Schlaganfall: Therapie für ein neues Körpergefühl
Physiotherapie hilft zum Beispiel, Gangstörungen nach einem Schlaganfall zu behandeln. (Foto: W. Luger/Fotolia)Die Reha nach einem Schlaganfall ist ein Zusammenspiel verschiedener therapeutischer Berufsgruppen.
Wichtig ist, dass mit der Reha möglichst früh begonnen wird. Zur Orientierung, welche Stufe der Rehabilitation für den Patienten angebracht ist, dient das sogenannte Phasenmodell der Bundesarbeitsgemeinschaft Rehabilitation. Phase A beschreibt dabei die Akutphase im Krankenhaus, in der zunächst die Stabilisierung der Vitalfunktionen (Blutdruck, Puls etc.) im Vordergrund steht. Darauf folgt Phase B, die Frührehabilitation, bei der die Patienten oft noch so geschwächt sind, dass sie gar nicht selbst mitarbeiten können. Die weitere stationäre Rehabilitation in einer speziellen Klinik und unter Mitarbeit des Patienten folgt dann in den Phasen C und D.
Mix aus verschiedenen Therapien
„Deren Erfolg ist sehr von der individuellen Schädigung sowie von der Dauer des Trainings abhängig“, sagt Professor Dr. Hans-Christoph Diener, Leiter der Essener Universitätsklinik für Neurologie. Dabei dürfe Erfolg nicht unbedingt im Sinne einer Heilung verstanden werden, sondern messe sich an der größtmöglichen Selbstständigkeit, die der Patient erlangen kann.
Typische Folgen eines Schlaganfalls sind halbseitige Lähmungen, Seh-, Schluck- und Sprachstörungen. Dementsprechend vielfältig muss die Rehabilitation aussehen: als Zusammenspiel von medizinischer Behandlung, Physiotherapie, Logopädie, Ergo-, Kunst- und Musiktherapie, psychologischer Betreuung und nicht zuletzt Hilfe bei der Wiedereingliederung in den Beruf (Phase E).
Das Gehirn ist extrem lernfähig
Bei der Musiktherapie weiß man zum Beispiel, dass rhythmischer Klang Schlaganfallpatienten hilft, wieder besser gehen zu lernen.
Darüber hinaus gibt es bei Gangstörungen Laufbänder mit einem Geschirr, in das der Betroffene eingehängt wird. So kann er zunächst nur die Gehbewegungen lernen, ehe er sein ganzes Gewicht tragen muss.
Das Gehirn ist erstaunlich leistungsfähig und hat Diener zufolge oft nur „vergessen“, wie sich etwa ein gesunder Arm anfühlt. „Wenn die rechte Körperhälfte mittelschwer gelähmt ist, wird der linke Arm festgebunden, damit der Patient gezwungen ist, den gelähmten Arm einzusetzen“, erklärt der Professor eine mögliche Therapiemethode. Das Gehirn lerne so wesentlich schneller, den betroffenen Arm zu gebrauchen.
Außerdem sei es wichtig, die Muskulatur zu stärken, weil sich ein schwacher Muskel nicht entschieden genug gegen die Lähmung wehrt.
Hilfe zum Wiedereinstieg in den Beruf
„Wichtig ist, dass der Patient nicht die Geduld verliert“, sagt der Professor. Denn manche Störungen bessern sich erst nach Jahren.
Gerade für jüngere Patienten ist nach dem stationären Aufenthalt die berufliche Rehabilitation von Bedeutung. Manchmal sind Umschulungen, Hilfsmittel oder ein Umbau am Auto nötig, damit Patienten trotz Behinderung wieder arbeiten können. Grundsätzlich kann dafür je nach Zuständigkeit bei der gesetzlichen Renten- oder Unfallversicherung beziehungsweise der Bundesagentur für Arbeit finanzielle Unterstützung beantragt werden.

