Tausende Deutsche leiden an einer Kälteallergie

Für Kälteallergiker heißt es in den kalten Jahreszeiten: Immer dick einpacken mit Mütze, Schal und Handschuhen. (Foto: markos86 / Fotolia)
Für Kälteallergiker heißt es in den kalten Jahreszeiten: Immer dick einpacken mit Mütze, Schal und Handschuhen. (Foto: markos86 / Fotolia)

Kälte-Urtikaria ist eine Sonderform der Nesselsucht.

(dbp/abz) Wenn Kälte auf der Haut Juckreiz, Brennen und Quaddeln verursacht, steckt wahrscheinlich eine Kälteallergie dahinter. Die sogenannte Kälte-Urtikaria ist als Sonderform der Nesselsucht in Deutschland für viele Menschen der Grund, die Kälte zu meiden und sich auf die warme Jahreszeit zu freuen. Dabei treten die Symptome meist an den Händen, an den Füßen, manchmal auch im Gesicht auf. Die Schätzungen über die Zahl der Betroffenen in Deutschland liegen zwischen 30.000 und 75.000, wobei nach einer Studie, die an der Berliner Charité durchgeführt wurde, am häufigsten junge Erwachsene unter der Kälte-Urtikaria leiden, Frauen doppelt so häufig wie Männer. Die Beschwerden treten meist plötzlich und aus heiterem Himmel auf. Oft kommt es dann wieder zur Besserung bevor die kältebedingten Reaktionen in erneuten Schüben immer wieder einsetzen.

Keine echte Allergie

Im Grunde ist die Bezeichnung „Allergie“ für die Kälte-Urtikaria falsch, denn anders als bei einer Allergie reagiert der Körper nicht auf Stoffe, mit denen er in Berührung kommt, sondern Auslöser der Beschwerden ist einzig eine physikalische Größe, die Temperatur. Die Haut zeigt ähnliche Symptome wie bei einer echten Allergie, daher wird die Kälte-Urtikaria auch als Pseudo-Allergie bezeichnet. Die Temperatur kann über die Luft, über Wasser oder kalte Gegenstände mit der Haut in Berührung kommen und als Reaktion schüttet der Körper Entzündungsstoffe wie Histamine aus, welche dann zu den juckenden Quaddeln führen. Weil die Hände und die Füße als Extremitäten besonders weit vom Herzen entfernt sind, sind sie weniger durchblutet als andere Körperregionen, somit anfälliger für Kälte und die daraus resultierenden Effekte. Das Gesicht ist Kälte meist gewohnt und daher weniger oft von kältebedingten Beschwerden betroffen.

Probleme auch im Sommer

Übrigens sind Betroffene nicht nur im Winter den Folgen von Kälteeinwirkungen ausgesetzt. Auch im Sommer kann zum Beispiel der Kontakt mit kaltem Wasser schmerzhafte Folgen haben. Im schlimmsten Fall könnte ein Sprung in den kühlen Swimmingpool tödlich enden, weil der allergische Schock einen Herz-Kreislauf-Stillstand auslösen kann. Aber auch der Verzehr von kalten Speisen oder Getränken kann unangenehm sein, so dass Menschen, die unter der Kälteallergie leiden, oft nur durch das Vermeiden von Kälte in jeder Form die gefürchteten Beschwerden ausschließen können. Gerade der Kontakt mit Kälte im Mund- und Rachenraum kann dabei sehr gefährlich sein, weil die aufgrund der quasiallergischen Reaktion anschwellende Schleimhaut eine akute Atemnot auslösen kann.

Medikamentöse Unterdrückung der Symptome ist möglich

Die Forscher stochern bei der Suche nach den Hintergründen der Kälteallergie nach wie vor im Nebel. So werden das Pfeiffersche Drüsenfieber, Windpocken, Gürtelrose, Borreliose, Atemwegsinfektionen, entzündliche Prozesse im Hals-Nasen-Ohren-Bereich und an der Zahnstruktur oder Masern als mögliche Auslöser der Kältereaktionen genannt, ohne dass bisher aber ein konkreter Zusammenhang erklärt werden konnte.

Da die Ursachen der extremen Kälteempfindlichkeit bei der Kälte-Urtikaria nach wie vor rätselhaft sind, bleibt den Betroffenen nur, die Symptome entweder durch das Meiden von Kälte zu verhindern oder symptomunterdrückende Medikamente einzunehmen. Erprobt ist hier die Gabe eines bestimmten Antihistamins in einer hohen Dosierung, wodurch den meisten Patienten Symptomfreiheit verschafft werden kann.

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