Virushepatitis: Die Leber leidet still
Symptome wie Erschöpfung und Appetitlosigkeit weisen manchmal auf eine Hepatitis hin. (Foto: tbel/Fotolia)Hepatitiserkrankungen laufen häufig ohne Symptome ab.
Jeder zwölfte Mensch leidet an einer chronischen Hepatitis – und die meisten wissen nicht einmal etwas von ihrem Schicksal. Der Grund: Die Erkrankung verläuft oft ohne spezifische Symptome.
Laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) tritt die charakteristische Gelbsucht, die Gelbfärbung von Augen und Haut, tatsächlich nur in etwa einem Drittel aller Fälle auf. Dennoch ist gerade eine unerkannte Hepatitis eine Gefahr, denn auf lange Sicht drohen Leberzirrhose oder sogar Krebs.
Hepatitis heißt Leberentzündung. Sie kann durch Medikamente, Autoimmun-Erkrankungen, Giftstoffe wie Alkohol oder Drogen, Parasiten und vieles mehr entstehen. Neben Alkohol sind häufig Viren die Ursache. Besondere Beachtung verdienen die Typen B und C, da sie einen chronischen Verlauf nehmen können.
Kopfweh, Übelkeit, Leberschmerzen
Hepatitis Typ B ist eine der häufigsten Infektionskrankheiten weltweit, die jedoch oft unerkannt bleibt. Dem Berufsverband Deutscher Internisten (BDI) zufolge treten nur bei 70 Prozent der Erwachsenen und zehn Prozent der Kinder Symptome auf – nämlich Erschöpfung, Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, Übelkeit und Leberschmerzen. In wiederum nur einem Drittel der Fälle kommt es zur charakteristischen Gelbsucht. Allein an den Symptomen ist Hepatitis B nicht von der meist harmlosen Hepatitis A zu unterscheiden; letztere wird fäkal-oral übertragen. Gewissheit kann nur ein Bluttest auf Viren oder Antikörper bringen.
Hepatitis B ist hochansteckend. Körperflüssigkeiten wie Speichel, Tränen oder Muttermilch können die Viren in sich tragen, selbst durch kleine Verletzungen können sie in den Körper gelangen. Am häufigsten ist jedoch die Infektion durch ungeschützten Sexualkontakt. In Deutschland gehen laut BDI bis zu 70 Prozent der Neuerkrankungen auf ungeschützten Sex zurück. Behandelt werden kann der B-Typ mit Medikamenten.
Hepatitis C wird durch Blut übertragen
Der bekannteste Hepatitistyp C wurde erst 1989 entdeckt. Er erscheint in vielerlei Hinsicht weniger bedrohlich als Typ B: Das Virus ist weniger ansteckend, wird hauptsächlich über das Blut übertragen und betrifft weniger Menschen. Die Krankheit verläuft ebenfalls oft symptomfrei, wird jedoch in 50 bis 85 Prozent der Fälle chronisch. Rechtzeitig erkannt kann Hepatitis C gut behandelt werden. Mit antiviralen Medikamenten wird nach BDI-Angaben mittlerweile eine Heilungsquote von bis zu 80 Prozent erreicht.
Von der Entzündung zur Leberzirrhose
Auch wenn eine chronische Hepatitis jahrelang ohne Symptome ablaufen kann, ist sie eine Bedrohung. Die chronische Leberentzündung führt zu einer Vernarbung, die das Organ in seiner Funktion einschränkt und schließlich zur Zirrhose werden kann. Hepatitis C führt bei einem Fünftel der Betroffenen nach 20 bis 30 Jahren zu einer Leberzirrhose. Bei Hepatitis B geht es schneller – der BZgA zufolge ist nach fünf Jahren die Hälfte der Patienten betroffen. Mit der Leberzirrhose steigt auch das Risiko, an Leberkrebs zu erkranken. Es ist für Hepatitis-B-Patienten besonders hoch.
Im Gegensatz zu Hepatitis A und B, gegen die es einen Impfschutz gibt, sind Hepatitis-C-Viren so wandelbar, dass bisher kein funktionierender Impfstoff gefunden wurde. Der sicherste Weg, eine Infektion zu verhindern, ist also den Viren aus dem Weg zu gehen. Ein hohes Ansteckungsrisiko besteht beim Kontakt mit fremdem Blut: Besonders gefährdet sind daher Personen, die sich Drogen spritzen und kein sauberes Besteck benutzen.
Auch durch Tätowierungen unter unhygienischen Bedingungen kann es zu einer Infektion kommen. Weiterhin gefährdet sind Personen, die in Gesundheitsberufen arbeiten und mit dem Blut von Patienten in Kontakt kommen. Die Gefahr, sich durch Bluttransfusionen zu infizieren, ist hingegen weitestgehend gebannt, seit 1991 Routinekontrollen eingeführt wurden.

