Alles außer Kohlenhydrate

Ketogene Kost: viel Fett, etwas Eiweiß, keine Kohlenhydrate. (Foto: millefloreimages / Fotolia)
Ketogene Kost: viel Fett, etwas Eiweiß, keine Kohlenhydrate. (Foto: millefloreimages / Fotolia)

Die ketogene Diät sollte nicht ohne ärztliche Betreuung durchgeführt werden

(dbp/auh) Die ketogene Ernährung ist eine strikt kohlenhydratarme und sehr fettreiche Kost. Das Ziel der Diät ist die sogenannte Ketose, ein physiologischer Zustand, wie er auch beim Fasten eintritt. Durch das Fehlen der Kohlenhydrate schaltet der Körper um: vom Zucker- zum Fettstoffwechsel. Keine Glucose? Kein Problem! Der Körper verbrennt nur noch Fett. Auch das Gehirn benötigt keinen Zucker. Als Energiequelle nutzt es die Ketonkörper, die in der Leber aus Fettsäuren gebildet werden.

Nicht ketogen sind sogenannte „low carb“-Diäten, zum Beispiel die LOGI-Methode. Diese Ernährungsform legt zwar auch großen Wert auf eine drastische Reduktion der Kohlenhydratzufuhr, aber sie hat nicht die Ketose, also die komplette Stoffwechselumstellung zum Ziel. Deshalb darf man bei LOGI noch hin und wieder eine Scheibe Brot essen und auch Süßes ist nicht strikt verboten. Solche Ausrutscher würden bei einer ketogenen Diät alle Mühen zunichte machen. Auch Obst ist nur sehr eingeschränkt zugelassen, genauso wie stärkehaltige Gemüsesorten.

Kein Bier, kein Brot, keine Bananen

Dass eine strikt ketogene Ernährung kein Spaß ist, soll die folgende Liste verdeutlichen: Brot, Brötchen, Nudeln, Pizza, Reis, Pommes, Kartoffelchips, Salzstangen, Müsli, Cornflakes, Kekse, Gummibärchen, Mais, Bananen, Weintrauben, Kichererbsen, Waffeln, Marmelade, Smoothies, Nuss-Nugat-Creme, Cashewkerne, Bier, Russisch Brot – das alles und noch viel mehr steht auf der Verbotsliste. Warum? Damit der Körper in der Ketose bleibt, darf nur eine (verglichen mit dem üblichen Essen) winzige Menge Kohlenhydrate zugeführt werden. Es sind etwa 25 bis 40 Gramm täglich, je nach individueller „Ketoseschwelle“. Die kommen ganz ohne die Schwergewichte aus der aufgeführten Liste rasch zusammen.

Nicht ohne medizinische Indikation

Natürlich gibt es noch viele „erlaubte“ Lebensmittel, zum Beispiel ungesüßte Milchprodukte, Fleisch, Fisch, Beerenobst, stärkearmes Gemüse, Blattsalate, Nüsse und Eier. Trotzdem: Wer morgens gern Cornflakes oder ein Müsli isst, mittags Pommes, zwischendurch einen Schokoriegel oder eine Banane und abends ein Bier zum Vollkornbrot, der müsste sich von allen seinen gewohnten Speisen restlos verabschieden. Warum sollte man das tun? Es gibt Menschen, die die ketogene Diät ohne ärztliche Betreuung zum Zweck der Gewichtsreduktion einsetzen. Davon raten medizinische Experten allerdings sehr eindringlich ab.

In seinem 2012 erschienenen Buch „Ketogene Diät“ schreibt Professor Friedrich Baumeister (S. 132): „Man kann nicht eingehend genug davor warnen und darauf hinweisen, dass eine Ketogene Diät nur standardisiert, niemals ohne kompetente medizinisch-ärztliche Betreuung und stets krankheitsorientiert und unter individueller Erfolgskontrolle angewendet werden sollte.“

Anerkannte Indikationen sind bestimmte Formen der kindlichen Epilepsie, bei denen Medikamente nicht wirken sowie die beiden seltenen Stoffwechselstörungen Glukosetransporter(GLUT1)-Defekt und Pyruvatdehydrogenase-Mangel. Zum Teil heftig umstritten ist der Einsatz der ketogenen Diät bei zahlreichen weiteren Krankheiten, zum Beispiel bei Akne, Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen. Immer weniger ernst zu nehmende Kritiker hingegen hat die ketogene Diät als ergänzende Therapie bei der Behandlung von bestimmten Tumorerkrankungen.

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Friedrich A. M. Baumeister: „Ketogene Diät. Ernährung als Therapiestrategie bei Epilepsie und anderen Erkrankungen“, Schattauer Verlag, 1. Auflage 2012; Prof. Ulrike Kämmerer u. a. : „Krebszellen lieben Zucker – Patienten brauchen Fett“, systemed Verlag, Lünen 2012; Prof. Dr. Ulrike Kämmerer: Informationen für Patienten: Die Ketogene Ernährung bei Krebserkrankungen, Broschüre 2010, hrsg. vom Universitätsklinikum Würzburg, 3. Auflage März 2010; A Paoli, A Rubini, J S Volek and K A Grimaldi. Beyond weight loss: a review of the therapeutic uses of very-low-carbohydrate (ketogenic) diets. European Journal of Clinical Nutrition. 2013;67:789-96, www.nature.com/ejcn/journal/v67/n8/full/ejcn2013116a. html?WT.ec_id=EJCN-201308; alle Informationen abgerufen im November 2013