen möchte. Damit Geräte optimal eingestellt werden können, bedarf es nicht nur des korrekten und angenehmen Sitzes der Ohrpassstücke oder des Schirmchens. Bei der stets stufenweisen Anpassung von Hörsystemen geht es vor allem um das subjektive Hörempfinden.

Der Hörgeräteakustiker führt ausführliche Gespräche mit dem Patienten, nimmt das Bedarfsprofil auf, führt audiometrische Messungen (Ton- und Sprach-Audiogramm) durch und wählt dann geeignete Techniken aus. „Vielen Patienten geht es auch um Klang und Aussehen“, weiß Kießling. Die Hörsysteme werden letztlich per Computer so programmiert, dass sie – regelmäßig getragen – den Hörverlust weitestgehend optimal ausgleichen. „Wenn wir von gutem Hören reden, meinen wir eigentlich gutes Verstehen“, so Kießling. „Normales Hören und Verstehen in allen Lebenslagen darf man jedoch nicht erwarten. Zudem ist stets eine gewisse Eingewöhnungszeit mit mehreren Besuchen beim Hörgeräte-Akustiker und Schritt für Schritt ein Feintuning erforderlich. Doch davon sollte man sich nicht abschrecken lassen.“

Mit Hörgeräten versorgte Patienten kommen in ihrem sozialen Umfeld viel besser zurecht, weiß der persönlich betroffene Professor genau. Der Lohn: „eine erhebliche Steigerung der Lebensqualität.“

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