Aktiv und passiv gegen den Schmerz

Im Schlingentisch werden schmerzende oder schwer bewegliche Gelenke behandelt. (Foto: Photographee.eu / Fotolia)
Im Schlingentisch werden schmerzende oder schwer bewegliche Gelenke behandelt. (Foto: Photographee.eu / Fotolia)

Bei orthopädischen Beschwerden kann die Physiotherapie auf vielfältige Weise helfen

(dbp/nas) Manuelle Therapie oder lieber Massage? Strom oder besser Kälte? In der Physiotherapie gibt es eine große Bandbreite an Therapiemethoden. Ob Bandscheibenvorfall, Knie-Arthrose oder Meniskusschaden – es kommen verschiedene Behandlungsformen infrage. Jede hat Vor- und Nachteile. Welche bei welchem Beschwerdebild sinnvoll ist, hängt auch vom Patienten ab.

„Generell ist das moderne Therapieverständnis das einer aktivierenden Behandlung“, sagt Physiotherapeut Dr. Erwin Scherfer, Generalsekretär des Deutschen Verbands für Physiotherapie (ZVK). Der spezielle Therapieansatz müsse zum Patienten passen.

Aktive und passive Maßnahmen sollen Beschwerden lindern

Orthopädische Beschwerden können buchstäblich von Kopf bis Fuß angesiedelt sein und je nach Erkrankung oder Problemfeld greifen unterschiedliche Methoden. Grundsätzlich sei erst einmal zwischen aktiven und passiven Maßnahmen zu unterscheiden, erklärt Dr. Scherfer. Zu den passiven Maßnahmen zählen die Massage, die Muskelverhärtungen lösen, Schmerzen lindern und die Durchblutung fördern soll, die Lymphdrainage, die der Entstauung dient und beispielsweise auch bei rheumatischen Erkrankungen helfen kann oder auch physikalische Therapien, bei denen zum Beispiel Kälte oder Wärme zum Einsatz kommen. Strom wird in der Elektrotherapie genutzt, um das Gewebe zu stimulieren und damit die Muskulatur zu entspannen und Schmerzen zu reduzieren.

Bei der Extension wird Zugkraft eingesetzt, um Druck von Gelenken und Nervenwurzeln zu nehmen und so die Wirbelsäule, das Becken oder Knie- und Hüftgelenke zu entlasten. Diese Methode kann manuell oder auf dem sogenannten Schlingentisch durchgeführt werden, wo der Körper oder einzelne Körperteile in Schlingen hängen. Mit Hilfe der Manuellen Therapie und ihrer Handgrifftechniken können Gelenke mobilisiert und Schmerzen gemildert werden – geeignet bei Nacken- und Rückenproblemen, nach langer Ruhigstellung oder für Patienten mit Arthrose. Bei der klassischen Krankengymnastik steht die Bewegung im Vordergrund. Die Bewegungsabläufe sollen optimiert, dazu Muskelkraft und Ausdauer gesteigert sowie Schmerzen gelindert werden.

Bei Rückenschmerzen ist Bewegung das A und O

Laut Dr. Erwin Scherfer hat in den vergangenen Jahren vor allem die aktivierende Krankengymnastik, insbesondere die Trainingstherapie mit Geräten, an Bedeutung gewonnen. Sie spielt auch eine wichtige Rolle, wenn es um den großen Bereich der Rückenschmerzen geht. Rückenschmerzen sind häufig auf keine konkrete Ursache zurückzuführen. Dann ist es umso wichtiger, dass der Patient möglichst aktiv ist. „Vereinfacht gesagt, spielt die spezielle Therapierichtung gar nicht die entscheidende Rolle, sondern die Hauptsache ist, man bewegt sich“, sagt der Physiotherapeut. Damit wird auch eine Chronifizierung verhindert, nämlich dass das Gehirn den Schmerz „erlernt“.

„Für jeden Patienten geht es letztlich darum, Beweglichkeit wiederherzustellen oder zu erhalten“, so Dr. Scherfer. Und dabei sei die Erkenntnis gewachsen, dass in den meisten Fällen eine Schonung langfristig kontraproduktiv ist. „Nur so viel Schonung, wie unbedingt nötig und so viel Aktivität wie möglich“, bringt es Scherfer auf den Punkt. Welche Art der Physiotherapie im konkreten Fall am sinnvollsten und hilfreichsten ist, sollten Arzt, Therapeut und Patient im Idealfall gemeinsam herausfinden.