Schonhaltung aufgeben und wieder mobil werden
Die Ergotherapie fördert die Beweglichkeit nach Brüchen, Operationen oder bei Rheuma. (Foto: Köpenicker / Fotolia)Bei orthopädischen Erkrankungen bietet die Ergotherapie ein breites Behandlungsspektrum
(dbp/ihs) Ziel der Ergotherapie bei orthopädischen Erkrankungen ist die Wiedererlangung und Erhaltung der Handlungsfähigkeit in Alltag und Beruf. „Wir wollen“, sagt Heike Fuhr, leitende Ergotherapeutin an der Medizinischen Hochschule Hannover, „dass die Patienten im häuslichen, beruflichen und persönlichen Umfeld eine größtmögliche Selbstständigkeit wieder erreichen.“
Meist gehe es in der Orthopädie um Funktionsstörungen, die durch eine Verletzung oder Erkrankung vorübergehend oder dauerhaft die alltäglichen Aktivitäten einschränken. Fuhr: „Hier können wir zum Beispiel mit einer Beratung über Hilfsmittel, wie Griffverdickungen bei Besteck oder Gartengeräten, individuellen Funktionsübungen oder durch unterstützende Schienenversorgung helfen.“ Häufige Krankheitsbilder in der Orthopädie sind Schmerzen, rheumatische Erkrankungen wie die rheumatische Arthritis, Polytraumen, Funktionseinschränkungen nach operativen Eingriffen, Frakturen, Sehnen- und Nervenleiden, Verbrennungen oder Amputationen.
Praktische Handhabung wird trainiert
„In der Ergotherapie“, erläutert Heike Fuhr, „werden Handlungen und Bewegungsmuster nicht nur abstrakt funktionell trainiert, sondern immer mit Alltagsgegenständen aus Haushalt, Beruf und Hobby erprobt.“ Es gebe beispielsweise in der Medizinischen Hochschule eine Übungsküche, eine Übungswerkstatt sowie ein Übungsbad, in deren Räumlichkeiten geübt werden könne. Sogar Handlungen für die berufliche Wiedereingliederung am Arbeitsplatz könnten trainiert werden. Natürlich sei es wichtig, dass die Patienten die Übungen zu Hause fortsetzten. „Außerdem“, sagt Heike Fuhr, „beraten wir bei einer Wohnraumanpassung und führen Arbeitsplatzberatungen auch vor Ort durch.“
Schonhaltung abbauen – Beweglichkeit verbessern
Aus der funktionellen Befunderhebung und der Betätigungsanalyse leiten sich die ergotherapeutischen Maßnahmen ab. Sie reichen von wiederholenden Funktionsübungen aus Teilen einer komplexen Alltagshandlung, einer Spiegeltherapie zur Schmerzreduzierung, über Sensibilitätstraining bis hin zum Wasch-, Anzieh- und Kochtraining. Prophylaxen wie Gelenkschutzprogramme gehören ebenfalls zum Repertoire. „Wir achten darauf“, sagt Heike Fuhr, „dass der Patient seine Schonhaltung abbaut und seine Beweglichkeit verbessert.“
Die Klinik in Hannover bietet eine spezielle „Job-Reha“ an. Dort werden arbeitsplatzbezogene Beschwerden behandelt. Mit allen Maßnahmen soll ein Maximum an Lebensqualität erreicht werden. Bisweilen sei das ein langer Weg, besonders bei chronischen Erkrankungen, aber schon ein kleines Stück mehr an Selbstständigkeit könne viel an Zufriedenheit und gewonnener Lebensqualität für die Patienten bedeuten.

