Auch die Ohren sollten zum „TÜV“

Wie laut muss der Ton aus dem Kopfhörer sein, damit er gehört wird? Das Ergebnis gibt Aufschluss darüber, wie gut das Gehör ist. (Foto: FGH)
Wie laut muss der Ton aus dem Kopfhörer sein, damit er gehört wird? Das Ergebnis gibt Aufschluss darüber, wie gut das Gehör ist. (Foto: FGH)

(dbp/spo) Ein Hörtest beim Hörakustiker deckt unbemerkte Schwächen auf.

„Der häufigste Begriff im Leben wird irgendwann ,wie bitte?‘, weil man etwas nicht versteht“, sagt der prominente Hörgeräte-Träger Günther Beckstein, ehemaliger bayerischer Ministerpräsident. Auch er weiß: Eine Schwerhörigkeit bleibt oft lange unentdeckt. Irgendwann aber wird das häufige Nachfragen und falsch Verstehen zum Problem, vor allem im Beruf. Regelmäßige Hörtests können das verhindern.

Bei Beckstein waren es vor allem Hörstürze, die sein Hörvermögen extrem verschlechterten – so stark, dass er auf der linken Seite ein Cochlea-Implantat trägt. Hörgeräte trug er allerdings schon Jahre zuvor, die Schwerhörigkeit kam auch bei ihm zunächst in den klassischen kleinen Schritten: Zuerst verschwinden die ganz leisen Geräusche, das Rascheln von Zeitungspapier, das Zwitschern der Vögel durch das geschlossene Fenster. Dann stellt man den Fernseher lauter und es wird schwierig, Gesprächen zu folgen, wenn viele durcheinander reden.

Je früher, desto besser

Bis es tatsächlich zum ständigen „Wie bitte?“ kommt, kann es Jahre dauern. Jahre, in denen sich unbemerkt ein Teil des Hörvermögens verabschiedet. Vielleicht hört man noch die Durchsage am Bahnhof, versteht aber den Inhalt nicht. Vielleicht hört man noch, dass der Nachbar im Café gerade spricht. Aber was hat er bloß gesagt? Der Deutsche Schwerhörigenbund schätzt, dass etwa 15 Millionen Menschen in Deutschland Hörprobleme haben. Nur ein Bruchteil davon ist mit Hörsystemen versorgt: Rund 5,3 Millionen Geräte sind nach Angaben des Bundesverbands der Hörgeräte-Industrie im Umlauf.

Dabei ist es wichtig, einen Hörverlust möglichst frühzeitig auszugleichen. Denn umso besser gewöhnen sich Gehör und Gehirn an die technische Unterstützung. Wer zu lange wartet, riskiert, dass das Gehirn für immer verlernt, bestimmte Signale des Ohres zu verarbeiten. Das Gehör vergisst regelrecht das normale Hören, so die Fördergemeinschaft Gutes Hören (FGH).

Kostenloser Check beim Fachmann

Deswegen raten Hörgeräteakustiker zum Hörtest (Audiometrie). Er wird von den Akustikern in der Regel kostenlos angeboten. Die Kunden sitzen dabei in einer schallisolierten Kabine, über Kopfhörer werden ihnen verschieden hohe und laute Töne zugespielt. Sobald ein Ton gehört wird, müssen die Testpersonen eine Taste drücken oder ein Zeichen geben.

Anhand der gehörten Lautstärke kann der Fachmann schnell erkennen, ob eine Hörminderung vorliegt und wie stark sie ist. Wird ein Hörverlust festgestellt, folgen weitere Untersuchungen, etwa zum Sprachverständnis und der Schallempfindung. Das ist wichtig, um das spätere Hörsystem optimal einzustellen. Vor allem Berufstätigen rät die FGH zu regelmäßigen Hörtests, am besten einmal im Jahr.