Abtasten und abtasten lassen

Zur jährlichen Krebsfrüherkennungsuntersuchung gehört auch die Anleitung zum Selbstabtasten der Brust. (Foto: Piotr Marcinski / Fotolia)
Zur jährlichen Krebsfrüherkennungsuntersuchung gehört auch die Anleitung zum Selbstabtasten der Brust. (Foto: Piotr Marcinski / Fotolia)

Die Selbstuntersuchung der Brust gehört zum Krebsfrüherkennungsprogramm

(dbp/auh) Früherkennung ist das wichtigste Instrument, um bei Brustkrebs die Therapie zu optimieren, die Lebensqualität der Patientinnen zu verbessern und letztlich die Sterblichkeit zu verringern. Das gesetzliche Früherkennungsprogramm in Deutschland beinhaltet für alle Frauen ab 30 Jahren zusätzlich eine jährliche Untersuchung der Brust beim Gynäkologen. Frauen zwischen 50 und 69 haben zusätzlich alle zwei Jahre Anspruch auf eine Mammografie, also eine Röntgenuntersuchung der Brust.

Zwar steigt das Brustkrebsrisiko mit dem Alter, aber auch junge Frauen können erkranken. Daher ist es in jedem Alter wichtig, Veränderungen an der Brust zu beachten. Nach Auffassung des Berufsverbandes der Frauenärzte (BVF) gelingt das am besten, wenn die Frau jeden Monat regelmäßig ihre Brust untersucht. Auf seiner Internetseite www.frauenaerzte-im-netz.de informiert der Berufsverband ausführlich über die „Selbstuntersuchung der Brust“. Unter dieser Rubrik gibt es detaillierte, bebilderte Anleitungen und ein „Selbstcheck-Formular“ zum Ausdrucken, auf dem die monatliche Inspektion dokumentiert werden kann.

Anleitung gehört zur Früherkennungsuntersuchung

Der Nutzen dieser Selbstuntersuchungsmethode ist allerdings umstritten. Es gibt keinen wissenschaftlichen Nachweis, dass sie die Brustkrebssterblichkeit senkt. Aus diesem Grund hat zum Beispiel die US-amerikanische Krebsgesellschaft die Empfehlung zur Unterweisung im systematischen Brustabtasten aus ihren Leitlinien herausgenommen. In Deutschland schreibt die Krebs-Früherkennungsrichtlinie den Frauenärzten weiterhin „die Anleitung zur regelmäßigen Selbstuntersuchung der Brust“ vor. „Und daran halten wir uns“, erklärt Dr. med. Klaus König, Vize-Präsident des BVF. Der praktizierende Gynäkologe nimmt sich stets Zeit, um seinen Patientinnen die richtige Technik des Selbstabtastens zu erklären.

Selbstuntersuchung führt nicht zu überflüssigen Operationen

Für den BVF ist diese Methode im Verbund mit dem Mammografie-Screening und den regelmäßigen Krebsfrüherkennungsuntersuchungen eine gute Möglichkeit, um einen Tumor frühzeitig festzustellen. Die Argumente der Kritiker, es werde zu oft bei harmlosen Zysten oder anderen gutartigen Veränderungen operiert, kann Dr. König entkräften: Wird ein von der Frau entdeckter Knoten auch nach der ärztlichen Tastuntersuchung für verdächtig gehalten, kommt zunächst der Ultraschall zum Einsatz, gefolgt von der Mammografie. Bleibt der Verdacht bestehen, gibt eine sogenannte Stanzbiopsie Sicherheit. Dabei wird unter Ultraschallansicht und bei örtlicher Betäubung eine winzige Kanüle in das fragliche Gewebe geschossen und entnimmt kleinste Proben. Diese Methode sei risikoarm und hinterlasse keine Narben.

Frauen, die sich nicht jeden Monat ausführlich abtasten möchten, sollten dennoch ein Auge haben auf Veränderungen ihres Körpers. Folgende Symptome sind nach Angaben des Krebsinformationsdienstes Anlass für einen unverzüglichen Arztbesuch: neu aufgetretene Knoten oder Verhärtungen in der Brust und in den Achselhöhlen, Einziehung einer Brustwarze oder wenn nicht-milchige Flüssigkeit austritt, Einziehungen, Rötung oder Schuppung der Brusthaut und natürlich Schmerzen.