Auf die Fettverteilung kommt es an

Ein runder Bauch kann gefährliches Fettgewebe beherbergen. (Foto: PeJo / Fotolia)
Ein runder Bauch kann gefährliches Fettgewebe beherbergen. (Foto: PeJo / Fotolia)

Für die Beurteilung des Gesundheitsrisikos sind die Kilos auf der Waage nicht entscheidend

(dbp/auh) Übergewicht kann bedrohliche Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Und das nicht erst ab einem Body-Mass-Index (BMI) von 40; ab diesem Stadium erkennt die Weltgesundheitsorganisation WHO Übergewicht als Krankheit an („morbide Adipositas“).

Für die gesamtgesundheitliche Risikovorhersage ist der BMI allerdings nicht geeignet. Denn mit diesem Wert wird lediglich das Körpergewicht im Verhältnis zur Körpergröße gemessen, genauer: Der BMI ist der Quotient aus Gewicht in Kilo geteilt durch Körpergröße in Meter zum Quadrat. „Normal“ – aus Sicht der WHO ist ein Wert zwischen 19 und 25.

Der BMI sollte ausgedient haben

Doch für das Schlaganfall-, Herzinfarkt- oder Todesrisiko eines Menschen spielt der BMI überhaupt keine Rolle. Das ist die Aussage von Dr. Harald J. Schneider, der im Jahr 2010 eine Studie veröffentlichte, in der drei verschiedene Messgrößen für Übergewicht hinsichtlich ihrer Aussagekraft verglichen wurden. Neben dem BMI waren dies das Taille-Hüft-Verhältnis („waist-to-hip-ratio“, WHR) und das Taille-Größe-Verhältnis („waist-to-height-ratio“, WHtR).

In der Studie wurden zu Beginn bei 10.652 Probanden die drei Messgrößen WHR, WHtR und BMI ermittelt. 3,3 bis 8,5 Jahre lang beobachteten die Forscher dann die gesundheitliche Entwicklung der Teilnehmer. Ergebnis: Ob ein Mensch einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall bekommt oder daran stirbt, lässt sich am besten mit dem WHtR abbilden. „Je höher der WHtR, desto größer das Risiko“, erklärte Dr. Schneider. Die beiden anderen getesteten Maße waren weitaus weniger (WHR) oder gar nicht (BMI) aussagekräftig.

„Es gibt immer mehr Studien, die belegen, dass die Messung des BMI wenig bringt“, sagte der Münchner Arzt. Er hoffe, „dass medizinische Fachgesellschaften und WHO ihre Empfehlungen für die Messung des Körperfetts bald ändern.“ Das war vor vier Jahren. Geändert hat sich in der Praxis (fast) nichts. Dabei ist schon lange bekannt, dass nicht die Menge, sondern die Verteilung des Körperfetts ist entscheidend ist für bestimmte Krankheits-Gefahren.

Der Apfeltyp lebt gefährlich

Hüft-, Oberschenkel- und Gesäßfett haben nach diesen Erkenntnissen nichts mit dem Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen zu tun. Gefährlich ist das Fettgewebe, das sich um die Bauchorgane lagert, auch viszerales Fett genannt. Diese Fettzellen produzieren Botenstoffe, die zum Beispiel Insulinresistenz und entzündliche Prozesse auslösen können. Von dieser Art Fett können auch Menschen mit einem niedrigeren BMI viel zu viel haben. Andererseits können Übergewichtige, die ihre „überflüssigen Pfunde“ in Form von Unterhautfett hauptsächlich an der Hüfte und an den Oberschenkeln mit sich herumtragen, durchaus kerngesund sein. Der „Apfeltyp“ lebt also meist gefährlicher als der „Birnentyp“.

Krankhaftes Übergewicht wirkt sich negativ auf den ganzen Menschen aus. Neben der psychischen Belastung, die zu Depressionen oder Verhaltens- und Essstörungen führen kann, sind Organe, insbesondere Leber, Nieren und Herz, Knochen und Gelenke, das Hormonsystem und die Gefäße in Gefahr. Tumore an Brust, Darm, Leber, Bauchspeicheldrüse und Schilddrüse werden durch Übergewicht begünstigt. Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck und Insulinresistenz bilden gemeinsam mit bauchbetontem Übergewicht das sogenannte metabolische Syndrom, auch „deadly quartet“ genannt: tödliches Quartett.