Auch Kinderrücken brauchen Training

Sportarten wie Fußballspielen wecken den Bewegungsdrang bei Kindern. (Foto: Dusan Kostic / Fotolia)
Sportarten wie Fußballspielen wecken den Bewegungsdrang bei Kindern. (Foto: Dusan Kostic / Fotolia)

Bei zwei von drei Kindern werden Haltungsschwächen und Fehlhaltungen festgestellt.

(dbp/fru) Lange Schultage und Hausaufgaben nehmen täglich viel Zeit in Anspruch und das neueste Computerspiel oder die Lieblingssendung im Fernsehen ersetzen in vielen Fällen das Herumtoben und Spielen an der frischen Luft. Das kann Haltungsschäden bei Kindern begünstigen. „Kinder leiden immer öfter unter Haltungsschäden und Rückenschmerzen. Häufiges Sitzen führt dazu, dass sich Bauch- und Rückenmuskulatur abbauen und der noch im Wachstum befindlichen Wirbelsäule eine wichtige Stütze fehlt. Belastungen wie schwere Schulranzen wirken dadurch negativ auf Bandscheiben und Wirbelkörper“, weiß Dr. Reinhard Schneiderhan, Orthopäde aus München und Präsident der Deutschen Wirbelsäulenliga.

Herumtoben ist die beste Medizin

Die Deutsche Wirbelsäulenliga weist darauf hin, dass Kinderärzte heute bei zwei von drei Kindern Haltungsschwächen und Fehlhaltungen wie Rund- oder Hohlrücken feststellen. Das müsste nicht sein. Als Vorbilder spielen Eltern eine wichtige Rolle, um Kinder möglichst früh zu regelmäßiger Bewegung zu animieren. Gemeinsame Fahrradtouren, Ausflüge ins Schwimmbad oder Spielplatzbesuche helfen dabei, Aktivität von klein auf in den Alltag zu integrieren. „Mindestens zwei Stunden Bewegung täglich kräftigen Muskeln, stärken Knochen und fördern Koordination sowie Motorik. Wer mit seinen Kindern beispielsweise Fußball spielt oder zum Geburtstag auch mal ein Sportgerät verschenkt, weckt ihren Bewegungsdrang mit einfachen Mitteln“, erklärt Dr. Schneiderhan. Außerdem müssen Eltern ihre Sprösslinge nicht überall mit dem Auto hinfahren. Kleinere Strecken können auch selbstständig mit dem Rad oder zu Fuß zurücklegt werden

„Rückenschmerzen bei Kindern, die sie vom Unterricht, Sport und vom Toben fernhalten, nachts nicht schlafen lassen oder länger als einen Monat anhalten, sollten unbedingt vom Kinder- und Jugendarzt abgeklärt werden. Denn dies können Warnzeichen für ein ernstes Problem, wie z. B. entzündliche Vorgänge, Haltungs- oder Wachstumsstörungen oder Fehlbelastungen sein“, warnt Dr. Gabriele Trost-Brinkhues, Sprecherin des Ausschusses Kind, Schule und öffentlicher Gesundheitsdienst beim Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ).

Arbeitsbereich von Kindern ergonomisch gestalten

Der BVKJ teilt auf seinen Internetseiten mit, dass in den meisten Fällen leichte Verletzungen bzw. Fehlbeanspruchung beim Sport oder kurzfristige Belastungen bei insgesamt eher mangelnder Bewegung die Ursache für Rückenschmerzen bei Kindern sind. In der Regel würden diese nach zwei Wochen nachlassen. Bei Kindern über zehn Jahren bzw. Jugendlichen können auch aufgrund des Wachstums Schmerzen insbesondere im unteren Rücken auftreten. Auch schwere oder falsch getragene Schulranzen, z. B. über nur einer Schulter oder in der Hand, seien häufige Gründe für Rückenschmerzen. Fehlhaltungen können zudem auch durch stundenlanges „Abhängen“ im bzw. auf dem Bett und einer schlaffen Rückenmuskulatur sowie durch gleichbleibende Haltung am PC bedingt sein.

Aber auch ungeeignetes Mobiliar könne zu Rückenproblemen beitragen. „Der Arbeitsbereich sollte so gestaltet sein, dass das Kind keinen Rundrücken machen muss. Die natürliche S-Form des Rückens, das heißt die Neigung im Nacken und unteren Rücken sollte aufrechterhalten bleiben“, so Dr. Trost-Brinkhues. Diese ausgeglichene Sitzhaltung („Balanced Seating“) könne durch eine zum Benutzer geneigte Tischfläche und einen Stuhl mit einer etwas nach vorne gekippten Sitzfläche (beides je 12 Grad) erreicht werden.

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