Allergien ganzheitlich und individuell behandeln

Bei der Moxibustion wird getrocknetes Beißfußkraut verbrannt. (Foto: Tyler Olson / Fotolia)
Bei der Moxibustion wird getrocknetes Beißfußkraut verbrannt. (Foto: Tyler Olson / Fotolia)

Akupunktur und Chinesische Kräutertherapie sollen das Immunsystem beeinflussen.

(dbp/auh) Allergien zählen in den westlichen Industrienationen zu den Volkskrankheiten. Je nach Schätzung leidet jeder vierte bis fast jeder dritte Deutsche an einer heftigen Überreaktion seines Immunsystems auf eigentlich harmlose Umweltstoffe. Die Folgen der körpereigenen Abwehr sind chronische Entzündungen an den Grenzflächen des menschlichen Organismus zur Umwelt: Haut, Atemwege und Verdauungsorgane. Neurodermitis und Heuschnupfen sind nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und Klinische Immunologie (DGAKI) die beiden häufigsten allergischen Erkrankungen.

Keimfreie Umwelt verhindert Reifung des Immunsystems

Anders als bei den anderen Zivilisationskrankheiten (Herz-Kreislauferkrankungen in Folge von Bluthochdruck, Diabetes-Typ-2 in Folge von Fehlernährung und mangelnder Bewegung) kann die Therapie bei Allergien nicht bei den Ursachen ansetzen. Denn diese sind zum Teil unbekannt, zum Teil nicht veränderbar. So geht beispielsweise die Hygienehypothese davon aus, dass sich das menschliche Immunsystem in unserer keimfreien Welt nur ungenügend entwickeln kann. Der Kern der Hypothese laut DGAKI: „Die urbane Lebensweise in der Kleinfamilie, die schnelle Medikation von harmlosen Infektionen in der Kindheit, die veränderten Ernährungsweisen und Nahrungsmittel und der fehlende Kontakt zu Tieren und der Natur ganz allgemein verhindern oder verzögern eine balancierte Reifung des Immunsystems.“

Die Behandlung von Allergien besteht meist aus einer Kombination von drei Strategien: Vermeidung des Allergens, medikamentöse Linderung der Entzündungssymptome und Beeinflussung des Immunsystems (bei Heuschnupfen: Hyposensibilisierung). Der Behandlungserfolg ist individuell sehr verschieden, manche Patienten suchen daher nach alternativen und vor allem nebenwirkungsfreien Therapieformen.

TCM ist „individualisierte Medizin“

Eine davon ist die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM). Nach ihrem Verständnis sind alle Krankheiten Folge eines Energie-Ungleichgewichts und jede Behandlung zielt darauf ab, den „natürlichen“ Energiefluss wieder zu ermöglichen. Das heißt auch, dass Patienten mit der gleichen Erkrankung individuell verschieden behandelt werden. Das HanseMerkur Zentrum für TCM am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf nennt die TCM infolgedessen „individualisierte Medizin“.

Dr. Sven Schröder, ärztlicher Geschäftsführer des Zentrums, bezeichnet die Behandlung von Allergien mit Akupunktur in Verbindung mit der Chinesischen Kräutertherapie als „vielversprechend“. Durch die Akupunktur sei eine gezielte Modulation des Immunsystems möglich. „Dadurch können im Verlauf der Behandlung häufig Medikamente wie Antihistaminika und Kortison abgesetzt oder reduziert werden“, erklärt Dr. Schröder.

Neben der klassische Akupunktur und der Moxibustion, bei der durch Abbrennen getrockneter Blätter des Beifußkrautes (Moxa) dem Körper Wärme zugeführt wird, stehen mehr als 3.000 verschiedene TCM-Arzneimittel zur Verfügung. Der überwiegende Teil wird als Kräutertee verabreicht, aber es gibt auch Kapseln, Pulver, Tropfenextrakte und Salben.

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