Aktiv bleiben – auch mit Demenz

Besonders für Demenzkranke ist körperliches Training wichtig, denn sie haben ein erhöhtes Sturzrisiko. (Foto: G. Seybert/Fotolia)
Besonders für Demenzkranke ist körperliches Training wichtig, denn sie haben ein erhöhtes Sturzrisiko. (Foto: G. Seybert/Fotolia)

Patienten sollten Kraft, Balance und Aufmerksamkeit trainieren

(dbp/spo) Regelmäßige körperliche Bewegung ist wichtig für die Gesundheit, das dürfte inzwischen jeder wissen. Doch müssen auch Patienten mit scheinbar schwerer wiegenden Problemen wie einer Demenz zur Aktivität gebracht werden? Ja, meint die Heidelberger Sportwissenschaftlerin Nele Lemke. Unbedingt. Denn gerade bei Demenz sei es für die Lebensqualität unheimlich wichtig, beweglich zu bleiben.

Nele Lemke forscht am Netzwerk Alternsforschung der Universität Heidelberg zum Thema Training bei Demenz. „Menschen mit Demenz leiden viel stärker als Gesunde unter ihren körperlichen Beeinträchtigungen. Sie sind eine sehr sensible Gruppe“, sagt sie.

Erhöhtes Sturzrisiko

Demenzpatienten befinden sich in einem Teufelskreis: Durch ihre Erkrankung büßen sie kognitive und motorische Fähigkeiten ein. Zum Beispiel sei die Fähigkeit, die Aufmerksamkeit auf zwei Dinge gleichzeitig zu richten – etwa Gehen und auf den Verkehr achten –, bereits im frühen Krankheitsstadium beeinträchtigt. Im Verlauf nehmen auch die motorischen Fähigkeiten ab: Am Ende „versteht der Mensch mit Demenz es nicht mehr, von einem Stuhl aufzustehen und sich wieder hinzusetzen. Er hat vergessen, wie man sich richtig bewegt.“ Die Patienten spüren ihr Manko, sind verunsichert und schränken ihre Aktivitäten ein. Das wiederum kann den Krankheitszustand verschlechtern, sagt Nele Lemke. Die Folgen: Neue Einschränkungen, eine erneute Verschlechterung und so weiter.

Wegen der Unruhe, die Demenzpatienten häufig plagt, haben sie darüber hinaus ein größeres Sturzrisiko. „Es ist dreifach erhöht im Gegensatz zu gesunden Gleichaltrigen“, so die Sportwissenschaftlerin. Das bedeutet: Trainieren – und zwar sowohl Kraft und Balance als auch die Aufmerksamkeit. „Studien haben gezeigt, dass es möglich ist, Kraft und Balance auch bei über 80-Jährigen noch zu steigern“, sagt Nele Lemke. „Die Annahme, dass ein alter Körper nicht mehr anpassungsfähig ist, ist widerlegt.“

Kniebeuge und Zehenstand

Doch wie kann so ein Training aussehen? „Es ist nicht notwendig, ins Fitnessstudio zu gehen“, so Nele Lemke. „Balance kann man bereits schulen, indem man einfach das Gewicht verlagert.“ Sowieso müssten es für Demenzpatienten einfache Übungen sein, die auf die Fähigkeiten der Teilnehmer abgestimmt sind und häufig wiederholt werden. Etwa die gute alte Kniebeuge oder der Zehenstand.

Beim Training in der Gruppe sollten die Übungsleiter zudem lieber klare und knappe Anweisungen geben als lange Reden zu halten und die Übungen deutlich vormachen. „Auch bei fortgeschrittener Demenz sind die Areale lange erhalten, die das Imitieren von Bewegungen steuern“, so die Wissenschaftlerin. Wichtig ist auch: Man muss die Anforderungen stufenweise steigern. „Der Muskel braucht einen Reiz, damit er wachsen kann.“

Wer interessiert an Trainingstipps für zu Hause ist, sollte die Internetseite der Arbeitsgruppe „Bewegung bei Demenz“ am Heidelberger Bethanien-Krankenhaus besuchen. Unter www.bewegung-bei-demenz.de gibt es Trainingsanleitungen in verschiedenen Schwierigkeitsgraden.