Alternativen zur Dauer-Medikation

Schmerzmittel können ein Segen ein, sind aber bei chronischen Schmerzen nur begrenzt wirksam. (Foto: Peter Maszlen / Fotolia)
Schmerzmittel können ein Segen ein, sind aber bei chronischen Schmerzen nur begrenzt wirksam. (Foto: Peter Maszlen / Fotolia)

Bei chronischen Schmerzen wirken Opioide nicht besser als Physio- oder Psychotherapie

(dbp/wgt) Ob Nierenversagen, Magenbluten oder allergische Reaktionen – gefährliche Nebenwirkungen infolge langfristiger Behandlung mit Schmerzmitteln sind keine Seltenheit. Besonders Patienten mit chronischen Schmerzen tragen ein erhöhtes Risiko. Sie sind häufig über Monate oder Jahre auf die regelmäßige Einnahme schmerzlindernder Medikamente angewiesen, um wieder ein normales Leben führen zu können.

Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS) leiden rund 15 Millionen Menschen in Deutschland unter chronischen Schmerzen. Und in vielen Fällen lassen sich die Ursachen nicht eindeutig bestimmen. Die ständige Pein macht den Alltag für die Betroffenen zur Qual. Wenn jeder Schritt schmerzt, Anziehen, Bücken und Waschen zur Tortur werden, ist der Griff zur Tablette oft der einzige Ausweg.

Ganzheitliche Therapien gewinnen an Bedeutung

Moderne Schmerztherapien mit ganzheitlichen Ansätzen stützen sich allerdings nicht nur auf die medikamentöse Versorgung der Patienten, die von leichten Schmerzmitteln bis hin zu starken opiathaltigen Präparaten reicht. In vielen Schmerzambulanzen und speziellen Schmerzkliniken ergänzen alternative Methoden wie Entspannungstraining, Bewegungsübungen, Physiotherapie und psychologische Verfahren die Behandlung bereits erfolgreich. Nach Ansicht von Experten fehlt in Deutschland jedoch noch immer ein flächendeckendes Angebot.

Folgt man den Ergebnissen einer Studie von Wissenschaftlern der Berliner Charité und der Technischen Universität Darmstadt, dann erzielen die alternativen Behandlungsmethoden bei chronischen Schmerzen, die nicht durch einen Tumor verursacht werden, langfristig sogar den gleichen Effekt wie starke Schmerzmittel.

Alternative Methoden gleichauf mit Opioiden

Die Forscher untersuchten die Daten von insgesamt 10.742 Patienten. Ziel der Studie war es, einen Überblick über die Langzeitwirkungen der verschiedenen Behandlungsmethoden bei chronischen Schmerzen zu gewinnen. Dabei kamen die Wissenschaftler zu dem für sie selbst erstaunlichen Ergebnis, dass sich hinsichtlich der schmerzlindernden Wirkung die Unterschiede zwischen Medikamenten einerseits und Placebos sowie alternativen Methoden andererseits als „klinisch unbedeutend“ erwiesen. Selbst starke Opioide erzielten demnach keine signifikant besseren Ergebnisse bei der Linderung von nicht-krebsbedingten Schmerzen als Placebos. Auch gegenüber Physio- und Psychotherapien ließen sich keine wesentlichen Vorteile erkennen.

„Man erzielt also über einen langen Zeitraum hinweg mit starken Schmerzmitteln die gleiche Wirkung wie mit nicht-medikamentösen physiotherapeutischen und psychologischen Verfahren“, resümiert Professor Christoph Stein, Leiter der Klinik für Anästhesiologie mit Schwerpunkt operative Intensivmedizin am Campus Benjamin Franklin der Charité.

Unerwünschte Nebenwirkungen vermeiden

Angesichts der möglichen Nebenwirkungen bei einer längerfristigen Einnahme starker Schmerzmittel empfiehlt Stein eine stärkere Berücksichtigung nichtmedikamentöser Therapieansätze: „Bei der Behandlung chronischer Schmerzen, die nicht durch einen Tumor hervorgerufen werden, sollte ein multidisziplinärer Ansatz, also einer, der nicht nur die medizinischen, sondern auch die psychosozialen und physiotherapeutischen Aspekte berücksichtigt, im Vordergrund stehen.“