Attacken vermeiden lernen

Migränepatienten können gemeinsam mit dem Arzt Strategien entwickeln, um Schüben vorzubeugen. (Foto: Alexander Raths / Fotolia)
Migränepatienten können gemeinsam mit dem Arzt Strategien entwickeln, um Schüben vorzubeugen. (Foto: Alexander Raths / Fotolia)

Migräne muss nicht hingenommen werden

(dbp/mhk) Wenn man Glück hat, ist es nach einigen Stunden vorbei. Schlimmstenfalls dauert es drei Tage. Hämmernde Schmerzen im Kopf: Migräne. Eine eigenständige Krankheit, die nicht hingenommen werden muss. „Jede Therapie erfordert zunächst ein ausführliches Wissen über die Entstehung und Aufrechterhaltung der Erkrankung“, sagt Prof. Dr. Dipl.-Psych. Hartmut Göbel, Chefarzt der neurologisch-verhaltensmedizinischen Schmerzklinik Kiel. Er spricht von drei Säulen der Migränetherapie: 1. Information, Wissen, Verhalten, 2. Vorbeugung durch Medikamente und 3. die Attacken-Therapie.

Wissen, welche Auslöser die Migräneschübe aktivieren, kann weitere Attacken bereits vermeiden, so der Schmerzexperte. Migräne ist eine neurovaskuläre Entzündungsreaktion. Kurz: Schuld sind sensibilisierte Nervenzellen. Gehirne von Migränepatienten sollen Reize anders verarbeiten als die von gesunden Menschen. Als Auslöser vermutet wird eine Reizüberflutung, die eine schmerzhafte Entzündung der Gefäße nach sich zieht.

Ruhe, Regelmäßigkeit, Relaxation

Eine erfolgreiche Therapie zielt in erster Linie darauf ab, die plötzlichen und übermäßigen Steuerungsvorgänge im Gehirn zu vermeiden. Planung und Ruhe ist alles. Störungen unerwünscht. „Wichtig sind daher ein regelmäßiger Tagesablauf und gleichmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus, regelmäßige Mahlzeiten, Ausgeglichenheit, Ruhe, Entspannung, zum Beispiel progressive Muskelrelaxation nach Jacobson. All das kann helfen, Stresssituationen zu meistern und damit effektiv Attacken vorbeugen“, so Göbel.

Die einen kaufen neue Betten, lassen sich den Hals einrenken, gehen zu Wunderheilern, lassen sich Zähne ziehen oder Brillen neu anpasse, kaufen neue Fußeinlagen oder versuchen beim nächsten Anfall wieder etwas Neues. Die meisten Migräne-Patienten haben kein vernünftiges Konzept. Das Erlernen von Entspannungstechniken, regelmäßiger Ausdauersport und der Abbau von Stressoren: „Das sind wirksame Verfahren, die jeder Migränepatient durchführen sollte“, so Göbel.

Verschiedene Schmerzmittel stehen zur Verfügung

Zudem empfiehlt er präventiv Medikamente, die vom Arzt verschrieben werden können. Laut der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) stehen zur vorbeugenden Therapie verschiedene Substanzen zur Verfügung. Als Mittel der ersten Wahl Beta-Blocker, Topiramat, Valproinsäure oder Flunarizin. In der Behandlung der akuten Attacke können Schmerzmittel, insbesondere Acetylsalicylsäure, Paracetamol, Ibuprofen und Phenazon, in Verbindung mit einem Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen eingesetzt werden. „Bei schweren akuten Attacken können gezielt Triptane eingesetzt werden“, ergänzt Göbel. Diese sind keine Schmerzmittel, sondern greifen direkt in die Entstehung der Migränekopfschmerzen ein.

Wichtig sei es, Schmerzmittel möglichst früh in der Attacke einzunehmen, um einen möglichst schnellen und effektiven Wirkungseintritt zu erzielen, und sich etwas Ruhe zu gönnen.

Botox wirkt nur bei chronischer Migräne

Mittlerweile steht zur prophylaktischen Behandlung das mit dem Nervengift Bakterium Clostridium botulinum produzierte Botulinumtoxin A (Botox) zu Verfügung. „Botulinumtoxin ist nur für die sehr seltene chronische Migräne zugelassen und auch bei der normalen episodischen Migräne nicht wirksam“, so die DMKG. „Chronisch heißt, dass über mehr als drei Monate an mindestens 15 Tagen im Monat Kopfschmerzen auftreten, von denen mindestens acht Attacken die Kriterien einer Migräne erfüllen“, erklärt Dr. Stefanie Förderreuther, Generalsekretärin und Pressesprecherin der DMKG. Auch die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) weist darauf hin, dass Botulinumtoxin A nicht gegen episodische Migräne oder andere Formen von Kopfschmerzen hilft.

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