Schmerzen einfach wegkleben?

Nach Sportverletzungen kommen immer häufiger die bunten Klebebände zum Einsatz, auch Kinesio-Tapes genannt. (Foto: Peter Atkins / Fotolia)
Nach Sportverletzungen kommen immer häufiger die bunten Klebebände zum Einsatz, auch Kinesio-Tapes genannt. (Foto: Peter Atkins / Fotolia)

Kinesio-Taping wird von Ärzten, Physiotherapeuten und Podologen angewendet

(dbp/mhk) Sie verleihen Füßen, die beim Sport großen Belastungen ausgesetzt sind, Schutz und Stabilität. Sie lindern Schmerzen. Bunte Klebestreifen – als Behandlungsmethode, nach erfolgter Therapie und zur Prophylaxe. Diese an sich einfache Art, Menschen Stabilität zu geben und Schmerz zu nehmen, nennt sich (Kinesio-)Taping. Die 30 Jahre alte Erfindung des japanischen Chiropraktikers Kenzo Kase setzt sich weltweit immer mehr durch. Laut Deutscher Kinesio Taping Gesellschaft (KTA) sollen die Bänder als quasi zweite Haut wahre Multitalente sein: Erstens regen sie den Fluss von Blut und Lymphflüssigkeit an. Durch das spezielle Material (ohne Wirkstoffe) der Tapes und die Anlagetechniken werde der körpereigene Heilungsprozess unterstützt. Sie können angeblich Verletzungen kurieren, Muskeln lockern, Verspannungen lockern und Schmerzen lindern.

Ballenzeh und Vorfußschmerz

Physiotherapeuten und Podologen wenden sie bei schmerzenden oder deformierten Füßen und Zehen an. Behandlungsfelder sind beispielsweise Hallux valgus (Ballenzeh), Metatarsalgie (Vorfußschmerz). „Die Medi-Tape-Verband-Technik nutzen wir beispielsweise zur Schmerzlinderung, für bessere Durchblutung und gegen Entzündungen im Bereich der Ferse, oft Ursache eines Fersensporns“, berichtet Helga Biersa, zweite Vorsitzende des Deutschen Podologen Verbandes. Mitbehandelt wird die Wadenmuskulatur. Das gewährleiste zumindest eine Entlastung und fördere die Ausheilung der Entzündung. Kontraindikationen sind akute Entzündungen, Venenentzündungen, Thrombosen, bösartige Tumore, Brüche, Sehnen- oder Muskelrisse. „Eine Prellung oder einen vertretenen Knöchel kann man am besten mit einem starren, unelastischen Tape stabilisieren. Begleitende Blutergüsse und Schwellungen werden durch den Massageeffekt des Tapes zügiger abgebaut“, weiß Podologin Monja Biersa, die gemeinsam mit ihrer Mutter in einer medizinischen Praxis in Oberhausen arbeitet.

Tape wirkt wie Zaumzeug

Für Fußballer mit instabilen Bändern, Läufer mit gereizter Achillessehne, Übergewichtige oder Menschen, die berufsbedingt den ganzen Tag stehen müssen, kann das Taping eine Entlastung bedeuten. Ob Reizung, erhöhte Spannung der Sehnen, verkürzte Wadenmuskulatur: Gutes, flaches Schuhwerk mit genügend Zehenspielraum und Dehnung sind hier wichtig. Tapes – auch Zügel genannt – halten den Schmerz an der Kandare: „Das Tape hilft mittelfristig durch muskuläre Entspannung und vermindert damit den Zug der Muskulatur und somit den Schmerz“, so Biersa. Je nach Technik können Muskeln sich entweder mehr oder weniger kontrahieren. Das habe zudem Einfluss auf Fehlstellungen der Gelenke. Tägliche Aktivitäten wie Arbeit, Sport oder Freizeit werden durch die Bänder, die fachgerecht angelegt und in regelmäßigen Abständen gewechselt werden, nicht beeinträchtigt. Gipsschiene oder Ruhigstellung beschränken die Mobilität. Tapes fördern eher die Beweglichkeit. Nicht zuletzt, weil sie Schmerzen lindern oder unterdrücken können. Das wasserabweisende Material ermöglicht außerdem problemlos zu duschen, ohne den Verband wechseln zu müssen. Die Behandlung darf nur von einem ausgebildeten Experten durchgeführt werden. Ärzte, Podologen oder Physiotherapeuten können sich mittels Schulungen und Seminaren im Taping weiterbilden lassen.

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