Akademiker in die Pflege

Pflegekräfte mit Hochschulbildung sind in Deutschland noch die Ausnahme. (Foto: StefanieB. / Fotolia)
Pflegekräfte mit Hochschulbildung sind in Deutschland noch die Ausnahme. (Foto: StefanieB. / Fotolia)

Experten fordern mehr Schwestern und Pfleger mit Hochschulabschluss

(dbp/auh) Am 12. Mai wird weltweit der Tag der Pflegenden begangen. Das Datum erinnert an Florence Nightingale, die Mitbegründerin der modernen westlichen Krankenpflege, die am 12. Mai 1820 geboren wurde. Mit Florence Nightingale begann der Wandel von der geistlichen zur weltlichen Krankenpflege. Sie startete mit der Gründung einer Krankenpflegeschule im Jahr 1860 in London die Professionalisierung des Berufs.

150 Jahre später ist das Thema Professionalisierung der Pflegeberufe wieder brandaktuell. Unter dem Aspekt der steigenden Qualifikationserfordernisse wird in der Fachwelt die Forderung einer Akademisierung in der Pflege diskutiert. Hintergrund ist zum einen der veränderte Versorgungsbedarf und zum anderen der medizinische Fortschritt. So hat beispielsweise der Wissenschaftsrat in seinen „Empfehlungen zu hochschulischen Qualifikationen für das Gesundheitswesen“ im Sommer 2012 erläutert, warum die Angehörigen von Gesundheitsfachberufen „akademische Kompetenzen“ benötigen. Sie müssten in der Lage sein, ihr Handeln auf der Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse zu reflektieren, die Versorgungsmöglichkeiten evidenzbasiert zu prüfen sowie das eigene Handeln anzupassen. Diese Fähigkeiten könnten nicht an berufsbildenden Schulen vermittelt werden, sondern sollten an einer Hochschule erworben werden.

Wissenschaftsrat: 10 bis 20 Prozent mit Hochschulbildung

Auch der Bremer Pflegewissenschaftler Professor Dr. Stefan Görres ist ein Fürsprecher der Akademisierung von Pflegeberufen. „Das Wissen in der Pflege ist so stark gewachsen, dass es unmöglich in der dreijährigen Ausbildung noch Platz findet“, sagte Görres der Ärztezeitung (16.08.2012). Studien aus den USA, so Görres, zeigten, dass „zehn Prozent mehr Pflegeexpertinnen mit BA-Abschlüssen das Risiko, innerhalb von 30 Tagen im Hospital zu sterben, um rund fünf Prozent senken“.

Der Wissenschaftsrat empfiehlt eine Akademisierungsquote von 10 bis 20 Prozent eines Jahrgangs in den Pflege- und Therapieberufen sowie im Hebammenwesen. Das bedeutet für die Pflegeberufe, dass bundesweit zwischen 2.100 und 4.800 neue Studienplätze in patientenorientierten Studiengängen benötigt werden. Ausdrücklich keinen zusätzlichen Bedarf sieht der Wissenschaftsrat bei Master-Studiengängen auf den Gebieten Gesundheitsmanagement und Public Health.

Auch die Profis wollen eine Professionalisierung

Was sagen eigentlich die Nachfolgerinnen von Florence Nightingale in Deutschland zu der Debatte? Der Deutsche Pflegerat (DPR), der die Interessen der professionell Pflegenden vertritt, fordert schon lange eine grundlegende Reform der Ausbildung. Die Professionalisierung der Pflegeberufe müsse fortschreiten, das umfasse auch eine akademische Ausbildung, heißt es in einer Erklärung des DPR vom März 2013. Der DPR setzt für eine „generalistische“ Ausbildung ein, die innerhalb der EU anerkannt wird und eine Schwerpunktbildung zulässt.

Die Akademisierung der Pflegeberufe ist in anderen europäischen Staaten bereits viel weiter fortgeschritten. In 22 von 27 EU-Ländern findet die Erstausbildung ausschließlich an Hochschulen statt.