Ambulant unters Messer – aber wo?

Wenn die Voraussetzungen stimmen, können Ärzte nicht nur im Krankenhaus, sondern auch in der eigenen Praxis oder einem ambulanten OP-Zentrum operieren. (Foto: Megaflopp / Fotolia)
Wenn die Voraussetzungen stimmen, können Ärzte nicht nur im Krankenhaus, sondern auch in der eigenen Praxis oder einem ambulanten OP-Zentrum operieren. (Foto: Megaflopp / Fotolia)

Viele niedergelassene Ärzte operieren heutzutage in der eigenen Praxis

(dbp/spo) Es gab Zeiten, da war alles klar: Wer operiert werden muss, kommt ins Krankenhaus und das meist für mehrere Tage. Heute ist das nicht mehr ganz so eindeutig, denn viele Eingriffe werden ambulant durchgeführt – und das passiert nicht zwingend im Krankenhaus.

Um ambulant operieren zu dürfen, brauchen Vertragsärzte eine Genehmigung der zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung. Zum Skalpell greifen können sie dann an verschiedenen Orten – in der eigenen Praxis mit Operationssaal, einem ambulanten Operationszentrum oder eben in einem Krankenhaus.

Vorschriften für Personal und Hygiene

Was bei ambulanten Eingriffen außerhalb des Krankenhauses zählt, ist neben der fachlichen Eignung des Arztes natürlich die räumliche, technische und personelle Ausstattung. Hier hat die Kassenärztliche Bundesvereinigung Kriterien zur Qualitätssicherung aufgestellt. Demnach muss immer ausreichend geschultes Personal vorhanden sein, es muss einen Hygieneplan sowie fachgerechte Sterilisationsverfahren geben und die medizinische Versorgung in Notfällen soll durch einen Notfallplan sichergestellt sein. Das sind aber nur einige Beispiele aus einer langen Liste.

Der Bundesverband Ambulantes Operieren (BAO) nennt in seinen Leitlinien für ambulantes Operieren darüber hinaus organisatorische Dinge, wie etwa, dass es gute Parkmöglichkeiten in der Nähe der Einrichtung geben soll, sowie einen Rollstuhl zum Transport der Patienten. Schließlich müssen diese abgeholt werden und können je nach Eingriff oft kaum laufen.

Praxisklinik und ambulantes OP-Zentrum

Manche Ärzte erfüllen all diese Voraussetzungen in der eigenen Praxis oder in einer Praxisgemeinschaft beziehungsweise Gemeinschaftspraxis. Auch spezielle Praxiskliniken gibt es. Sie bieten den Patienten bei Bedarf noch die Möglichkeit, über Nacht medizinisch betreut oder überwacht zu werden. Darüber hinaus gibt es Ärzte, die sich die Räume in einem ambulanten Operationszentrum teilen. Das können auch Mediziner verschiedener Fachrichtungen sein.

Und schließlich operieren manche niedergelassene Ärzte ihre Patienten in nahegelegenen Krankenhäusern. Teilweise haben sie dort eigene Belegbetten, die in den Kliniken für sie freigehalten werden.

Wo also hingehen, wenn eine Operation ansteht? Ob Arztpraxis, ambulantes OP-Zentrum oder doch Krankenhaus – sie alle können gegebenenfalls die passenden Voraussetzungen bieten. Bei der Entscheidung für oder gegen einen Ort, zählen also noch ganz andere Argumente. Zum Beispiel: Welche Praxis oder Klinik liegt bei mir in der Nähe? Wer hat die meiste Erfahrung mit dem Eingriff, der bei mir nötig ist? Und auch: Habe ich zu einem bestimmten Arzt besonderes Vertrauen?


MVZ, Ärztehaus und Co.: Was ist der Unterschied?

(dbp/spo) Gemeinschaftspraxis, Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ), Ärztehaus – all diese Bezeichnungen stehen für Modelle, in denen Ärzte auf gewisser Ebene miteinander kooperieren. Nicht alle Patienten wissen, was die einzelnen Modelle voneinander unterscheidet. Die wichtigsten im Überblick.

Die Gemeinschaftspraxis. Sie heißt inzwischen offiziell Berufsausübungsgemeinschaft (BAG). Ärzte, die sich in dieser Kooperationsform zusammengeschlossen haben, teilen sich die Räume, das Personal und die Geräte. Sie behandeln auch ihre Patienten gemeinsam, sind also eine wirtschaftliche und organisatorische Einheit.

Die Praxisgemeinschaft. Auch hier teilen sich die Ärzte Räume, Personal und Geräte. Im Unterschied zur BAG behandelt allerdings jeder Arzt seine eigenen Patienten, führt eigene Akten über sie und rechnet seine Leistungen separat ab. Die „Berufsausübung“ erfolgt nicht gemeinsam.

Das MVZ. In einem Medizinischen Versorgungszentrum arbeiten mindestens zwei Ärzte mit verschiedenen Fachrichtungen oder Schwerpunkten – entweder selbständig oder als Angestellte des MVZ. Gegründet werden können MVZ von Ärzten oder Krankenhäusern, die Leitung der Einrichtung muss ein Arzt innehaben. Vorteil für die Patienten: Die Wege von einem Facharzt zum anderen sind kurz und die Ärzte können sich bei fachübergreifenden Therapien gut abstimmen. So werden häufig Doppeluntersuchungen vermieden.

Das Ärztehaus oder Ärztezentrum. Kurze Wege gibt es auch hier, denn auch hier gibt es in der Regel mehrere Ärzte unter einem Dach. Der Begriff ist nicht gesetzlich definiert, in der Praxis ist ein Ärztehaus aber im Grunde eine Mietergemeinschaft. Ärzte und andere Heilberufsangehörige (etwa Heilpraktiker oder Physiotherapeuten) teilen sich lediglich ein Gebäude und die Infrastruktur rundherum. Seine Patienten behandelt aber jeder in der eigenen Praxis auf eigene Rechnung.