Abnehmen im Alter ist nicht nur Figursache

Muskelmasse aufbauen hilft beim Abnehmen und ist im Alter auch aus gesundheitlichen Gründen wichtig. (Foto: Robert Kneschke / Fotolia)
Muskelmasse aufbauen hilft beim Abnehmen und ist im Alter auch aus gesundheitlichen Gründen wichtig. (Foto: Robert Kneschke / Fotolia)

Wer gesund alt werden möchte, sollte den Fettpölsterchen entgegenwirken

(dbp/auh) Es gibt Menschen mit einem Turbostoffwechsel. Meine Oma war so ein Mensch. Sie hat in ihrem ganzen Leben (sie wurde 83 Jahre alt) nie mehr als 50 Kilo gewogen, im Alter sogar weniger. Dafür hat sie ziemlich viel gegessen. Trotzdem war sie relativ rasch nach den Mahlzeiten wieder hungrig. Und ohne ein zusätzliches Butterbrot vor dem Zubettgehen hätte ihr knurrender Magen in der Nacht die ganze Familie geweckt.

Menschen mit einem solchen Turbostoffwechsel sind selten. Zwar findet auch bei ihnen der altersbedingte Umbau statt, der den Stoffwechsel drosselt: Die Muskelkraft lässt nach und das Fettgewebe wächst. Aber sie verbrennen immer noch mehr Energie als ihre Altersgenossen mit einem „normalen“ Stoffwechsel.

Das Fett wandert in die Körpermitte

Die meisten Menschen werden im Alter molliger. Das muss sich zunächst nicht auf der Waage zeigen, denn Fett ist etwa um zwölf Prozent leichter als Muskeln. Aber im Spiegel kann man es sehen und am kneifenden Hosenbund kann man es spüren. Denn die Fettpolster wandern etwa ab der Lebensmitte hin zur Körpermitte, mit zunehmendem Alter in den Bauchraum. Das betrifft Frauen und Männer gleichermaßen und ist kein bloßes Figurproblem. Überschüssiges Bauchfett gilt als Risikofaktor für Diabetes, Gefäßkrankheiten und Krebs.

Bei beiden Geschlechtern führt die reduzierte Ausschüttung von Wachstums- und Schilddrüsenhormonen zu ungewollter Gewichtszunahme im Alter. Frauen haben – ab der Menopause – noch ein zusätzliches Päckchen zu tragen: Der drastische Abfall des Hormons Östradiol erschwert die Fettverbrennung und fördert die Zunahme des gefährlichen Bauchfetts.

Abnehmen ist kein Zuckerschlecken

Diesen zwar ganz natürlichen, aber trotzdem potenziell gefährlichen Alterungsprozess kann man bremsen. Der Stoffwechsel lässt sich nämlich beeinflussen und die Fettverbrennung wieder anheizen. Das ist eigentlich ganz einfach – leicht ist es aber nicht. Es funktioniert nicht bei jedem Menschen gleich gut und gleich schnell. Die genetische Veranlagung spielt eine Rolle, aber sie ist nicht der entscheidende Faktor.

Entscheidend ist, dass das größte menschliche Stoffwechselorgan aktiviert wird: die Muskulatur. Wer gesund und nachhaltig abnehmen oder sein Gewicht auch im Alter halten möchte, muss Muskelmasse aufbauen. Krafttraining ist also ein Muss. Gleichzeitig sollte die Ernährungsweise dahin gehend verändert werden, dass sie die Produktion von Hormonen und anderen wichtigen Stoffen nicht noch stärker drosselt und die Organe wie Leber und Bauchspeicheldrüse nicht belastet. Auch diese Umstellung ist für viele Schleckermäuler zunächst nicht leicht, denn das bedeutet: weniger Zucker, keine Zwischenmahlzeiten.

Dass stark kalorienreduzierte Diäten dick machen, weil sie den Stoffwechsel „runterfahren“, ist mittlerweile bekannt. Daher gibt es mittlerweile gesündere Alternativen. Viele Experten setzen auf den Verzicht von Kohlenhydraten am Abend und empfehlen stattdessen ein eiweißbetontes Abendessen. Welche Strategie die richtige ist, muss letztlich jeder für sich entscheiden. Denn es gibt nicht den einen goldenen Weg, der für alle Menschen gleichermaßen der richtige ist. Gute Methoden berücksichtigen immer beide Komponenten: Bewegung und Ernährung.