Akupunktur: Feine Stiche gegen das Stechen im Kreuz

Blockaden im Energiefluss als Ursache für Rückenschmerzen: Die Traditionelle Chinesische Medizin sieht es so und steuert mithilfe von Akupunktur dagegen. (Foto: C. Reed/Fotolia)
Blockaden im Energiefluss als Ursache für Rückenschmerzen: Die Traditionelle Chinesische Medizin sieht es so und steuert mithilfe von Akupunktur dagegen. (Foto: C. Reed/Fotolia)

So wirkt Akupunktur bei Rückenschmerzen.

(dbp/spo) „Der Mensch ist zu viel im Kopf und zu wenig in den Füßen“, sagt Dr. Christian Schmincke, Leiter der auf Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) spezialisierten Klinik am Steigerwald. Das heißt: Wir sitzen zu viel, essen zu viel und bewegen uns zu wenig – da sind Rückenschmerzen vorprogrammiert. Die TCM kann dagegen helfen, unter anderem mit ihrem populärsten Instrument: der Akupunktur.

„Für uns ist die Akupunktur kein Mittel, um Schmerzen zu bekämpfen, sondern um Blockaden im Energiefluss zu beseitigen“, erläutert Dr. Schmincke die Wirkweise. Die Lebensenergie, das Qi (sprich: Schi), durchströmt den Körper auf sogenannten Meridianen. Ist der Qi-Fluss blockiert oder im Ungleichgewicht, führt das zu Beschwerden – so der Ansatz der Chinesischen Medizin.

Die wahre Ursache finden

Beim klassischen Sesselsitzer zum Beispiel, der den Feierabend am liebsten mit einer Tüte Chips auf dem Sofa verbringt, „ist der untere Körperbereich nicht richtig in Aktion“. Um den Energiefluss hüftabwärts in Schwung zu bringen, rät Dr. Schmincke zu einer Kombination aus Akupunktur und Physiotherapie. Beides zusammen sei ein kraftvolles Mittel bei Rückenschmerzen, die durch falsche Bewegungsmuster entstanden sind. Zwischen zehn und 15 Akupunktursitzungen, ambulant etwa einmal pro Woche, seien meist nötig. Sie sollten allerdings nicht am gleichen Tag stattfinden wie die Physiotherapie.

Voraussetzung für den Therapieerfolg ist, dass die wahre Schmerzursache gefunden wird. Denn durch die „chinesische Brille“ gibt es verschiedene Übeltäter: etwa der genannte Bewegungsmangel, aber auch Übergewicht („Mindestens die Hälfte der Rückenschmerzen bei uns haben mit Überernährung zu tun“, so Dr. Schmincke.), Gewebeverschlackungen, Infekte oder Fehlbelastungen. Letztere passieren zum Beispiel, wenn Menschen „ohne in die Knie zu gehen einen Bierkasten heben“, sagt der Klinikchef.

Je chronischer, desto hartnäckiger

Darüber hinaus wird ein großer Teil der Rückenschmerzen von Muskelverspannungen verursacht. Das klassische Beispiel: Schmerzen in Halswirbelsäule und Schulterbereich aufgrund von Stress und psychischer Anspannung. „Diese Beschwerden sind schwieriger zu behandeln, denn sie sind mit der gesellschaftlichen Realität des Patienten verbunden“, sagt der TCM-Arzt. „Hier geht es dann vor allem um entspannende Maßnahmen.“

Wo die Nadeln gesetzt werden, kommt also auf die Entstehungsgeschichte des Schmerzes an. Deshalb ist ein ausführliches Diagnosegespräch laut Dr. Schmincke so wichtig.

Grundsätzlich gilt: „Je chronischer die Erkrankung ist, und je länger die Patienten Schmerzmittel nehmen, desto schwerer sprechen sie auf die Behandlung an.“ Dass Akupunktur Rückenschmerzen grundsätzlich lindern kann, ist jedoch wissenschaftlich erwiesen. Zumindest war sie in Studien bei chronischen Schmerzen in der Lendenwirbelsäule effektiver als die Standardtherapie. Deshalb bezahlen seit 2007 sogar die gesetzlichen Krankenkassen eine Behandlung in diesem Bereich.

Eine Kommentar schreiben

Ihre Emailadresse wird nicht veröffentlicht! Erforderliche Felder sind mit einem * gekennzeichnet.

Sie können folgende HTML Tags und Attribute verwenden:

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>