Altern mit Biss? Nur mit der richtigen Pflege!

Die Zahnprothese sollte am besten mit einer speziellen Prothesenbürste gereinigt werden. (Foto: proDente e.V.)
Die Zahnprothese sollte am besten mit einer speziellen Prothesenbürste gereinigt werden. (Foto: proDente e.V.)

Zähne und Zahnfleisch brauchen im Alter ein gutes Reinigungsprogramm.

(dbp/spo) „Die weiche Zahnbürste wird in Deutschland am meisten verkauft. Da weinen die Zahnärzte drüber“, sagt Dr. Hans-Peter Huber von der Deutschen Gesellschaft für Alterszahnmedizin. Und nicht nur bei der Wahl der richtigen Borste läuft aus Sicht der Zahnärzte einiges schief. Gerade bei Senioren gibt es in Sachen Zahnpflege nämlich ein paar Besonderheiten.

„Gesunde Menschen sollten eine mittelharte Zahnbürste verwenden“, so Dr. Huber. Sie entfernt Beläge effektiv ohne dabei das Gewebe zu verletzen. Die weiche Zahnbürste eigne sich jedoch zum Beispiel für Träger von Vollprothesen – und zwar für eine tägliche Massage der Schleimhaut am Gaumen. Nur mit der nassen Bürste, ohne Zahncreme.

„Unsere Schleimhaut möchte massiert werden“, erklärt Dr. Huber. Normalerweise übernimmt das die Zunge und regt damit die Durchblutung und die Speichelproduktion an. Sitzt den ganzen Tag über eine Vollprothese mit Gaumenplatte im Mund, kann sie diese Aufgabe jedoch nicht übernehmen.

Zahnbürste nach zwei Monaten entsorgen

Wer die richtige Bürste gekauft hat, sollte sie nach dem Putzen stets senkrecht mit dem Kopf nach oben aufbewahren, rät die Wiesbadener Zahnärztin Dr. Antje Köster-Schmidt. So kann sie schnell trocknen und bietet den Bakterien keinen feuchten Tummelplatz. Spätestens nach zwei Monaten sollte die Zahnbürste in den Müll wandern. Wenn sich Borsten abspreizen schon früher, denn die piksen beim Putzen ins Zahnfleisch und können Entzündungen verursachen, so die Zahnärztin.

„Es gibt keine Zahnbürste, die auch die Zwischenräume säubern kann“, fügt Dr. Huber hinzu. Das sei aber extrem wichtig, um Zahnfleischentzündungen und Parodontitis vorzubeugen – letztere ist sehr oft die Ursache für Zahnverlust. Die Zahnärzte empfehlen also, zusätzlich Zahnseide oder Zwischenraumbürstchen (Interdentalbürstchen) zu verwenden. Bei beiden ist die richtige Handhabung wichtig, die man sich in der Zahnarztpraxis zeigen lassen kann. „Falsch benutzte Zahnseide wirkt auf das Zahnfleisch wie eine Säge“, gibt Dr. Huber zu bedenken. Bei den Zwischenraumbürsten kommt es auf die passende Größe an. Zu dicke Bürstchen verletzen nämlich das Zahnfleisch.

Elektrische Bürste liegt besser in der Hand

Wer motorisch nicht mehr so geschickt ist, dem empfiehlt Dr. Köster-Schmidt eine elektrische Zahnbürste. Sie hat einen dickeren Griff, der leicht gehalten werden kann. Doch aufgepasst: „Nicht mit der elektrischen Bürste hin und her putzen! Lassen Sie sich die Arbeit abnehmen, gehen Sie einfach von Zahn zu Zahn und halten Sie die Bürste ruhig.“

Genauso wichtig wie die Reinigung der eigenen Zähne ist indes die Reinigung der Prothesen – und zwar bei herausnehmbaren Varianten außerhalb des Mundes. Nach jedem Essen sollte die Prothese kurz gespült, und mindestens einmal täglich gründlich gesäubert werden. Dafür eignen sich spezielle Prothesenbürsten. Ein Glas Wasser mit einem Esslöffel Essig kann als Lösungsbad für Zahnstein auf der Prothese dienen, das aber nicht bei den eigenen Zähnen ausprobieren! Haftcremereste lassen sich laut Dr. Huber gut mit Speiseöl entfernen.