Antikörper sollen den Tumor aushungern

Biologische Krebsmedikamente greifen in den Wachstumsprozess von Tumorzellen ein. (Foto: fotoliaxrender / Fotolia)
Biologische Krebsmedikamente greifen in den Wachstumsprozess von Tumorzellen ein. (Foto: fotoliaxrender / Fotolia)

Biologische Medikamente eröffnen neue Therapieoptionen bei fortgeschrittenem Darmkrebs

(dbp/auh) Jeden Tag erfahren durchschnittlich 178 Menschen in Deutschland, dass sie Darmkrebs haben. Die Diagnose ist immer ein Schock, aber längst kein Todesurteil mehr. Auch dann nicht, wenn der Tumor bereits in Lymphknoten oder andere Organe „gestreut“ hat. Es gibt moderne biologische Medikamente, die speziell zur Behandlung von fortgeschrittenem, metastasiertem Darmkrebs zugelassen sind. Sie werden entweder in Kombination mit einer Chemotherapie eingesetzt oder – bei Patienten, die eine Chemo bereits ohne Erfolg hinter sich haben – als Monotherapie.

Diese Arzneimittel sind nicht für die Behandlung von Darmkrebspatienten mit einem lokal begrenzten Tumor ohne Metastasen zugelassen. Solche Patienten haben gute Heilungschancen, wenn sie mit Operation, herkömmlicher Chemo- und/oder Strahlentherapie behandelt werden. Im fortgeschrittenen Stadium hingegen, wenn eine vollständige Heilung unwahrscheinlich erscheint, können die neuen Medikamente eingesetzt werden.

Da es sich bei diesen Wirkstoffen um Antikörper handelt, die gezielt bestimmte Prozesse im Stoffwechsel der Tumorzelle stören sollen, um das Krebswachstum zu stoppen, wird diese molekulare Therapie auch „zielgerichtet“ genannt. Die zurzeit in Deutschland zugelassenen Antikörper-Präparate kann man grob in zwei Gruppen einteilen: Die einen verhindern die Blutgefäßneubildung, die anderen blockieren einen Wachstumsfaktor-Rezeptor.

VEGF-Hemmer

Angiogenese nennen Mediziner den Prozess der Blutgefäßneubildung. Maßgeblich in Gang gesetzt wird dieser Vorgang von einem Wachstumsfaktor, der nach seiner englischen Bezeichnung „Vascular Endothelial Growth Factor“ mit VEGF abgekürzt wird. Angiogenese-Hemmer wie Bevacizumab und Aflibercept blockieren diesen Wachstumsfaktor und sollen dadurch verhindern, dass der Tumor neue Blutgefäße bilden kann.

EGFR-Hemmer

Cetuximab und Panitumumab gehören zur Gruppe der Wachstumsfaktor-Rezeptor-Hemmer. Sie blockieren ein Wachstumssignal namens „Epidermal Growth Factor Receptor“, abgekürzt EGFR. Diese Antikörper wirken allerdings nur bei Patienten mit einem unveränderten Genstatus des Tumors. Aufschluss darüber gibt ein Biomarkertest (KRAS-Test). Wird bei der Untersuchung des Tumorgewebes eine Genmutation festgestellt, schließt das eine Behandlung mit EGFR-Hemmern aus.

Multi-Kinase-Hemmer

Erst seit 2013 auf dem deutschen Markt ist Regorafenib. Dieser Wirkstoff ist nur zugelassen für erwachsene Patienten mit metastasiertem Darmkrebs, bei denen der Tumor trotz Chemo- und Antikörpertherapie weiter wächst. Regorafenib ist ein „Multi-Kinase-Hemmer“, richtet sich also gegen mehrere Enzyme und soll dadurch verschiedene Stellen im Wachstumsprozess der Tumorzelle blockieren. Regorafenib kann deshalb für Patienten geeignet sein, deren Tumoren eine Resistenz gegen schon verabreichte Antikörper entwickelt haben.