Aids geht nicht nur Männer an

Kondome schützen Frauen und Männer vor sexuell übertragbaren Krankheiten. (Foto: patrick/ Fotolia)
Kondome schützen Frauen und Männer vor sexuell übertragbaren Krankheiten. (Foto: patrick/ Fotolia)

Weltweit ist jeder zweite HIV-infizierte Mensch eine Frau oder ein Mädchen

(dbp/auh) Die Immunschwächekrankheit Aids wurde 1983 vom Nachrichtenmagazin Der Spiegel als „Homosexuellen-Seuche“ bezeichnet – ohne Anführungszeichen. Dabei war bereits damals bekannt, dass sich nicht nur schwule Männer mit dem HI-Virus infizieren können. Frauen sind aus biologischen und sozialen Gründen besonders gefährdet, sich mit HIV anzustecken. Etwa die Hälfte aller HIV-infizierten Menschen auf der Welt sind Frauen.

1981 wurde die damals noch namenlose Krankheit zum ersten Mal in einem medizinischen Fachblatt beschrieben. Fünf Männer zwischen 29 und 36 Jahre waren zwischen Oktober 1980 und Mai 1981 wegen einer seltenen, von einem Pilz verursachten Lungenentzündung in verschiedenen Krankenhäusern in Los Angeles behandelt worden. Alle fünf litten außerdem an Pilz- und Virusinfektionen, die bei gesunden Erwachsenen normalerweise völlig unproblematisch, meist sogar symptomfrei verlaufen. Bei den Männern, die alle homosexuell aktiv waren, war es anders: Einer von ihnen war bereits im März 1981 gestorben, ein anderer im Mai.

HIV macht das Immunsystem wehrlos

Die bis dahin völlig unbekannte, rätselhafte und außergewöhnlich schnell zum Tode führende Krankheit bekam erst später den Namen AIDS, die Abkürzung für „Acquired Immune Deficiency Syndrome“, zu Deutsch: erworbenes Immunschwäche-Syndrom. Das Virus, das zum Ausbruch der Erkrankung führen kann, wurde bereits im Jahr 1983 identifiziert und HIV genannt: „Humanes Immundefizienz-Virus“. HIV schädigt die körpereigenen Abwehrkräfte. Bakterien, Viren und Pilze können ohne nennenswerte Gegenwehr des Immunsystems den Körper attackieren.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) erläutert in ihrem Frauengesundheitsportal: „Für das HI-Virus ist es völlig unerheblich, ob es in einen männlichen oder in einen weiblichen Körper gelangt. Die Viren dringen – unabhängig vom Geschlecht ihres Wirtes – in die Zellen des menschlichen Abwehrsystems ein, vermehren sich und verteilen sich in den unterschiedlichen Körperflüssigkeiten. Vor allem das Blut von infizierten Menschen enthält HI-Viren. Bei HIV-positiven Männern kommen die Viren auch im Sperma und bei HIV-positiven Frauen in der Scheidenflüssigkeit vor.“

Frauen stecken sich leichter an als Männer

Für Frauen ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich bei Geschlechtsverkehr mit einem HIV-positiven Mann infizieren, doppelt so hoch wie für Männer. Der Berufsverband Deutscher Internisten erklärt, warum das so ist: Frauen haben eine größere Schleimhautoberfläche, die mit den Körperflüssigkeiten des Partners in Berührung kommt. Entzündungen im Bereich der Genitalschleimhäute erhöhen das Übertragungsrisiko. Außerdem ist Sperma ein potenterer Virenträger als die Vaginalsekrete der Frau.

Spezielle Beratungsangebote für Frauen mit HIV sind nicht leicht zu finden. Die Deutsche Aidshilfe hat ein eigenes Internetportal unter www.frauenundhiv.info eingerichtet, und zum Welt-Aids-Tag am 1. Dezember soll die Website http://wunderbar-positive-frauenwelt.de über Beratungs- und Hilfsangebote speziell für Frauen informieren.

Die Broschüre „Positiv gesund leben“, die sich an Frauen mit HIV richtet, und die in diesem Jahr von der Aidshilfe neu aufgelegt wurde, kann kostenlos heruntergeladen werden unter www.frauenundhiv.info/broschueren-und-materialien.

Autor:

Ähnliche Beiträge

Weiterführende Links

Beitrags-ID:
4933164
Kategorie(n):
Schlagwort(e):
, , , , , ,
Quellenangaben:
Informationen des Robert-Koch-Instituts, Epidemiologisches Bulletin Nr. 44 vom 3. November 2014; Informationen der Deutschen AIDS-Hilfe, Broschüre „positiv gesund leben“, 2. Auflage 2014, www.aidshilfe.de, www.frauenundhiv.info; Der Spiegel, Ausgabe 23/1983, Titelgeschichte, zitiert nach: www.spiegel.de/spiegel/print/d-14021779.html; Informationen der BZgA, www.frauengesundheitsportal.de/themen/hiv-aids; Informationen der Gemeinnützigen Stiftung Sexualität und Gesundheit GmbH (GSSG), www.netzwerkfrauenundaids.de; Patientenportal des Berufsverbandes Deutscher Internisten, www.internisten-im-netz.de; Nicholas D. Kristof und Sheryl WuDunn: „Die Hälfte des Himmels. Wie Frauen weltweit für eine bessere Zukunft kämpfen“, Verlag C.H. Beck, München 2010, S. 174; alle Informationen abgerufen im November 2014