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Sich möglichst lange selbst spüren können

SeniorenhändeIn der Ergotherapie mit Demenzkranken spielen die Hände eine große Rolle: klatschen, etwas anfassen oder greifen beruhigt den Patienten. (Foto: spuno / Fotolia)

In der Ergotherapie erleben demenziell erkrankte Menschen Halt und Struktur

(dbp/ihs) Auch an Demenz erkrankte Menschen können mit Ergotherapie gut behandelt werden. „Allerdings“, sagt Gudrun Schaade, Ergotherapeutin, Dozentin und Buchautorin, „darf der Schwerpunkt der Arbeit nicht nur auf das kognitive Training gelegt werden, sondern die Stimulation der Körperwahrnehmung sollte im Mittelpunkt stehen.“ Mit einem gezielten Training der Körperwahrnehmung könne motorische Unruhe abgebaut, herausforderndes Verhalten positiv beeinflusst und Ängste reduziert werden.

Körperwahrnehmung anregen

Es gehe nicht darum, die Demenz aufzuhalten, das sei nicht möglich, betont Schaade. Stattdessen stimuliere die Ergotherapie mit Sinnesreizen die Wahrnehmung der Betroffenen. Das muss vor allem über den Gleichgewichtssinn, Tast- und Bewegungssinn erfolgen. Sehsinn, Hörsinn, Geruchssinn oder Geschmackssinn sind mit fortschreitender Erkrankung kaum mehr zu beeinflussen. Ein zentraler Bereich für eine bessere Körperwahrnehmung seien die Hände. Eine gute Übung sei zum Beispiel das Klatschen beim Singen. Dazu sei die Koordination der Hände erforderlich, die im späteren Stadium eingeschränkt wird.

Jemand, der seinen Körper nicht mehr wahrnehmen könne und das sei bei demenziell erkrankten Menschen im fortgeschrittenen Stadium der Fall, bekomme Angst und werde aggressiv. Er laufe unruhig hin und her laufe nestele mit den Händen herum und versuche, sich selbst zu stimulieren. Es gebe viele Möglichkeiten, in der Ergotherapie Körperstimulation zu erreichen. Man könne beispielsweise Stofftiere, Bücher oder auch Tücher zum Begreifen einsetzen. Die Betroffenen würden damit „arbeiten“ und sich beruhigen.

Was kann Ergotherapie leisten?

Das wichtigste Ziel in der Ergotherapie ist laut Schaade: „Der demenziell Erkrankte soll sich möglichst lange selbst spüren können.“ Bei einer beginnenden Erkrankung geht es darum, Hilfe bei der Alltagsbewältigung zu geben, Angehörige zu beraten, aber auch schon bewusst die Körperwahrnehmung durch Bewegung wie Sport zu stimulieren. Später arbeitet die Ergotherapie sowohl in Gruppen als auch in Einzeltherapie spielerisch mit Liedern, Bildern, Schrift und Bewegungen, die eine Beziehung zum Erkrankten herstellen.

Ein Schwerpunkt ist die Förderungen von gespeicherten Handlungen, wie beispielsweise Haare kämmen, Schuhe anziehen, schwimmen gehen oder Tisch decken. Im fortgeschrittenen Stadium geht es dann darum, Immobilität sowie Gelenkversteifungen durch Übungen vorzubeugen, zum Beispiel durch das Greifen nach verschiedenen Gegenständen und Bewegungen, die die Handöffnung fördern. Leider werde oft vergessen, dass Demenz im schweren Stadium zur Immobilität führe und der Betroffene zum Schluss bettlägerig werde.

  • Buchtipp: Gudrun Schaade: Ergotherapie bei Demenz, 5. Auflage, Springer Verlag Heidelberg

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