Straffe Formen durch Vibration?
Vibrationstraining in der Gruppe: Anfänger sollten nur unter Anleitung auf die Geräte steigen. (Foto: dbp/Power Plate) Es ist in aller Munde und entwickelt sich zum wahren Trendsport: Trainieren auf einer Platte, die in unterschiedlichen Stufen vibriert, den Körper rüttelt und schüttelt.
Uwe Friedrichs, sportlicher Leiter eines Sportstudios mit Schwerpunkt Vibrationstraining aus Frechen bei Köln, erklärt, was es damit auf sich hat.
Was passiert genau beim Training?
Uwe Friedrichs: Durch die entstehende Beschleunigungstechnik werden bis zu fünfzig Muskelreflexe pro Sekunde erzeugt. Hinzu kommt, dass nahezu alle Muskeln aktiviert und trainiert werden. Beispielsweise auch die tiefer liegenden Rücken- und Beckenbodenmuskeln, die sich sonst nur schwer erreichen und trainieren lassen. Stellen Sie sich vor, Sie springen von einem Stuhl. Bei der Landung werden instinktiv unzählige Muskeln angespannt. Genau dieses Prinzip nutzen Vibrationsplatten. Die Platte hebt sich für das Auge nicht wahrnehmbar in die Höhe. Senkt sie sich wieder ab, spannt der Körper automatisch beinahe alle Muskeln an.
Wie läuft eine Trainingseinheit ab?
Friedrichs: Start sollte ein kurzes Warm-up sein, dann etwa eine Viertelstunde Ganzkörpertraining, meist in Form eines Zirkels. Anschließend Dehnübungen und wer mag eine Massage.
Was kann mithilfe des Vibrationstrainings verbessert werden?
Friedrichs: Die Durchblutung verbessert sich. Muskelkraft, Koordinationsvermögen und Beweglichkeit nehmen zu, ebenso vergrößert sich der Bewegungsradius. Hilfreich ist das Training auch gegen Cellulitis.
Wie viel Kalorien werden dabei im Schnitt verbrannt?
Friedrichs: Da es stufenlos regulierbar ist, kann man keine pauschale Aussage zum Kalorienverbrauch machen. Interessant in dem Zusammenhang ist die Erhöhung des Grundumsatzes um etwa 350 Kilokalorien nach einem knapp zweimonatigen Training, zweimal pro Woche.
Für wen ist es geeignet?
Friedrichs: Für gesunde Jugendliche und Erwachsene. Ebenso für Personen, die beispielsweise unter chronischen Rückenbeschwerden oder einer nicht aktivierten Arthrose leiden. Dieses Training wird auch in der medizinischen Rehabilitation angewandt. Sogar Spitzensportler nutzen die positiven Effekte.
Reicht es, nur mittels Vibrationstraining sportlich aktiv zu sein?
Friedrichs: Es ersetzt kein Ausdauertraining und wird deswegen immer in Kombination empfohlen.
Wem würden Sie das Training nicht empfehlen?
Friedrichs: Personen mit akuten Erkrankungen, entzündlichen Prozessen, Herz- oder Hirnschrittmacher. Ferner bei Thrombose, frischen Wunden oder nach einer Operation. In der Schwangerschaft, bei ausgeprägter Osteoporose mit Frakturen, unbehandeltem Bluthochdruck und schlecht eingestelltem Diabetes mit entsprechenden Folgeerkrankungen.
Welche Grenzen hat Vibrationstraining?
Friedrichs: Wer den Fokus auf die Zunahme seiner Muskelmasse legt, wird das hiermit schwer erreichen.
Welche Nebenwirkungen können auftreten?
Friedrichs: Die Vibration führt anfangs meist zu Juckreiz an den trainierten Körperteilen. Dies ist ein Zeichen für die starke vegetative Wirkung. Selten reagieren Personen bei zu großer Intensitätssteigerung mit Kreislaufproblemen. Das bessert sich meist recht schnell. Damit individuell und angepasst trainiert wird, sollte dies immer von einem ausgebildeten Trainer angeleitet werden.

