Altenpflege ist mehr als waschen und windeln

Die Ausbildung zum Altenpfleger soll reformiert werden. (Foto: kebox / Fotolia)
Die Ausbildung zum Altenpfleger soll reformiert werden. (Foto: kebox / Fotolia)

Das „Bündnis für Altenpflege“ will die eigenständige Berufsausbildung bewahren

(dbp/auh) Wie kann der drohende Pflegenotstand abgewehrt werden? Wie können junge Menschen dazu animiert werden, sich für einen Beruf in der Pflege zu entscheiden? Der jüngste Lösungsvorschlag der Bundesregierung lautet: aus drei mach eins.

Nur noch eine Ausbildung für drei Pflegeberufe

Geplant ist eine Reform der Berufsausbildung in der Pflege, die auf eine Vereinheitlichung der Ausbildung in Alten-, Kranken und Kinderkrankenpflege hinausläuft. Dadurch soll der Pflegeberuf „durchlässiger“ werden, das heißt, man wird leichter zwischen den drei Berufsfeldern wechseln können. Auszubildende werden sich nicht bereits vor Beginn ihrer Lehrzeit für einen der drei Berufe entscheiden müssen. Durch die damit gewonnene berufliche Flexibilität werde der Beruf an Attraktivität gewinnen, lautet die Prognose der Reform-Befürworter. Diese „generalisierte Pflegeausbildung“ soll im kommenden Jahr gesetzlich verankert werden.

Bündnis warnt: Altenpflege wird abgewertet

Das Vorhaben hat nicht nur Unterstützer. Mehrere Fach- und Berufsverbände halten diese Ausbildungsreform für den falschen Weg. Sie haben sich 2013 in einem „Bündnis für Altenpflege“ zusammengeschlossen. Aus Sicht der Bündnispartner würde die Vereinheitlichung der Pflegeausbildung faktisch zur Abschaffung der spezialisierten Altenpflege führen. Sie würde „die Versorgung alter Menschen auf eine reine Funktionspflege reduzieren, oberflächliches Wissen erzeugen und die Qualität in allen Versorgungsbereichen gefährden“, so Peter Dürrmann, Bundesvorsitzender des Deutschen Verbandes der Leitungskräfte von Alten- und Behinderteneinrichtungen (DVLAB).

In Ländern mit einer generalistischen Pflegeausbildung zeige sich diese Entwicklung: Dort werde das Arbeitsfeld der Altenpflege von Auszubildenden als minderwertiger betrachtet und es gebe die Vorstellung, dass man für die Pflege alter Menschen keine spezielle Ausbildung benötigt, berichtet die Arbeiterwohlfahrt (AWO).

„Altenpflege ist mehr als Pflege

„Es gibt kaum einen anderen Beruf, über den es so viele Missverständnisse gibt, wie den Altenpflegeberuf“, sagt Christine Kaleve, die Vorsitzende des Deutschen Berufsverbandes für Altenpflege (DBVA). Altenpflege ist viel mehr als Pflege, so lautet das Credo des Verbandes. Es gebe einen grundsätzlichen Unterschied zwischen Alten- und Krankenpflege, der weder von der Politik noch in der Öffentlichkeit angemessen wahrgenommen und gewürdigt werde: „Körperpflege ist nur ein Teil der Arbeit“, so Kaleve. Darüber hinaus unterstütze die Altenpflege längerfristig und mit ganzheitlichen Ansätzen alte Menschen dabei, in Würde und selbstbestimmt zu leben.