Altbekannte Arznei

Die höchste Weihrauch-Qualität bietet nur die fast weiße, späte Harzernte. (Foto: jbphotographylt / Fotolia)
Die höchste Weihrauch-Qualität bietet nur die fast weiße, späte Harzernte. (Foto: jbphotographylt / Fotolia)

Weihrauch kann auch therapeutisch eingesetzt werden.

(dbp/fru) Als der Legende nach die Heiligen Drei Könige Caspar, Melchior und Balthasar nach Bethlehem kamen, hatten sie Gold, Myrrhe und Weihrauch im Gepäck – drei Geschenke zu Ehren des Jesuskinds. Hinter diesen Geschenken verbirgt sich nicht nur eine rituelle Ehrung, sondern auch altes Heilwissen, denn Gold, Myrrhe und Weihrauch wurden zu dieser Zeit auch als Heilmittel eingesetzt – sowohl im Orient als auch im Okzident, in Arabien, China und Indien.

Heute kennt man Weihrauch als Räucherwerk z. B. aus der katholischen Kirche, in der es  eine symbolische Kraft hat und für Reinigung, Verehrung und Gebet steht. So soll der Weihrauch das zu Gott aufsteigende Gebet der Gläubigen symbolisieren. Als Heilmittel wurde Weihrauch schon im alten Ägypten zum Beispiel zur Wundbehandlung  eingesetzt. Auch in der ayurvedischen Medizin hat Weihrauch (Boswellia) eine jahrtausendealte Tradition.

Weihrauch enthält entzündungshemmende Substanzen

Bei Weihrauch (auch Olibanum) handelt es sich um das getrocknete Harz des Weihrauchbaums. „Das aus dem Stamm des Weihrauchbaumes gewonnene Harz enthält entzündungshemmende Substanzen“, erklärt Prof. Dr. Oliver Werz von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Diese machen Weihrauch heutzutage zum Beispiel als Arzneimittel  für die Therapie von Krankheiten wie Asthma, Rheumatoider Arthritis oder Neurodermitis interessant.

In einer 2012 veröffentlichten Studie haben die Forscher um Prof. Werz das Harz verschiedener Weihraucharten verglichen und diese in ihrer entzündungshemmenden Wirkung untersucht. Weltweit gibt es mehr als zehn verschiedene Arten von Weihrauch. Der aus Nord- und Zentralindien stammende Weihrauch (Boswellia serrata) ist dabei am meisten bekannt und verbreitet. Das Harz von Boswellia papyrifera – eine Art, die vorwiegend in Nordafrika und auf der Arabischen Halbinsel vorkommt – sei Laut Prof. Werz aber deutlich wirksamer. Die Qualität steigt allgemein mit der Erntezeit: Je später das Harz geerntet wird, desto höher ist auch seine Qualität.

Innere und äußere Anwendungen möglich

Dem Weihrauch werden neben seinen entzündungshemmenden Wirkungen viele weitere Heilwirkungen zugesprochen. In der Aromatherapie nutzt man das ätherische Öl bei Angst- und Spannungszuständen. Das Öl aus dem Harz des Afrikanischen Weihrauchs soll antiseptisch gegen verschiedene Bakterien wirken. Bei Arthrose wird Weihrauchextrakt sowohl bei Schmerzen als auch für die Wiedererlangung der Bewegung eingesetzt. Äußerlich angewendet (als Salbe oder Pflaster) behandelt man damit Abszesse, Entzündungen der Haut sowie Schuppenflechte.

Das Weihrauch-Harz wird traditionell gekaut, wodurch es weich wird und seine heilenden Substanzen freigibt. So kann es auch bei Heiserkeit und Entzündungen der Rachen- Mundschleimhaut helfen. Weihrauchbäume sind heute in ihrem Bestand stark bedroht. Vielerorts werden sie einfach als Brennholz verwendet. „Boswelliasäuren kommen ausschließlich im Harz des Weihrauchbaumes vor und lassen sich nur schwer synthetisch herstellen“, macht Prof. Werz deutlich. Daher sei der Schutz der Bäume wichtig, um auch in Zukunft auf diesen aussichtsreichen Wirkstoff zurückgreifen zu können.