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Zwei plus zwei ist fünf

Hinter Trotz und Wutanfällen verbergen sich bei rechenschwachen Kindern oft Versagensängste. (Foto: Tomasz Trojanowski/Fotolia)Hinter Trotz und Wutanfällen verbergen sich bei rechenschwachen Kindern oft Versagensängste. (Foto: Tomasz Trojanowski/Fotolia)

Dyskalkule Kinder hadern mit den Zahlen.

Wie soll man seinem Kind erklären, warum 2.000 minus vier nicht 1.600 ergibt? Was tun Eltern, wenn grundlegende mathematische Konzepte von ihren Kindern einfach nicht verstanden werden? Dem Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie (BVL) zufolge sind vier bis sechs Prozent aller Kinder von einer Dyskalkulie, einer Lernstörung im mathematischen Bereich, betroffen. Ihre Eltern sehen sich regelmäßig den oben beschriebenen Situationen gegenüber.

Die Probleme von Kindern mit Rechenstörung treten meist sehr früh auf und betreffen die Grundlagen der Mathematik. Beispielsweise wird der Schritt vom konkreten Gegenstand zur abstrakten Zahl nicht verstanden oder Rechnen wird mit Abzählen verwechselt.

Zu Beginn können Kinder durch Abzählen, Auswendiglernen oder selbst erfundene Rechenregeln ihre Probleme noch verschleiern. Werden die Aufgabenstellungen später schwieriger, verkomplizieren sich auch die Rechenwege der Betroffenen – die Fehleranfälligkeit steigt. Dyskalkulie wird daher oft erst spät, laut Universität Bielefeld in der dritten oder vierten Klasse, erkannt.

Woran erkennt man Dyskalkulie?

Im ersten Schuljahr mit den Fingern zu rechnen ist ganz normal. Bei dyskalkulen Kindern ist der Hang zum Abzählen jedoch besonders ausgeprägt und hartnäckig. Dem BVL zufolge sind sie auf Zählhilfen angewiesen. Grund dafür ist, dass Zahlen nicht als Stellvertreter von Mengen, sondern als inhaltsleere Zeichen verstanden werden.

Aus diesem grundlegenden Missverständnis ergeben sich charakteristische Fehler. Zehner-Übergänge und der Wechsel zwischen Rechenarten bereiten betroffenen Kindern große Probleme. Beispielsweise wird die Rechenart für einen Teil der Rechnung einfach umgekehrt, um einen Übergang zu vermeiden (16 – 7 = 11). Da Zahlen nicht als Mengen verstanden und Rechenoperationen als Zählen in die eine oder andere Richtung interpretiert werden, können Kinder die Worte „mehr“ und „weniger“ nicht mit Addition oder Subtraktion in Verbindung bringen.

Besondere Schwierigkeiten bereiten den betroffenen Kindern Textaufgaben. Aus einer ausformulierten Aufgabenstellung den korrekten Rechenweg zu ermitteln, ist beinahe unmöglich. Meist werden die erwähnten Zahlen daher nur willkürlich miteinander verbunden.

Frühe Erkennung ist wichtig

Dyskalkulie ist keine Krankheit im eigentlichen Sinn, vielmehr handelt es sich um eine Lernstörung, für die es keine äußeren Ursachen gibt. Daher sind für die Diagnose zahlreiche Untersuchungen nötig – ein Intelligenztest und ein standardisierter Rechentest, um den Entwicklungsstand einschätzen zu können, dazu psychologische und neurologische Untersuchungen und Gespräche über die bisherige Entwicklung des Kindes um externe Ursachen der Rechenschwäche ausschließen zu können. Die Ursachen der Dyskalkulie vermuten Experten hinter veränderten neurologischen Prozessen und einem vorschulischen Entwicklungsrückstand im zahlen- und mengenbezogenen Bereich.

Mathematik ist eines der wichtigsten Schulfächer und „stets versetzungsrelevant“, wie der Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie (BVL) betont. Eine unerkannte Rechenstörung setzt die betroffenen Kinder Selbstzweifeln und jahrelangem Spott von Mitschülern aus. Laut BVL können durch diese Folgen der Dyskalkulie auch die Noten in anderen Fächern in Mitleidenschaft gezogen werden, so dass es zu einem „generellen Schulversagen“ kommt. Wird die Störung früh erkannt, kann mit gezieltem Training jedoch gut gegengesteuert werden.

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